Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
19. Januar 2018


Bauern sehen sich als Verlierer der geplanten Thurkorrektion

Ausgabe Nummer 45 (2014)

Die Bauern aus der Region Bürglen und Weinfelden sehen sich als die grossen Verlierer, da ihnen 20 bis 30 Hektaren Kulturland entzogen werden.

Regierungsrätin Carmen Haag, Vorsteherin des Departements Bau und Umwelt, und Marco Baumann, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft/Wasserbau, sowie Vertreter der Gemeinden Bürglen und Weinfelden orientierten an zwei Informationsveranstaltungen über die geplante Thurkorrektion. Beide Anlässe wurden lediglich von je rund 50 Personen besucht. Die Veranstaltungen waren auf 18 Uhr angesetzt, für die Landwirte ein ungünstiger Zeitpunkt, da die Arbeit im Stall ruft. Enttäuschend war auch die Besucherzahl am «Tag der offenen Thur» beim Spielplatz in Bürglen und bei der «Militärübersetzstelle» oberhalb der Badi Weinfelden.

Objektkredit von 27,78 Millionen Franken
Wie Marco Baumann erklärte, sollen die Bauarbeiten am Hochwasserschutzprojekt im Sommer 2015 beginnen. Sie dauern voraussichtlich bis 2020. Mit dem Voranschlag 2015 beantragt der Regierungsrat dem Grossen Rat, für das Vorhaben einen Kredit von 27,78 Millionen Franken als gebundene Ausgaben zu gewähren. An diese Gesamtkosten werden Bund, Dritte und Anrainergemeinden gemäss Kostenvoranschlag knapp 14 Millionen Franken beitragen.

20 bis 30 Hektaren Kulturland werden verlustig gehen
Wie Walter Strupler, Gemeinderat von Weinfelden und aktiver Landwirt, erklärte, begrüsst die Gemeinde Weinfelden das neue «Bauprojekt 2014» grundsätzlich, bringt es doch verschiedene Verbesserungen und Aufwertungen. Aus Sicht der Landwirtschaft führe das geplante Projekt zur Vernichtung landwirtschaftlicher Flächen. Mehrere bäuerliche Betriebe werden gesamthaft Kulturland in der Grösse von 20 bis 30 Hektaren verlieren. Diese Flächen werden unwiderruflich für die Produktion von Nahrungsmitteln nicht mehr zur Verfügung stehen. Laut Strupler ist das ganze Projekt mit seinen Auswirkungen schwer abschätzbar, werden doch mit dem Gewässerschutzgesetz des Bundes voraussichtlich ab Ende 2018 weitere Einschränkungen der landwirtschaftlichen Nutzbarkeit einhergehen.

Nur machen, was notwendig ist
Nationalrat Markus Hausammann, Präsident des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft (VTL), nahm am «Tag der offenen Thur» teil. Seiner Meinung nach sind Hochwasserschutz und Schutz des Grundwassers zwei berechtigte Anliegen. Alle anderen Projektpunkte schiessen nach Hausammanns Ansicht weit über das Ziel hinaus. Das Mittelgerinne müsse nur soweit wie unbedingt nötig aufgefüllt, die bestehenden Dämme sollten weiter gesichert werden. Die zu grosszügig bemessenen Interventionslinien führen mittelfristig zu grossem Landverlust, was für den Hochwasserschutz nicht notwendig ist. Laut Hausammann steht der VTL mit den betroffenen Bauern im engen Kontakt, sie werden sicher Einsprachen erheben, auch der VTL wird eine Einsprache einreichen. Hausammann weist aber daraufhin, dass der VTL im Gegensatz zu den Umweltverbänden kein Beschwerderecht hat. Hausammann möchte, dass nur Korrekturen vorgenommen werden, welche für den Hochwasserschutz notwendig sind.

Das Hochwasserschutzprojekt ist ein guter Kompromiss
«Das ausgearbeitete Hochwasserschutzprojekt führt zu einer Erhöhung der Sicherheit für Weinfelden und zur ökologischen Aufwertung des künftig dynamischen Flussraums», sagte Regierungsrätin Carmen Haag. In seiner heutigen Form sei es ein guter Kompromiss und stelle den grösstmöglichen Nenner zwischen der Pflicht zum Hochwasserschutz und Berücksichtigung verschiedener Partikularinteressen dar. So ermöglicht das Hochwasserschutzprojekt unter anderem einen allfälligen Höherstau des Kraftwerks Weinfelden unter Bezeichnung eines maximalen Stauziels. Der eigendynamischen Entwicklung der Thur werden mit sogenannten Interventionslinien klare Grenzen gesetzt. Landwirtschaftsflächen werden beim Bau nur im zur Thur gehörenden Vorland direkt tangiert. Die landwirtschaftliche Nutzung im Bereich Exerzierplatz und Grubenau bleibt mit dem Bauprojekt 2014 erhalten.

Bauern sehen ihre Existenz bedroht
Wie Landwirt Hans Eschenmoser, Weinfelden, erklärte, könnten auf der verlorenen Nutzfläche tausend Tonnen Kartoffeln angebaut werden. Er gab zu bedenken, ob es wirklich ökologischer sei, wenn man diese nachher importieren müsse. Einzelne Bauern befürchten, dass mit dem vorgestellten Projekt ihre Existenz gefährdet ist. Peter Baur, Landwirt aus Istighofen, findet das Projekt überrissen. In Anbetracht, dass sich die Bevölkerung verdoppeln wird, ist es seiner Meinung nach nicht gut, wenn soviel Kulturland geopfert wird.

Bauern beharren auf ihrem alten Recht
Wie Landwirt Hans Stalder, Rothenhausen, feststellte, kann ein Teil der Bevölkerung nicht verstehen, dass der Thurkorrektion soviel Land zum Opfer fällt. Zudem werden auch die hohen Kosten von fast 28 Millionen Franken kritisiert. Stalder ist der Überzeugung, dass es ausreichend wäre, wenn man die bestehenden Dämme erhöhen würde. Die Dämme sollten auch kontrolliert und wenn nötig gesichert werden. Alles andere sei Renaturierung und Naturschutz. Stalder ist der Überzeugung, dass man mit diesem Vorwand der Landwirtschaft riesige Flächen entzieht. Hans Stalder und seine Mitstreiter fordern, dass man dem Kulturland weiterhin Sorge trägt. Damit sollen Fruchtfolgeflächen und fruchtbare Äcker für die Zukunft gesichert werden. Stalder betont, dass die Bauern an ihrem alten Recht festhalten. Erleiden sie Schäden, muss ihnen Realersatz zugesprochen werden.


Mario Tosato







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