Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
21. September 2018


Bericht Basiskonferenz 21. März 2017

Ausgabe Nummer 13 (2017)

Die Frühjahrsbasiskonferenz 2017 fand mit über 40 Obmännern der Agroberatungsvereine bei der Agroscop, Tänikon, statt. Die Teilnehmer erhielten so unter anderem auch einen Einblick in die Arbeit der Agroscope, erfuhren Interessantes über die Zusammenarbeit mit dem BBZ Arenenberg und liessen sich über Forschung und Weiterbildung in der Melktechnik informieren.

Nach der Begrüssung durch Basiskonferenzpräsident Andreas Guhl stellte Nadja El Benni, Leiterin des Forschungsbereichs Wettbewerbsfähigkeit und Systembewertung von Agroscope, den Forschungsbetrieb Tänikon vor und vermittelte einen interessanten Einblick über die landwirtschaftlichen Projekte und Versuche. Sie erklärte unter anderem ein interessantes Tool zur Wirtschaftlichkeitsberechnung namens «AgriPerform», welches auf der Homepage Agroscope (www.agriperform.ch) abrufbar ist. Damit können Bauern anhand ihrer Buchhaltungsdaten eine Standortbestimmung vornehmen und die Wirtschaftlichkeit ihres Betriebes mit anderen ähnlichen Betrieben vergleichen.
Ein weiteres wichtiges Versuchsfeld ist die Technologie. Es wurde beispielsweise ein Sensorsystem entwickelt und getestet, mit dessen Hilfe man das Fressund Wiederkauverhalten von Kühen überwachen kann. Derzeit wird daran gearbeitet, mit Hilfe des Systems das Wohlbefinden der Tiere einschätzen zu können. Auffälligkeiten könnten dem Besitzer in Zukunft direkt auf das Handy geliefert werden. «Hier stellt sich die Frage, ob solche Technologien von der Praxis sinnvoll eingesetzt werden können oder nicht», so El Benni. «Dazu kommt, dass man auch Kosten und Nutzen abwägen muss».

Besserer Zugang zur Praxis
Seit Januar dieses Jahres hat der Kanton Thurgau den Versuchsbetrieb Agroscope in Tänikon gepachtet. Geleitet wird der Betrieb vom BBZ Arenenberg. Für Agroscope ergibt dies laut Nadja El-Benni einen besseren Zugang zur Praxis, und für das BBZ Arenenberg ist der Zugang zu Forschungsergebnissen und das Einbringen von Forschungsideen optimal.
Dieses Thema sprach auch Martin Huber, Direktor BBZ Arenenberg, an. Was sich bisher eher auseinandergelebt habe, werde nun unter dem Motto «Gemeinsam beraten und forschen ab 2017» auf optimale Weise neu zusammen gebracht. Forschung sei vorwiegend Bundes-, Beratung Kantonssache.

Kooperationen mit Partnern
«Wir schauen es als Quantensprung an, Forschung, Beratung und Praxis miteinander zu verbinden», so Martin Huber. «Eure Herausforderungen sind unsere Aufgaben». Das BBZ Arenenberg wolle die Betriebe im Kanton Thurgau mit attraktiver Ausbildung, praxisnahem Unterricht und wirkungsvoller Beratung unterstützen. Dazu gehörten auch Kooperationen mit der Forschung und Partnern aus der Privatwirtschaft. «Es geht um 2000 Betriebe, um 2000 Familien. Wenn wir die gegenseitige Abstimmung staatlicher Beratungsangebote auf die Leistungen der privaten Firmen und die Bedürfnisse der Bauern nicht sichtbar hinkriegen, erfüllen wir unseren Auftrag nicht», so Huber weiter. Die Vision von BBZ und VTL betreffend Zusammenarbeit mit Agroscope sei es, bis 2020 DER Treffpunkt in der Ostschweiz für den Wissens- und Erfahrungsaustausch von Forschung, Beratung und Praxis zu werden.

Es braucht Vernetzung
Christian Eggenberger, Leiter Beratung Entwicklung Innovation am BBZ, zeigte auf, wie man das erreichen kann. Es brauche unter anderem eine starke Vernetzung sowie einen konkreten Einbezug der Praxis in die Beratung und Forschung. Dazu müssten Antworten und Lösungen auf aktuelle Fragen und Probleme der Landwirtschaft gefunden werden. Genauso wichtig sei es, den Wissenstransfer zu beschleunigen, indem man laufend informiert zeigt, was gemacht und woran gearbeitet wird. Als mögliche Themen nannte er den Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung, den Pflanzenschutzmittelverbrauch oder den Bioanbau bei schwierigen Kulturen.
«Als nächster Schritt wird eine Führungsgruppe aufgebaut, in der auch die Praxis, welche das Betriebskonzept für die Betriebe Tänikon und Arenenberg mitbestimmt, vertreten ist. Zudem soll die Machbarkeit einer Teilumstellung des Versuchsbetriebes Tänikon auf Biolandbau geprüft werden», so Eggenberger. Der Betrieb in Tänikon umfasst ca. 81 ha LN, davon 50 ha Ackerland, 65 Milchkühe und 55 Mutterschweine und je nach Versuchen noch Schafe und Ziegen.

