Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Bayern und Thurgau - zwei die sich gut ergänzen

Ausgabe Nummer 45 (2017)

«Mier san mier», so lautet der häufig gehörte Spruch der Bayern. Wohl selbstbewusst, aber auch gut aufgestellt – beispielweise in technischen und landwirtschaftlichen Belangen – alles gepaart mit Gastfreundschaft und Herzlichkeit. So charakterisiert sich auch die «Landesanstalt für Landwirtschaft» LfL Weihenstephan in Freising bei München. Auf Einladung dieses Forschungszentrums am Nordostrand von München, besuchte kürzlich eine Delegation vom BBZ Arenenberg und Tänikon sowie des VTL Gemüsebauverbandes den «LfL Tag der offenen Tür» im Bayerischen.

Die Zusammenarbeit zwischen BBZ Arenenberg, Agrosope Tänikon und der Landesanstalt für Landwirtschaft LfL Weihenstephan beruht auf regelmässigem Austausch von Informationen und Besuchen. Sei es an Ausstellungen wie der Agritechnica, den Feldvorführungen der DLG Feldtage in Nordbayern, den Obstbautagen aber auch BBZ Ackerbautagen oder bei Fachtagungen von Agroscope in Tänikon bis hin zu gemeinsamen Fischereithemen rund um den Bodensee.
Auch wird gegenseitig Versuchstechnik ausgetauscht. Dadurch tragen beispielsweise die (hornlos gezüchteten) Kühe beim LfL Versuchsbetrieb «Grueb» in der Nähe von Freising, das von Agroscope Tänikon entwickelte und in der Schweiz hergestellte «Rumi Watch». Dies ist ein Halfter mit eingebautem Sensor zur Überwachung der Tiergesundheit über die Kautätigkeit der Kühe – in Bezug zur abgewogenen Fütterung und den Ergebnissen rund um den Melkroboter.

Gegenseitiger Austausch Thurgau – Bayern
Im Gegenzug ist Weihenstephan interessiert am Know-how im Bereich der Heubelüftung oder der in Tänikon neu gegründeten «Swiss Future Farm». Das Bayerische Obstbauzentrum nördlich von Freising ist ein allseits geschätzter Informationsort für den Obstbau, namentlich im Bereich Züchtungen und Verfahrenstechnik.
Interessanterweise befindet sich gleich am Stadtrand von Freising ein über die Landesgrenzen hinaus bekannter Bio-Landwirtschaftsbetrieb. Dieser Hof hat mit seiner konsequenten ökologischen und ökonomischen Ausrichtung, seinem Verkaufsladen im Zentrum von München und dem Hofladen/Gasthof einen grossen Bekanntheitsgrad, sodass Besuchergruppen nur bei frühzeitiger Voranmeldung angenommen werden können. Grund genug also die gut drei Stunden Reisezeit in den Raum München zu investieren.

Empfangen wie die «Fürsten»
So hat sich auch die Investition in die herbstliche Fahrt nach Freising bereits schon von Beginn an gelohnt. Denn gleich zur Eröffnung des offiziellen Tages der offenen Tür zum Thema «Wasser» wurde die Thurgauer Delegation herzlich begrüsst und für den ausführlichen Rundgang inmitten der offiziell geladenen Gäste aus der Fachwelt, Politik und Wirtschaft eingeladen.
Mit entsprechenden Erklärungen wurden uns alle Informationsstände und Vorführungen bis ins Detail erklärt. Auch war im Hintergrund noch Verdecktes zu sehen: Im Land der Biogasanlagen steht auch ein biogasbetriebener Traktor für Versuche bereit.

