Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
17. Oktober 2014


Balsiger prägte über 30 Jahre das BBZ Arenenberg

Ausgabe Nummer 51 (2010)

Ende Jahr geht Otto Balsiger, nachdem er 29 Jahre die Verantwortung als Direktor des Bildungs- und Beratungszentrums (BBZ) Arenenberg trug, in den wohlverdienten Ruhestand. In einem Gespräch blickt er auf die letzten 40 Jahre zurück, wo für ihn vor allem die Menschen im Zentrum standen.

 

Per Ende Jahr geht Otto Balsiger, Direktor des Bildungs- und Beratungszentrums (BBZ) Arenenberg, in Pension. Nach einer landwirtschaftlichen Ausbildung studierte er an der ETH in Zürich und schloss die Prüfung 1970 als diplomierter Ingenieur Agronom ETH erfolgreich ab. Am 1. September 1970 nahm er die Arbeit als Tierzuchtlehrer am BBZ Arenenberg auf. 1972 wurde Balsiger die Verantwortung für die Fachstelle Nutztierhaltung übertragen. Im Nebenamt war er gleichzeitig im Vorstand des Schweizerischen Braunviehzucht- und des Schweizerischen Fleckviehzuchtverbandes. «Das war eine hoch spannende Zeit, wurden doch teilweise die gleichen Geschäfte unterschiedlich beurteilt», so Balsiger. Gleichzeitig war er als Vertreter der beiden Zuchtverbände im Vorstand des Schweizerischen Verbands für künstliche Besamung (KB-Verband) tätig. Von 1986 bis 1994 präsidierte er den Schweizerischen KB-Verband.

 

Vier Direktoren in 104 Jahren

Schmunzelnd meint Balsiger, dass das BBZ Arenenberg in seiner 104-jährigen Geschichte erst von vier Direktoren geleitet wurde. Der erste Direktor war ein Bayer namens Mühlebach, darauf folgte der Berner Hans Lüdi, der mit 28 Jahren zum Direktor ernannt wurde und dem Thurgau die Kleegraswirtschaft brachte. Darauf folgte der Thurgauer Eugen Aus der Au. Seit 1981 amtet Balsiger als BBZ Direktor

 

 Bereits vor 40 Jahren eine Baustelle

Als Balsiger die Stelle am Arenenberg antrat, war es ähnlich wie heute: nämlich eine grosse Baustelle. Beim heutigen Schulgebäude mit Mehrzweckhalle wurden damals gerade die Fundamente erstellt. Neu wurden ebenfalls die Schulund Versuchsgärtnerei und die Zivilschutzanlage gebaut. Ebenfalls in dieser Bauperiode von 1970 bis 1974 wurde das Fachstellenhaus erbaut und das Schulgebäude renoviert. Die Landwirtschafts- und Haushaltungsschule war zu jener Zeit voll belegt. Auf Grund der grossen Nachfrage wurden in der Winterschule pro Jahrgang vier Klassen geführt, von 1978 bis 1984 auch Filialklassen in Weinfelden. Der offene Kurs für Bäuerinnen wurde wegen der Vollbelegung am Arenenberg damals in Engwang und später während einigen Jahren in Weinfelden geführt.

 

Arenenberg mehrmals in Pionierrolle

Die landwirtschaftliche Ausbildung hatte bei Balsiger immer einen sehr hohen Stellenwert. 1981 wurde die Praxisprüfung nach zwei Lehrjahren auf den Lehrbetrieben eingeführt. «Schon damals waren wir schweizweit die erste landwirtschaftliche Schule, die das Prüfungssystem änderte. » 1984 führte das BBZ Arenenberg die Balsiger prägte über 30 Jahre das BBZ Arenenberg Ende Jahr geht Otto Balsiger, nachdem er 29 Jahre die Verantwortung als Direktor des Bildungs- und Beratungszentrums (BBZ) Arenenberg trug, in den wohlverdienten Ruhestand. In einem Gespräch blickt er auf die letzten 40 Jahre zurück, wo für ihn vor allem die Menschen im Zentrum standen. Aus- und Weiterbildung In den letzten Jahren musste sich Otto Balsiger viel mit Bauplänen befassen. (tos) 34 Jahresschule an Stelle der zwei Winterkurse ein und war 15 Jahre lang die einzige Schule mit diesem Angebot. Mit der Umstellung von der Winterschule auf die Jahresschule konnte das BBZ Arenenberg die Kapazitäten ohne bauliche Massnahmen verdoppeln. Ein Vorteil war, dass dadurch viel mehr Ausbildung am Objekt während der Vegetationszeit in den Pflanzenbaufächern, erteilt werden konnte. Dadurch liessen sich viele ausserkantonale Landwirtschaftslehrlinge am Arenenberg ausbilden. Was in der Folge die meisten anderen Kantone dazu bewog, ebenfalls die Jahresschulen anzubieten. In den Neunzigerjahren gingen die Schülerzahlen dann stetig zurück.

