Ausgabe Nummer 43 (2006)

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Berufslehre Landwirt / Landwirtin mit Zukunft

Dank neuem Ausbildungsmodell Einblick in drei Praxisbetriebe möglich


Dank des geregelten Stellenwechsels ist die Ausbildung zum Landwirt trotz zunehmender Spezialisierung der Lehrbetriebe äusserst breit und vielseitig. Zweitausbildner haben die Möglichkeit, direkt ins 2. Lehrjahr einzusteigen. Zur Informationsveranstaltung vom Samstag, 11. November 2006 am LBBZ Arenenberg, sind Oberstufenschüler, Eltern und weitere Interessierte herzlich eingeladen.

Ein Berufsberater hat die Landwirtschaftslehre einmal als ?KV der gewerblichen Berufe? bezeichnet. Was wollte er damit sagen? Wie die kaufmännische Lehre bietet auch die Landwirtschaftslehre eine sehr breite und vielseitige Grundausbildung. Diese dient anschliessend als Fundament für die Spezialistenausbildung, z.B. Landwirt mit Schwerpunkt Milchwirtschaft, Obstbau oder Schweinehaltung.
Die Chance, dass man den zuerst erlernten Beruf während des ganzen Lebens behalten kann wird von Jahr zu Jahr kleiner. Immer mehr Menschen müssen während Ihres Lebens Ihren Beruf mehrmals wechseln. In einem solchen Fall haben diejenigen, welche zuerst eine breite Grundausbildung absolviert haben, deutlich weniger Probleme als die reinen Spezialisten. Mit einer erfolgreich absolvierten landwirtschaftlichen Grundausbildung verfügt man über ein verlässliches berufliches Fundament, welches einem auch in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten trägt.

Theorie mit Praxis vernetzt
Die dreijährige Berufslehre Landwirt / Landwirtin vermittelt in den Hauptbereichen Tierhaltung, Pflanzenbau, Landtechnik, Agrarwirtschaft und Allgemeinbildung praktische Fertigkeiten und theoretische Kenntnisse. Der im Thurgau angewandte Ausbildungsgang ist dieser Vielseitigkeit angepasst. Eine intensive Vernetzung der praktischen und theoretischen Ausbildungsteile ist durch das Nebeneinander von Arbeit auf dem Lehrbetrieb und Besuch der Berufsfachschule sichergestellt.
Wie bei den anderen Berufsausbildungen wird einmal pro Woche die Berufsschule besucht. Dazu kommen in jedem Lehrjahr noch zwei Blockwochen im Klassenverband und zwei Wochen praxisbetonter Gruppenunterricht.

Breite Ausbildung dank Stellenwechsel
Ein koordinierter Lehrstellenwechsel garantiert trotz zunehmender Spezialisierung der Lehrbetriebe eine sehr breite Ausbildung. Er ermöglicht den Einblick in drei verschiedene Landwirtschaftsbetriebe, das Zusammenleben mit drei verschiedenen Familien und das Kennenlernen von drei verschiedenen wirtschaftlichen Strategien. Bedingung ist jedoch, dass man sich als Lernender mit dem Lehrbetrieb identifiziert, in das vorhandene Umfeld einfügt und Interesse zeigt. Ein Lehrjahr ist auf einem Betrieb mit Milchkühen zu absolvieren.
Dank dem geregelten Stellenwechsel können auch sehr einseitig ausgerichtete, professionell geführte Spitzenbetriebe mit Ihrem grossen Know How als Lehrbetriebe beibehalten werden. Im Thurgau ist es möglich, auch einmal ein Lehrjahr auf einem reinen Obst- Gemüse- oder Rindermastbetrieb zu absolvieren oder sich ein Jahr intensiv mit der Produktion von Schafmilch auseinanderzusetzen. Es genügt, wenn mindestens ein Lehrjahr auf einem Betrieb mit Milchkühen absolviert wird.

Lehrabschlussprüfung unter Praxisbedingungen
Im neuen Ausbildungssystem werden die praktischen (LAP1) und theoretischen (LAP2) Ausbildungsinhalte nicht mehr getrennt, sondern vernetzt in Form von Handlungskompetenz geprüft. Dies ist nur unter Praxisbedingungen auf dem Lehrbetrieb möglich. Am Arenenberg wird nur noch die Allgemeinbildung, die Betriebswirtschaft sowie ein Teil der Werkstattarbeiten geprüft. Alle anderen Prüfungsfächer werden von zwei Experten auf dem Lehrbetrieb abgenommen. Die Prüfung erfolgt nicht an einem Stück sondern in vier Phasen in der zweiten Hälfte des dritten Lehrjahres:
- Maschinen und Motorfahrzeuge (3 Std.)
- Wahlfach 1 (1.5 Std.)
- Wahlfach 2 (1.5 Std.)
- Futterbau, Rindviehhaltung und Milchwirtschaft (4-5 Std.)

