Ausgabe Nummer 41 (2007)
Beim Verladen der Schweine nicht ins Schwitzen kommen!
Wie Schweine richtig verladen werden
Tiere, die in den Schlachthof kommen, werden frühmorgens abgeholt. Der Stall war ihr zu Hause, und nun kommen sie in eine fremde Umgebung.
Es ist im Februar morgens kurz vor fünf Uhr. Es ist dunkel und neblig. Wer sich nicht auskennt, würde den Weg zu dem Bauernhof im Kanton Thurgau kaum finden. Es hat Licht auf dem Hof, und ein Viehtransporter steht vor dem Stall.
Ruhig vorgehen
Bevor der Lastwagen kam, hatte der Landwirt die Schweine schon in den Auslauf getrieben und den Stall abgesperrt. Nun treibt er zusammen mit dem Chauffeur die Tiere jedes Abteils über einen Gang direkt in den Lastwagen. Die Rampe ist links und rechts mit Wänden gesichert, da die Ladefläche sich fast einen Meter über dem Boden befindet. Damit die Tiere beim Hochgehen nicht rutschen, hat es auf der Rampe Querstreben, und sie ist mit Stroh eingestreut. Die Tiere gehen vorsichtig und erkunden den Boden mit ihrer Nase, bevor sie den nächsten Schritt machen.
Alle Tiere miteinander in den Lastwagen zu treiben, ist nicht möglich. Es werden immer drei bis fünf Tiere gemeinsam getrieben. Die beiden Männer brauchen Geduld, denn manchmal stellt sich ein Tier quer oder möchte umdrehen. Mit einem Brett verstellen sie den Tieren den Weg zurück. Das Brett, die Stimme und die Hände dienen ihnen als Hilfsmittel. Das Wichtigste beim Treiben sei, selbst ruhig zu bleiben, erklärt uns später der Landwirt. Wenn man bei dieser Arbeit ins Schwitzen komme, mache man etwas nicht richtig.
Nicht überladen
Im Lastwagen haben sich schon einige Schweine auf der mit Sägemehl eingestreuten Fläche niedergelegt; sie wurden auf einem anderen Hof geladen. Ein Gitter trennt sie von denen, die jetzt hereinkommen. Das ist wichtig, denn Schweine, die sich nicht kennen, kämpfen miteinander um die Rangordnung. Das liegt in ihrer Natur. Schon nach zehn Minuten ist die Ladefläche belegt. Da fährt der Chauffeur diese hydraulisch nach oben, und es kommt eine zweite, eingestreute Ladefläche zum Vorschein.
Die Grösse der Ladeflächen ist an der Aussenwand des Transporters angeschrieben. Einem etwa 100 Kilogramm schweren Schwein müssen gemäss Tierschutzverordnung mindestens 0,43 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Um nicht zu überladen, hat der Landwirt die Tierzahl schon bei der Bestellung des Transportes genau angegeben. Ein Transportunternehmen, welches Wert auf Tierschutz und Qualität legt, nimmt kein Tier mehr mit, als vereinbart wurde.Kontrollen sind heute noch selten. Allerdings kontrolliert beim Label «CoopNaturaplan» der Schweizer Tierschutz unangemeldet und stichprobenweise das Verladen der Tiere und den Transport.
Vorausdenken
Es ist nicht selbstverständlich, dass das Verladen der Tiere so ruhig vor sich geht, erzählt der Landwirt, als der Transporter mit den Schweinen schon unterwegs in den Schlachthof nach Basel ist. Es hängt sehr davon ab, wie man eingerichtet ist. Es braucht einen Raum, um die Tiere abzutrennen und einen Treibgang, über welchen man sie geradeaus in den Lastwagen treiben kann. Als er seinen Stall gebaut hat, habe er sich über das Verladen wenig Gedanken gemacht, sagt der Landwirt, aber das Transportunternehmen habe ihn darauf aufmerksam gemacht. Und er ist offensichtlich bei jedem Verladen froh, dass er diesen Rat berücksichtigt hat. Es kann trotzdem noch was daneben gehen, wie zum Beispiel, als ein Jungschwein beim Abladen entwischte und wie ein Pfeil über die Wiese rannte. Doch das sind die Ausnahmen, über die man gerne lacht.
Michael Götz, Dr. Ing. Agr., LBB-GmbH, Eggersriet SG

