Ausgabe Nummer 27 (2006)
Besichtigung der Getreideversuche
Thurgauer Pflanzenbaukommission und Agro-Beratung Frauenfeld West
Die Fachstelle Pflanzenbau und Düngung des LBBZ Arenenberg hat am 27. Juni 2006 in Erzenholz eine Besichtigung der Getreideversuche durchgeführt.
Rund 70 interessierte Getreideproduzenten folgten trotz bedrohlicher Gewitterwolken am Himmel der Einladung zum Flurgang der Thurgauer Pflanzenbaukommission. Die Besammlung und die Begrüssung durch Kommissionspräsident Walter Schmid fand um 19.15 Uhr auf dem Betrieb von Beat und Thomas Meier statt. Auf dem Programm standen vorerst die Besichtigung der Versuche der Fachstelle Pflanzenbau und Düngung in Erzenholz mit den Referenten: Kurt Baumann, Alfred Gremlich und Hermann Brenner. Der zweite Teil fand wieder auf dem Betrieb der Gebrüder Meier statt: ein Kurzreferat von Kurt Baumann zum Thema «Ackerbau wohin?» und zum Ausklang ein gemütlicher Hock mit Getränken und herrlich duftenden, durch die Pflanzenbaukommission offerierten Grillwürsten. Der Brotweizen-Bestandesführungsversuch auf dem Betrieb der Gebrüder Meier wurde dieses Jahr zum erstenmal angelegt. Den Anstoss dazu gab die Erkenntnis, dass man die Getreidesorten aufgrund der Ertragsfaktoren Bestandesdichte, Kornzahl/Ähre und TKG in die folgenden 3 Gruppen einteilen kann: Einzelährentyp (Ertrag v. a. über grosse Ähre, wenig Bestockung), Bestandesdichtetyp (Ertrag v. a. durch hohe Bestandesdichte, grosses Bestockungsvermögen, kleine Ähre), Kompensationstyp (die 3 Ertragsfaktoren können kompensierend wirken). Der Versuch soll zeigen, wie Levis (Einzelährentyp) und Zinal (Kompensationstyp) auf eine unterschiedliche Bestandesführung mit folgenden Verfahren reagieren: 2 Saatzeiten (10. Oktober / 2. November), 2 Saatdichten (250 / 400 Kö) und 2 N-Varianten (bestockungsbetont/schossbetont). Gemäss Theorie sollte die schossbetonte N-Variante für Levis besser sein. Und wie reagiert Zinal auf die tiefere Saatdichte? Interessante Fragen, deren Beantwortung eine weitere Effizienzsteigerung und Kostenersparnis bringen könnte. Mit Traktor und Wagen gings dann ab zum Futterweizen-Anbautechnikversuch und Brotweizen / Triticale-Sortenversuch auf dem Betrieb von Hans Heinrich Büchi. Im Futterweizenversuch soll mit 3 Sorten und 4 Fungizid / Halmverkürzer-Verfahren gezeigt werden, ob Sparpotenzial beim Einsatz dieser Mittel möglich ist. Das Verfahren 1 x Fungizid normal dosiert kostet zum Beispiel gegenüber 2 x Fungizid normal dosiert Fr. 140.? weniger. Im Brotweizen / Triticale-Sortenversuch werden 20 Sorten in den Verfahren ÖLN und Extenso verglichen. Neben den bewährten Sorten sind im Versuch auch Prüfsorten und die, die ab 2006 neu auf der ESL stehen: so zum Beispiel: Siala, ein neuer Top-Weizen, CH-Züchtung, frühreif, ertragsstark, standfest, bei Braunrost und Septoria aber mittelmässig. Caphorn (F) Klasse II, sehr ertragsstark, standfest, aber mit gewissen Schwächen bei Auswuchs und Fusarien. Hermann ist die neue ertragsstarke Futterweizensorte mit guten agronomischen Eigenschaften und besserer Fusarien-Resistenz gegenüber den andern 3 FW-Sorten. Bei den 4 Triticale-Sorten fiel wiederum Lamberto mit seiner total zusammengebrochenen Mehltauresistenz negativ auf. Im abschliessenden Kurzreferat zeigte Kurt Baumann die Entwicklung der Marktstützung und der Direktzahlungen an die Ackerkulturen im Rahmen der AP 011. Bei Getreide werden sich die Preisreduktionen um 5 bis 7 Prozent bewegen, bei Kartoffeln um 12 Prozent und bei Zuckerrüben, Ölsaaten, Eiweisserbsen um 30 bis 40 Prozent. Es wird demzufolge nötig sein, alle möglichen Kostensparpotenziale bei der Anbautechnik, den Produktionsmitteln, mittels Maschinengemeinschaften und Flächenzusammenlegungen auszuschöpfen.
Alfred Gremlich, Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg, Fachstelle Pflanzenbau und Düngung

Rund 70 interessierte Getreideproduzenten folgten der Einladung zum Flurgang der Thurgauer Pflanzenbaukommission. (Andreas Rohner)
