Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Bäuerinnen verstehen sich über alle Grenzen

Ausgabe Nummer 43 (2014)

22. Tag der Bäuerin an der Olma

Der Tag der Bäuerin war dieses Jahr international geprägt. Die Bäuerinnen aus der Schweiz trafen sich mit Berufskolleginnen aus Kolumbien, Myanmar, Tschad und Kanada. Sie gingen der Frage nach, wie der Alltag auf einem bäuerlichen Familienbetrieb in den verschiedenen Ecken der Welt aussieht. In Kurzreferaten, Filmbeiträgen und Gesprächen entdeckten sie Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

«Bäuerinnen weltweit – so fremd und doch vertraut. Im Gespräch mit Berufskolleginnen rund um den Globus» lautete der Titel am 22. Tag der Bäuerin. Er stand ganz im Zeichen des internationalen Jahres der bäuerlichen Familienbetriebe und setzte den Schlusspunkt zur Veranstaltungsreihe «Bäuerinnen- Dialog», zu dem Swissaid vier Frauen und Begleiterinnen aus vier Kontinenten eingeladen hatte.

Viele Kleinstbetriebe
Sie freue sich sehr, den Tag der Bäuerin mit Gästen aus aller Welt gestalten zu können, erklärte OK-Mitglied Vreni Senn in ihren Begrüssungsworten. Die Begegnungen mit den Berufskolleginnen sei eine grosse Bereicherung. Sandra Helfenstein vom Schweizer Bauernverband und Caroline Morel von Swissaid brachten dem Publikum Basiswissen und Fakten zu bäuerlichen Familienbetrieben näher. Die Landwirtschaft auf der Welt werde von Kleinstbetrieben dominiert, betonten sie. 72 Prozent der Bauernfamilien bewirtschafteten weniger als eine Hektare landwirtschaftlicher Nutzfläche. Insgesamt kultivierten diese Betriebe aber nur neun Prozent der weltweiten Landwirtschaftsfläche. Lediglich drei Prozent der Betriebe bewirtschafteten mehr als zehn Hektaren.
Während in der Schweiz und in Kanada der Analphabetismus bei Frauen verschwindend klein sei, betrage er in Kolumbien 6,3, in Myanmar 9,6 und in Tschad 74,6 Prozent. Grosse Unterschiede bestehen auch bei der Höhe der Ausgaben für Nahrung. Während die Lebensmittel das Haushaltsbudget in der Schweiz mit sieben Prozent belasten, sind es in Tschad 68 Prozent. Neben allen Unterschieden gebe es aber auch Gemeinsamkeiten, erklärten die beiden Referentinnen. So verschmelze beispielsweise überall auf den Landwirtschaftbetrieben das Arbeits- und Familienleben.

Beeindruckendes entdeckt
Unter der Moderation von SRF-Redaktor Claudio Agustoni stellten die vier Frauen sich und ihre Landwirtschaftsbetriebe vor. Yaini Isabel Contreras Jiménez lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern auf einem Landwirtschaftsbetrieb in Kolumbien. Auf ihrem Hof gibt es eine Hühnerzucht, Mango- und Guavabäume und eine Imkerei. Sie bauen Jams und Maniok an. Sie sei sehr beeindruckt, wie gut die Landwirtschaft in der Schweiz organisiert sei, erklärte sie.
Sie habe noch nie so fette Kühe mit einer so grossen Milchleistung wie in der Schweiz gesehen, betonte Dorcas Ndigueroim aus Tschad. Für sie grenze dies an ein Wunder. Ausserdem sei sie fasziniert von den prächtigen Blumengärten, die sie auf ihrer Reise durch die Kantone gesehen habe. Die Mutter von sieben Kindern lebt auf einem Hof mit zwei Hektaren. Die Familie baut Hirse, Erdnüsse, Reis und Gemüse an. Zudem besitzt sie zwei Kühe, sechs Ziegen und Hühner.
Lar Mya Mee stammt aus dem Norden von Myanmar. Die siebenköpfige Familie setzt auf Reisanbau, hat einen Gemüsegarten und bewirtschaftet im Kommunalwald Fruchtbäume wie Mango, Jengkol und Rambutan. Sie zeigte sich vor allem von den Maschinen beeindruckt, die sie auf den Schweizer Betrieben gesehen hat. Bei ihr zu Hause werde alles von Hand bewirtschaftet.
160 Hektaren Land umfasst der Hof, den Nancy Caron mit ihrer Familie in Kanada (Québec) besitzt. Milchvieh, Mutterkühe und Schafe leben in den Ställen. Das Grün- und Getreidefutter für die Tiere wird auf den hofeigenen Flächen produziert. Nancy Caron hob die gute Landwirtschaftsausbildung hervor, die sie während ihres Besuchs in der Schweiz kennengelernt hat.

Einen Weg «erfinden»
Die Bäuerinnen aus den vier Kontinenten beantworteten die Fragen von Claudio Agustoni und aus dem Publikum mit Erzählfreude, Witz und Charme. Die Themen drehten sich um die Zusammenarbeit mit Swissaid, die Nachfolgeregelung auf den Betrieben, die Verhältnisse mit dem Landbesitz in den jeweiligen Ländern, den Stand der Gleichberechtigung, Anbaumethoden und vieles mehr.
Die Einladung an den Bäuerinnen-Dialog von Swissaid und den Tag der Bäuerin während der OLMA habe ihr ermöglicht, das erste Mal in ein Flugzeug zu steigen und nach Europa zu fliegen, erklärte eine der Gastbäuerinnen. Sie werde spannende neue Eindrücke mit nach Hause nehmen und zurück in der Heimat viel zu erzählen haben, betonte eine andere.
Die Schilderungen der Gastbäuerinnen hätten eindrücklich gezeigt, wie sie alle auf ihre Art täglich mit der Natur und ihren Herausforderungen umgehen würden, betonte OK-Mitglied Ursula Schubiger am Schluss der Veranstaltung. Die Mühlrüti-Fäger umrahmten den 22. Tag der Bäuerin musikalisch.


Claudia Schmid




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