Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Bei den Flurnamen konnte ein guter Kompromiss gefunden werden

Ausgabe Nummer 29 (2017)

Thurgauer Namenbuch

«Roopel» (eine Hofgruppe in der Gemeinde Fischingen) oder «Rotbühl»? 2007 kam das Buch «Die Flurnamen des Kantons Thurgau» heraus. Weil in den Landeskarten sukzessive die Mundart-Bezeichnungen eingetragen wurden, entstand eine breit geführte Diskussion über die alten Flurnamen.

Danach nahm sich das Amt für Geoinformation der Thematik an, und in der amtlichen Vermessung wurden teilweise wieder die schriftsprachigen Namen eingesetzt. Um die Geschichte des Thurgauer Namenbuchs und die letzten Entwicklungen aufzuzeigen, luden Christian Dettwiler, Chef des Amtes für Geoinformation, und Martin Hannes Graf, Mitautor des Buches «Die Flurnamen des Kantons Thurgau», kürzlich zur Medienorientierung in Frauenfeld ein. Christian Dettwiler ermöglichte eingangs einen Rückblick auf das Jahr 2009: In den Thurgauer Medien zeichnete sich in zahlreichen Berichten ein medialer Hype gegen die Mundart-Namen ab. Deshalb wurde eine Arbeitsgruppe unter Leitung des Departementes des Innern und der Volkswirtschaft (DIV) gegründet. Die Siedlungsnamen sollten überprüft werden und eine Überarbeitung des Ortschaften- und Siedlungsverzeichnisses erfolgen. Es wurden Stellungnahmen bei den politischen Gemeinden eingeholt und diese in die amtliche Vermessung eingearbeitet. Nach einer öffentlichen Auflage erfolgten 17 Einsprachen. «Dies ist, bezogen auf über 130 000 Grundstücke, eine vergleichsweise geringe Anzahl an Einsprachen. Mittlerweile sind diese Einsprachen alle geklärt», betonte der Kantonsgeometer. Zwischenzeitlich begann das Amt für Geoinformation, die Datensätze im Thurgauer Namenbuch zu überarbeiten und zu digitalisieren.

Verbindung zwischen Schriftsprache und Mundart
Die alten Flurnamen sind nicht einfach aus dem Verzeichnis gelöscht worden. Vielmehr wurde das neue ThurGIS um zwei Spalten ergänzt, nun sind die alten und die neuen Flurnamen erwähnt. Ausserdem gibt es bei jedem Flurnamen einen Abschnitt zu dessen Herkunft und Bedeutung, damit wird die historische Bedeutung gewahrt. So steht nun bei Rotbühl beziehungsweise Roopel, dass es sich hierbei um einen «Hügel mit Rotfärbung» oder einen «gerodeten Hügel » handelt. Im ThurGIS ebenfalls genannt sind die dazu gehörenden Quellenangaben und wie sie im Thurgauer Staatsarchiv zu finden sind. Die Überarbeitung der Verzeichnisse ist abgeschlossen, der operative Betrieb ist aufgenommen. Dazu meinte Christian Dettwiler: «Wir hoffen, dass alle Anwender zufrieden sind, denn es liegt die Verbindung zwischen schriftsprachlichen Namen und der Mundartschreibung vor. Wichtig ist aber, dass der Bezug zu den historischen Quellen erhalten bleibt.»
Auch die Landeskarten wurden mittlerweile wieder angepasst. Sie stimmen mit den Angaben aus dem Ortschaften- und Siedlungsverzeichnis sowie mit der amtlichen Vermessung überein. Eine Ausnahme bildet die Thurgauer Wanderkarte, dort sind teilweise mundartige und schriftsprachige Namen übereinander eingetragen. Martin H. Graf meinte, dass damit ein guter Kompromiss gefunden wurde, dank der Arbeitsgruppe des DIV. Er habe im Verlaufe seiner Arbeit festgestellt, dass man im Thurgau traditionsbewusst eingestellt sei. Darum sei eine kontroverse Diskussion mit Medienberichten im 2009, wie beispielsweise «‹Thurberg› kämpft um den Namen» (bei dem es den Restaurantbetreibern u. a. um den Wiedererkennungswert, auch gegenüber den auswärtigen Gästen, ging), geführt worden. Nach dem informativen Teil erörterten Christian Dettwiler und Martin H. Graf in Zentrumsnähe vor Ort den Flurnamen Burstel, der heutige Burstelpark. Martin Graf erklärte dazu, dass sich die (auch andernorts sehr verbreiteten) «burgstal»-Namen entweder auf bestehende oder abgegangene Burgen, Ruinen, auch Burghügel usw. beziehen und zuverlässige Indikatoren für befestigte Anlagen aller Epochen sind.


Isabelle Schwander







« zurück zur Übersicht