Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
22. November 2019


Berufsinformation Landwirt/Landwirtin

Ausgabe Nummer 47 (2019)

Über 60 Oberstufenschüler und Eltern fanden sich am 16. November am BBZ Arenenberg zusammen, um sich von Vertretern des VTL und des BBZ über den sehr vielseitigen und anspruchsvollen Beruf des Landwirts orientieren zu lassen.

Grosse Nachfrage nach ausgebildeten Landwirten
Zu Beginn zeigte Lukas Maurer, Präsident der Berufsbildungskommission des Verbands Thurgauer Landwirtschaft (VTL), den Aufbau und Inhalt der landwirtschaftlichen Berufslehre auf. Weiter ging er auf die Berufsaussichten und Weiterbildungsmöglichkeiten ein, welche so vielfältig wie der Beruf selber sind: Es bestehe die Möglichkeit, einen eigenen Betrieb zu führen oder sich zum Spezialisten in einem Betriebszweig weiterbilden und anschliessend von einem Grossbetrieb anstellen zu lassen. Mit entsprechendem Willen und Einsatz würden auch die Türen zu anderen Berufsfeldern offen stehen. So würde man bei der Landi, der Polizei, beim Zoll, bei Transportunternehmen, aber auch auf dem Bau und in der Politik immer wieder gelernte Landwirte antreffen.

Vielseitige kompetenzfördernde Ausbildung
Ruedi Huber, Leiter Bildung des BBZ Arenenberg, bot in seinen Ausführungen einen Überblick über den Aufbau der dreijährigen Lehre. Die drei Lehrjahre werden auf verschiedenen Lehrbetrieben absolviert. So besteht trotz der zunehmenden Spezialisierung die Möglichkeit, den Beruf in seiner ganzen Breite fundiert kennenzulernen. Begleitend zur praktischen Ausbildung auf den Lehrbetrieben wird am BBZ Arenenberg der Berufsschulunterricht besucht. Dieser findet an einem Tag pro Woche statt, ergänzt durch Zusatzwochen oder zusätzliche Schultage während der Wintermonate. Acht überbetriebliche Kurse runden das breite Ausbildungsangebot ab. «Zweitausbildner» werden in speziellen Klassen ausgebildet. Junge Menschen, welche den Beruf des Landwirts ergreifen wollen, müssen sich bewusst sein, dass die Arbeitszeiten mit 55 Stunden pro Woche deutlich länger sind als in anderen Berufen. Nebst einer hohen Einsatzbereitschaft und Motivation werden folgende Anforderungen gestellt: Freude an Pflanzen, Tieren und Technik, Verantwortungsbewusstsein, Selbstständigkeit sowie gute Schulleistungen.
Bei der landwirtschaftlichen Ausbildung stehen die Handlungsbereiche Pflanzenbau, Tierhaltung, Mechanisierung und Arbeitsumfeld im Zentrum. Daneben wird im Rahmen von zahlreichen Wahlfächern die Möglichkeit geboten, sich in einem der folgenden Spezialbereiche zu vertiefen: Ackerbau, Beerenbau, Biologischer Landbau, Bienenhaltung, Gemüsebau, Geflügelhaltung, Holzkonstruktionen auf dem Bauernhof, Pferdehaltung, Rindfleischproduktion, Schweinehaltung, Schaft- und Ziegenhaltung, Waldwirtschaft. Trotz der bisher nur im Thurgau angebotenen gleichmässigen Unterrichtsverteilung über alle drei Lehrjahre ist es möglich, eines der drei Lehrjahre in einem anderen Kanton zu absolvieren: Ein Übertritt in den Kanton Thurgau ist nach dem ersten Lehrjahr noch problemlos möglich, ein Wechsel aus dem Thurgau in einen anderen Kanton jederzeit.

Erfahrungsbericht eines Lernenden
Noel Walter, welcher derzeit sein erstes Lehrjahr auf einem vielseitigen Betrieb in Andwil absolviert, berichtete von seinen persönlichen Erfahrungen. Er empfahl, bei der Lehrstellenwahl auf einen guten Familienanschluss und über die drei Lehrjahre hinweg auch auf eine sinnvolle Vielfalt der vorhandenen Betriebszweige zu achten.

Ratschläge eines erfahrenen Lehrmeisters
Lehrmeister Martin Müller, welcher zusammen mit seiner Familie in Kümmertshausen einen Milchwirtschaftsbetrieb führt, betonte, dass es sehr wichtig sei, dass die Lernenden mit Motivation und Freude ihre tägliche Arbeit verrichten können. Für eine erfolgreiche Zusammenarbeit und ein gutes Zusammenleben mit der Lehrmeisterfamilie seien Offenheit, Ehrlichkeit und Verlässlichkeit von grosser Bedeutung.

Obstbau-Ausbildung als weitere Möglichkeit
Gegen den Schluss der Veranstaltung ermöglichte Ralph Gilg, Präsident des Thurgauer Obstverbands und selber Lehrmeister, noch einen Einblick in die ebenfalls attraktiven Ausbildungsmöglichkeiten im Bereich des Obstbaus. Lernende, welche sich im Bereich des Obstbaus spezialisieren möchten, können eine entsprechende dreijährige Lehre absolvieren oder sich das Spezialwissen in einem zusätzlichen Lehrjahr nach einer Landwirtschaftslehre aneignen.


BBZ Arenenberg
Ruedi Huber, Leiter Bildung

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