Konsumentenschaft und Landwirtschaft treffen sich bei Forschungsthemen
Dabei kristallisiert sich das Ziel dieser Veranstaltung klar heraus: Es ist eine Leistungsschau, um aufzuzeigen, was die bayerische Forschungsanstalt alles zu leisten vermag, sei es für den Staat, den Steuerzahler, den Nutzer aus der Landwirtschaft aber auch für die ganze Bevölkerung. Der Informationstag war also so ausgelegt, dass Familien mit dem Kinderwagen ebensoviel Interessantes antreffen konnten, wie die Bauernfachwelt. In diesem Sinn war dieser Tag der offenen Tür ein Prachtbeispiel, wie sich Forschungsstellen, die Fachwelt der Nutzer und die Konsumentenschaft der breiten Bevölkerungskreise treffen und profitieren können.
Das Thema «Wasser» wirft in Bezug auf die Landwirtschaft und den Umweltschutz in Bayern gleich hohe Wellen wie in der Schweiz. Haben bei uns zurzeit Initiativen wie «gesundes Wasser» politische Fahrt aufgenommen, so sind es in ganz Deutschland stark organisierte Umweltverbände, welche politischen Einfluss auf die Landwirtschaft nehmen. Am Schluss sitzen Landwirte und Konsumenten bezüglich Wasser im gleichen Boot. Der Konsument muss in die Landwirtschaft Vertrauen haben, dass die Bauern sorgfältige Nährstoffzufuhren und Pflanzenschutzmittel so gering und professionell wie möglich einsetzen. Und gerade darum ging es an diesem bayerischen Informationstag: Das Vertrauen der Konsumentenschaft in die Landwirtschaft weiter zu stärken – natürlich mit nachfolgenden Medienberichten, Diskussionsrunden und vieles mehr.

Praktische Feldvorführung auch am Sonntagmittag
Die LfL hat eine mechanische Werkstatt mit Lehrlingen, wo spezielle Maschinen für die Kleinparzellen Versuchslandwirtschaft konstruiert werden.
Dazu gehört beispielsweise ein Kleinkasten-Düngerund -Saatgutstreuer, ein Messgerät zur Feststellung In Zusammenarbeit mit einem schwedischen Ackerbaugerätehersteller werden im Bereich Direktsaat und Frässaattechnik verschiedene Systeme auch in Grossparzellen erprobt. Ein Grossteil dieser Geräte wurde am Sonntagmittag zur Schau gestellt.
Nebst dem selbstständigen Weideputzen des Selbstfahr- Roboters wurde auch im grossen Rahmen Gülle ausgebracht und zugleich eingedrillt. Dabei durfte natürlich der LfL eigene Grossschlepper «Schlüter» nicht fehlen. Schliesslich wurden die legendären Schlüter-Traktoren erstmals in Freising hergestellt. Der «Schlüter» übernahm die Paradeaufgabe, den grossen dreiachsigen Tankanhänger an den Feldrand heranzuziehen. Danach fuhren die grossen selbstfahrenden Gülleausbringgeräteträger auf und saugten wie Elefanten die Jauche aus dem Tankwagen. Dabei werden die Fahrer bereits beim Laden über die Menge aber auch den Nähstoffgehalt der Gülle mittels Messsensor im Saugrüssel informiert. Danach erfolgt die Gülleausgabe nährstoffgerecht, also dem Feld den Kulturen angepasst. Dies möglichst mit Breitreifen und Spurverstellungen, um einen möglichst geringen Bodendruck zu verursachen.
«Was uns fehlt ist ein Unternehmer, welcher die Gülleverschlauchung praktisch ohne Bodendruck zeigt, analog den Schweizer Verhältnissen!» So informierte uns Dr. Markus Demmel, verantwortlicher Leiter der LfL im Bereich Landtechnik. Damit sind wir am Punkt angelangt, wo sich die Thurgauer und Bayern gut ergänzen können. In diesem Sinne organisiert das BBZ Arenenberg zusammen mit VTL Gremien demnächst eine zweitätige Informationsreise zur LfL Bayern. Detaillierte Informationen folgen.


Bernhard Müller
Leiter Regionale Entwicklung
BBZ Arenenberg




























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