 

Graubünden und St. Gallen im Thurgauer Modell

«Zu jener Zeit stellten wir fest, dass die landwirtschaftliche Berufslehre erneuert werden muss und dringend Handlungsbedarf vorhanden war. Wir waren überzeugt, dass schweizweit etwas passieren wird, und man die Probleme auch von Seiten der Branche her lösen will», erklärt Balsiger. Die BBZ-Leitung erwartete, dass es aber rund zehn Jahre dauern wird bis zur Einführung einer neuen Berufslehre. «Hätten wir zehn Jahre gewartet, wäre der Arenenberg als Bildungsstandort gefährdet gewesen», ist Balsiger überzeugt. In jenen Jahren hatten wir 72 Lehrlinge auf Lehrbetrieben und 20 Schüler in der Jahresschule, total noch gerade 92 Lehrlinge.

 

Neues Konzept evaluiert

Im Dezember 1999 ging das Kader des BBZ Arenenberg zwei Tage in eine Klausurtagung. Dabei ging es um Fragen, was zu tun sei, dass das BBZ Arenenberg auch in 15 Jahren noch bestehe. Auch für ein neues Ausbildungsmodell bestand Handlungsbedarf. Dabei ging es auch um die Auslotung der Chancen für die Thurgauer Landwirtschaft unter veränderten politischen Bedienungen, wie beispielsweise der Öffnung der Grenzen. Ab dem Jahr 2000 wurde darüber gesprochen, ob es den Arenenberg als Bildungsstandort überhaut noch brauche. Ein Jahr später legte das BBZ Arenenberg dem Thurgauer Regierungsrat ein Konzept mit drei Varianten vor. Die erste Variante ging davon aus, nichts mehr zu investieren und abzuwarten, bis die Anlage nicht mehr brauchbar sei. Die zweite Variante sah lediglich vor, Reparaturen vorzunehmen wo nötig. Die dritte Variante sah ein Gesamtkonzept Arenenberg vor.

 

40 Millionen Franken projektiert

Der Regierungsrat erteilte der Projektgruppe unter der Leitung von Otto Balsiger den Auftrag, unter Einbezug von Schloss Arenenberg mit Napoleonmuseum, also für den Gesamtstandort Arenenberg ein Gesamtkonzept zu entwickeln. «Nun haben wir mit der Realisierung des Gesamtkonzeptes begonnen, das der Regierungsrat im Juni 2008 der Geschäftsprüfungs- und Finanzkommission vorgestellt hat. Dieses sieht vor, dass in den nächsten Jahren 40 Millionen Franken investiert werden. Im Moment wird das Hauptgebäude für 16 Millionen Franken vollständig erneuert und umgebaut. Weiter sind vorgesehen die vollständige Erneuerung der Gärtnerei, Renovation des Gästehauses sowie eine neue Umgebungsgestaltung. Ebenfalls soll die Mehrzzweckhalle erneuert und der Eingangsund Aufenthaltsbereich erweitert sowie eine neue Umkleide- und Duschenanlage gebaut werden.

 