Zweitausbildung dank neuem Ausbildungssystem optimiert
Wer bereits über einen Berufsabschluss verfügt hat die Möglichkeit, direkt in das zweite Lehrjahr der neuen dreijährigen Lehre einzusteigen. Im Gegensatz zum bisherigen System erhält man Einblick in zwei Lehrbetriebe und hat man eine deutlich breitere praktische Ausbildung. Der kostenintensive Besuch der halbjährigen Vollzeit-Landwirtschaftsschule entfällt. Sofern in der Allgemeinbildung des Erstberufes eine genügende Schlussnote erreicht worden ist, muss dieses Fach nicht nochmals absolviert werden. Anstelle der Allgemeinbildungs-Lektionen kann unter Anleitung von Fachlehrern der Berufsschulstoff des ersten Lehrjahres aufgearbeitet werden.

Unterstützung bei Problemen
In der Landwirtschaftslehre leben Lehrling und Lehrmeister und Lehrling viel enger zusammen als in anderen Berufen. Die zwischenmenschlichen Kontakte sind dadurch viel intensiver und werden oft auch noch viele Jahre nach dem Lehrabschluss gepflegt. In gewissen Fällen können aber auch belastende Spannungen auftreten. In solchen Fällen können sowohl Lehrlinge als auch Lehrmeister die Unterstützung des LBBZ Arenenberg in Anspruch nehmen. In vielen Fällen können die Probleme durch eine Aussprache gelöst werden. Es kann aber auch vorkommen, dass die Meinungsverschiedenheiten so gross sind, dass nur noch ein Lehrstellenwechsel in Frage kommt. Dank dem Betreuungsangebot sind Ausstiege aus der Lehre sehr selten.

Vielseitige Möglichkeiten nach dem Lehrabschluss
Nach Abschluss der landwirtschaftlichen Grundausbildung stehen viele Wege offen. Wer keinen Landwirtschaftsbetrieb übernehmen kann, findet eine Anstellung auf einem grösseren Betrieb oder in einem der Landwirtschaft vor- oder nachgelagerten Bereich. Viele interessante Weiterbildungsmöglichkeiten bis hin zum Fachhochschulabschluss führen hin zu einer Berufstätigkeit mit interessanten Gestaltungsmöglichkeiten und Verantwortung. Ausgebildete Landwirte findet man nicht nur auf Bauernhöfen sondern auch in Kaderpositionen von LANDI?s, Transportunternehmungen, Sicherheitsdiensten oder Gemeindeverwaltungen. Derzeit gibt es sogar einen ehemaligen Landwirtschaftslehrling im Bundesrat! Eine Landwirtschaftslehre bietet somit sehr viele Chancen, jedoch nur dann, wenn diese auch genutzt werden und wenn die Erfolgsregel ?Ohne Fleiss kein Preis? von Beginn weg konsequent befolgt wird.

LBBZ Arenenberg, Fachstelle Berufsbildung Landwirt, Ruedi Huber

Weitere Informationen

Am Samstag 11. November findet von 9.00 bis 11.00 Uhr eine Informationsveranstaltung zum Beruf Landwirt / Landwirtin statt. Sie richtet sich an Jugendliche in der Berufswahl und ihre Eltern, sowie an alle an der Landwirtschaftlichen Grundausbildung interessierten Personen. Der Anlass findet in der Mehrzweckhalle des LBBZ Arenenberg statt. Weitere Auskünfte erteilt die Fachstelle Berufsbildung Landwirt, Telefon 071 663 31 45. Informationen finden sich auch im Internet unter www.arenenberg.ch.





Landwirtschaftliche Ausbildung: Optimale Verknüpfung von Theorie und Praxis. Lehrabschlussprüfung auf dem Lehrbetrieb. (Bild: LBBZ Arenenberg)
Landwirtschaftliche Ausbildung: Optimale Verknüpfung von Theorie und Praxis. Lehrabschlussprüfung auf dem Lehrbetrieb. (Bild: LBBZ Arenenberg)