Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Bauern geben gutes Beispiel

Ausgabe Nummer 35 (2014)

Anforderungsreicher Liegenschaftenverkauf in Mattwil erfolgreich besiegelt

In Mattwil haben die Erben eines alt eingesessenen Landwirts nach dem Tod ihres Onkels den Verkauf der Liegenschaft umgesetzt – an ortsansässige Bauern und andere Käufer aus der näheren Region.

Sieben Pachtverträge, sieben parallele Gesuche an das kantonale Landwirtschaftsamt und zehn Kaufverträge sowie viele weitere Formalitäten gab es zu berücksichtigen; rund ein Dutzend Beteiligte vertrauten deshalb auf das Fachwissen von Alfred Ernst. Der Experte für landwirtschaftliche Liegenschaften bei Fleischmann Immobilien war stark gefordert – und voll in seinem Element.

Neue Lösung für zwölf Hektaren
Alfred Ernst wurde die Aufgabe anvertraut, neun Hektaren Acker- und Wiesland sowie drei Hektaren Wald zu verkaufen, die ein Mattwiler Landwirt seinen Neffen und Nichten testamentarisch vermacht hatte. Die Erbengemeinschaft hatte sich daraufhin entschieden, das Land sowie das Haus mit Scheune und Remise zu verkaufen. Es sei motivierend gewesen, das Vertrauen der Erben zu spüren, sagt Ernst. Angesichts der verschiedenen Varianten, die in Frage gekommen wären, sei es überhaupt nicht selbstverständlich gewesen, dass er von einem Teil der Erben eine Generalvollmacht erhalten habe: «Sie haben die grosse Komplexität dieses Liegenschaftsverkaufs erkannt und wollten damit eine schnelle und gute Lösung ermöglichen.» Sowohl fachlich wie terminlich sei der ganze «Formularkrieg» sehr anspruchsvoll gewesen. Er gibt aber auch zu bedenken, dass selbst rasche Bereinigungen in diesem Ausmass mehrere Monate bis zu einem Jahr dauern können. Im Fall Mattwil dauerte der ganze Prozess neun Monate.

Grenzen besser festgesetzt
Die Herausforderung habe zuerst vor allem darin bestanden, den Überblick zu wahren und zur richtigen Zeit die richtigen Personen und Amtsstellen einzubeziehen, so Ernst: «Wichtig war der gute Wille aller Beteiligten, dass alle profitieren können.» Da seit Jahrzehnten keine Güterzusammenlegung mehr gemacht worden sei, habe es ihn persönlich sehr gefreut, dass die Beteiligten die Gunst der Stunde genutzt haben. Von den sieben früheren Pächtern habe lediglich einer darauf verzichtet, das Land im Vorkaufsrecht zu erwerben. Sodann konnten die Details mit den am Land interessierten Pächtern und Interessenten für das Haus mit Ökonomiegebäuden ausgearbeitet werden. Letztlich wurde das Landwirtschaftsland an sieben Käufer, die Waldparzellen an drei weitere Interessenten verkauft. Für die ehemaligen Pächter resultiere eine Verbesserung der Situation, da nun die Bewirtschaftung durch zusätzlichen Landabtausch unter den Landwirten verbessert werden kann. Auch beim Wald wurde darauf geachtet, dass angrenzende Besitzer als Käufer berücksichtigt werden konnten.

Ausbaubar mit schönem Ausblick
Aber nicht nur für das Landwirtschaftsland und den Wald wurde eine gute Lösung herbeigeführt. Auch für die Wohnliegenschaft mit Nebengebäuden gibt es auf allen Seiten zufriedene Gesichter. Ernst erklärt, dass die Nachfrage nach dieser Parzelle ausserordentlich hoch gewesen sei: «Die Liegenschaft befindet sich in der Dorfzone, womit sie gut um- und ausgebaut werden kann. Zudem eröffnet sich vom Wohnhaus aus ein wunderbarer Blick über das Aachtal bis zum Alpstein, den Churfirsten und den Glarner Alpen.»

Komplexe Koordination
Alle Beteiligten auf Seiten der Erbengemeinschaft und der Käuferschaft waren sich nach dem gestaffelten Gang zum Grundbuchamt einig: Selbst für den Grundbuchverwalter in Bürglen waren diese Handänderungen alles andere alltäglich. Für ein derartig umfangreiches Verkaufsgeschäft brauche es Fachpersonen, welche die Komplexität der Abläufe und die gesetzlichen Zusammenhänge, beziehungsweise die Besonderheiten in der Landwirtschaft kennen. Erleichtert waren sie auch, dass Alfred Ernst die gesamte umfangreiche Koordination mit den Banken für die Zahlungsversprechen übernahm, die Formalitäten für die Grundstückgewinnsteuer regelte und letztlich die Vorverträge und Verträge ausarbeitete. Hanspeter Brugger, als Vertreter der Erben erklärt, dass es für seine Erbengemeinschaft deshalb ausschlaggebend gewesen sei, für dieses Geschäft ein Maklerunternehmen einzubeziehen, das regional verankert ist und auch schon ähnliche grössere Projekte betreut hat. Positiv überrascht habe ihn die Tatsache, dass in der Person von Alfred Ernst sogar ein Agronom die Federführung übernommen habe.

Reelle Preise
Landwirt Andreas Fey konnte seinen Besitz mit dieser Lösung ausweiten. Er erachtet es als lobenswert, dass die Erbengemeinschaft die bisherigen Bewirtschafter zum Zuge kommen liess. Für Hansueli Germann sind die Grenzbereinigungen und der hinzugekaufte Wald eine gute Optimierung, und auch René Rutz freut sich, dass er zu seinem eigenen Wald nun auch noch jenes Stück hinzukaufen konnte, das er vorher mehrere Jahre gepachtet hatte. Für sie lief alles reibungslos – auch die Preise seien sehr reell eingeschätzt worden. Rutz betreibt mit Markus Rutishauser eine Hofgemeinschaft. Dadurch ergaben sich weitere Möglichkeiten zur Optimierung der Bewirtschaftung, weil Rutishauser als einziger Käufer, der vorher noch kein Land vom verstorbenen Landwirt gepachtet hatte, dazukaufen konnte. (mgt)




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