Schweizerisches Kompetenzzentrum Musikinstrumentenbau

«Heute hat das BBZ Arenenberg 184 landwirtschaftliche Lernende auf den Lehrbetrieben », sagt der Direktor. Gleichzeitig mit dem Projekt Gesamtkonzept Arenenberg wurde auch das Projekt «Thurgauer Modell – neue landwirtschaftliche Berufsbildung » gestartet. Die Kantone Graubünden, St. Gallen und Zürich wurden eingeladen, bei dem neuen Modell mitzu arbeiten. Die Zürcher zeigten sich nicht interessiert. Im Frühjahr 2002 wurde mit der Unterstützung und der Genehmigung des Thurgauer Regierungsrates das «Thurgauer Modell» welches das BBZ Arenenberg mit den Lehrmeistern entwickelte eingeführt. Nach Balsigers Aussage war die Nachfrage auch von ausserkantonalen Lernenden sehr gross. Viele ausserkantonale Lehrbetriebe bedauern, dass in vielen Kantonen noch heute im dritten Lehrjahr bis zu 680 Lektionen vorgeschrieben sind. Laut Balsiger ist es wichtig, dass sich die Lehrlinge im dritten Lehrjahr möglichst stark mit der Praxis auseinandersetzen können, um für das Berufsleben vorbereitet zu sein. Das Thurgauer Modell sei für den Weiterbestand des BBZ ganz entscheidend gewesen. Erfreulich sei auch, dass der Arenenberg seit drei Jahren schweizerisches Kompetenzzentrum für Musikinstrumentenbau sei. Ein weiteres wichtiges Standbein des BBZ Arenenberg sei neben der landwirtschaftlichen Grundausbildung auch die Weiterbildung (höhere Fachprüfung, eidgenössische Meisterprüfung). Daneben gibt es die permanente Weiterbildung. Laut Balsiger hat auch die Beratung und der Vollzug einen äusserst hohen Stellenwert. Die produktionstechnische Beratung, Unternehmensberatung, Betriebsberatung soll von Weinfelden an den Arenenberg in das neue Kompetenzzentrum verlegt werden.

 

Balsigers mit dem Thurgau verwurzelt

Gerne erinnert sich Otto Balsiger an die 20 Jahre zurück, als er im Vorstand des Thurgauer Bauernverbands (heute Verband Thurgauer Landwirtschaft) mitarbeitete. Für ihn sei die menschliche Beziehung immer von grosser Bedeutung gewesen. Das gelte sowohl für die Lehrlinge, Geschäftsleitungsmitglieder, Mitarbeitenden und Partner. In den 29 Jahren, in welchen er für das BBZ Arenenberg die Verantwortung trug, wurde er von seiner Ehefrau Verena unterstützt. Bereits vor einiger Zeit hat er zusammen mit seiner Ehefrau in Tägerwilen ein neues Zuhause gefunden. Für die beiden «Berner» ist der Thurgau zu ihrer zweiten Heimat geworden. Die beiden sind sicher, dass es ihnen mit ihren vielen Hobbys wie Kochen, Lesen, Reisen und anderem mehr nie langweilig wird.

Mario Tosato

 

Danke, Otto Balsiger!
Am 1. September 1970 trat Otto Balsiger als junger Tierzuchtlehrer in die damalige landwirtschaftliche Schule Arenenberg ein. Als Ingenieur Agronom ETH erteilte er Unterricht in allen mit der Tierzucht zusammenhängenden Fächern und wurde schon bald zum Leiter der Fachstelle Nutztierhaltung befördert. Er organisierte Viehschauen, beteiligte sich in kantonalen und nationalen Fachverbänden, hielt zahllose Vorträge und bildete sich mit längeren Auslandaufenthalten in den USA und Kanada weiter. Per 1. Mai 1981 wurde Otto Balsiger zum Direktor der Landwirtschafts- und Haushaltungsschule Arenenberg gewählt. Seither hat er diese Institution mit grossem Ideenreichtum, viel Geschick und unermüdlicher Tatkraft geführt, geprägt und zum modernen Bildungszentrum weiterentwickelt. Das BBZ Arenenberg geniesst in der ganzen Schweiz ein grosses Ansehen. Der hohe Stand der Thurgauer Landwirtschaft ist zu einem schönen Teil den ausgezeichneten Leistungen des BBZ Arenenbergs in den Bereichen Ausbildung, Weiterbildung und Beratung zu verdanken. Der Regierungsrat nutzte die Zielstrebigkeit und das Organisationstalent von Otto Balsiger, um den Arenenberg als erstes kantonales Amt mit Leistungsauftrag und Globalbudget zu führen. Auch mit der Einführung der Qualitätssicherung in allen Bereichen leistete der Arenenberg unter seiner Führung Pionierarbeit.
Kurz nach seinem Jubiläum von 40 Dienstjahren schliesst Otto Balsiger nun seine Arbeit für den Kanton ab. Ich danke ihm für seinen ausserordentlichen Einsatz und die ausgezeichnete Zusammenarbeit ganz herzlich und wünsche ihm für die Zukunft alles Gute.

Kaspar Schläpfer, Regierungsrat

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