Informationen Güterzusammenlegung
Interessante Ausführungen machte auch Ueli Heeb von der Abteilung Strukturverbesserungen des kantonalen Landwirtschaftsamtes. Seine Abteilung nehme sich der Aufgaben wie Unterhaltskorporationen, PWI (Periodische Wiederinstandstellung), Bachöffnungen, Terrainveränderungen und Güterzusammenlegungen (GZ) an. Bei letzterem befasse man sich aktuell mit den Projekten Schurten (Gemeinde Fischingen) und Salenstein sowie der Ausarbeitung zum Vorprojekt der 1. Etappe der BTS.
«Beim Bau der BTS/OLS werden mit einer vorgängigen GZ die negativen Auswirkungen für die Landwirtschaft minimiert. Die Bewirtschaftungsstrukturen werden angepasst (Arrondierung), das Wegnetz wird optimiert (Reduktion der Fahrdistanzen), der Bodenaufbau verbessert (Steigerung der Ertragsfähigkeit) und Realersatz geschaffen (vorgängiger Kulturlanderwerb) », so Heeb. Wirklich wirtschaftlich sei die GZ für den Eigentümer nur, wenn er nachher wieder «gleich viel» Land habe. Betreffend Finanzierung bei einer Güterzusammenlegung zeigte er auf, dass Bund und Kanton zusammen ca. 70 bis 80 %, Gemeinde und Eigentümer in der Regel je 10 bis 15 % der Kosten übernehmen.

Einstimmig gewählt
Bei den Wahlen durch die Basiskonferenz wurden Thomas Ruch in die Kommission Soziales, Andrea Bösch und Manuela Imhof in die Kommission Landjugend und Maja Grunder in die Kommission Weiterbildung gewählt.

Aktuelles VTL
Jürg Fatzer, Geschäftsstelle VTL, informierte über die Planung des Umzuges an der OLMA. Als Gastkanton habe auch die Landwirtschaft ihren Teil am Umzug. Insgesamt seien 35 Wagen aus dem Thurgau geplant, drei davon fahren unter der Flagge des VTL, welcher mit den Kommissionen Obstbau, Gemüsebau und Tierhaltung seinen Teil bestreiten werde. Die Planung sei im Gange, für Details sei es aber noch zu früh. Zur Revision des Wasserbaugesetzes teilte er mit, dass dieses in der Umsetzung sei. «Im Frühling 2014 haben wir Einwände und Vorschläge eingebracht, nun wird es im Grossen Rat behandelt und bis Ende April sollte es durch sein», so Fatzer. «Wir gehen davon aus, dass danach klar ist, wie der Gewässerraum im Kanton TG ausgeschieden wird». Sobald die Details dazu vorliegen, werde man informieren.
Die letztes Jahr geplante Obmänner-Reise fiel leider aus. Dieses Jahr soll daher am 14. Juli 2017 (bitte vormerken) ein «Grillhöck» stattfinden.

Energiestrategie
VTL Präsident Markus Hausammann sprach zur Energiestrategie 2050, über welche am 21. Mai abgestimmt wird. «Die Landwirtschaftskammer des Schweizer Bauernverbandes hat dazu die JA Parole gefasst», so Hausammann. «Ebenso sagt der VTL in Absprache mit den Kommissionspräsidenten Ja dazu». Der nächste Schritt sei es, die Kampagne von bäuerlicher Seite her zu unterstützen, indem Plakate aufgehängt werden. Er bittet die Obmänner um tatkräftige Hilfe, indem insgesamt ca. 200 Plakate bestellt und in allen Gemeinden durch die Agroberatungsvereine aufgehängt werden.

Melktechnik – Forschung und Weiterbildung
Pascal Savary von Agroscope gab einen Einblick in die Forschung und Infrastruktur im Bereich Melktechnik am Standort Tänikon. Die Forschungsarbeiten zielen auf die Optimierung der maschinellen Milchgewinnung. Aktuell finden Untersuchungen zur Pulsation und zu den Zitzengummis statt. Damit objektive und relevante Ergebnisse der Praxis vorgelegt werden können, steht neben einer experimentellen Melkwand auch ein Versuchsmelkstand mit zwei getrennten Melkanlagen zur Verfügung.
Des Weiteren wurde über die Grundausbildung von Melkmaschinenkontrolleuren, welche den jährlichen Regelservice auf Milchviehbetrieben durchführen, berichtet. Agroscope bildet einen Teil der Servicefachleute aus, damit diese fach- und sachgerechten Service und Kontrollen der Melkmaschine durchführen können.
Den Abschluss der Basiskonferenz bildete nach dem Mittagessen die Besichtigung des Emissionsversuchsstalles.


Daniel Thür










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