Ausgabe Nummer 52 (2006)
Besinnliches zum Feiertag
Futterkrippe mit Botschaft
Unzählig und vielfältig sind die Krippendarstellungen überall auf der Welt; Krippen mit grossen und kleinen Figuren, nur mit den wichtigsten oder mit möglichst vielen Personen. Krippen mit Landschaften, die fast ein ganzes Zimmer ausfüllen, wie die Krippe der Primarschule Au, aufgestellt in einem kleinen Schopf neben der Käserei, ab Weihnachten in der Auer Kirche. 22 Figuren aus Holz und Modelliermasse. Maria und Josef, das Jesuskind, Engel, Hirten mit ihren Schäfchen und die heiligen drei Könige. Eine Waschfrau schimpft in Nazareth lautstark über die Anordnung von Kaiser Augustus, der alle Bewohner seines Reiches auffordert, sich in ihrem Geburtsort in Steuerlisten einzutragen. Die Waschfrau kommt zwar im biblischen Text nicht vor, trägt aber dazu bei, dass alle Kinder, von der ersten bis zur sechsten Klasse kreativ ?mitspielen? können. Ein wunderbares Gemeinschaftswerk. Den Schülerinnen und Schülern und ihrer Lehrerin gebührt ein grosses und herzliches Kompliment.
Krippen wollen bestimmte Aussagen der Weihnachtsbotschaft hervorheben. Zwei Beispiele: Eine Weihnachtskarte zeigt Maria mit dem Kind in einem Abstellschuppen. Eine andere Darstellung hat das Ereignis vor die Stadttore verlegt. Diese und ähnliche Krippen machen uns auf den kleinen Nebensatz im Bericht des Evangelisten Lukas aufmerksam: "Sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge" (Lukas 2,7).
Die Menschen erkennen ihren Retter nicht. So wie er kommt, hat er keinen Platz in ihren Vorstellungen, keinen Platz in ihrem Leben. Er wird ausserhalb der menschlichen Wohnungen, am Rande der Stadt, in einem Stall geboren und in eine Futterkrippe gelegt. Er wird in das Dunkel der Welt geboren, in die Ablehnung und nur aufgesucht von denen, die draussen sind und im Dunkel leben: von den Hirten. Sie, die Hirten, stehen für all jene Menschen, die sich verloren vorkommen, gemieden, verachtet und ausgestossen. Sie verfügen über keine Mittel, dafür sind sie aber offen und dankbar für jede Hilfe. Sie haben eine Antenne für Gottes Anruf und Absicht. So werden aus Letzten Erste. Denn ausgerechnet sie vernehmen als Erste die Botschaft von der Geburt des Retters und werden die ersten Zeugen und selber Verkünder dieses Ereignisses. Die Freude darüber, was sie gehört und gesehen haben, drängt sie zum Lobpreis und zum Weitererzählen (Lukas 2,20).
Gott wird Mensch und ist draussen, im Abseits, in einem armen und hilflosen Kind zu finden, damit auch jene, die draussen sind - die Armen, Verlassenen, Ausgestossenen und Allerletzten - ihn finden können. Allen Menschen ist er zum Bruder geworden: jenen, die draussen, und jenen, die drinnen stehen.
Deshalb muss der Platz der Kirchen, der Christen und Christinnen immer auch bei jenen sein, die heute draussen sind und an den Rand gedrängt werden, wer immer diese Menschen sind. Heute klopft er auch bei uns an die Türe. Er klopft an in den Fragen und Bedürfnissen der Armen und Schwachen, der Ausgegrenzten und Flüchtlinge ... Öffnen wir ihnen unsere Herzen und lassen wir sie uns ihre Not anvertrauen. Werden wir ihnen und einander zu Brüder und Schwestern. Dann können wir der Aufmunterung der Hirten folgen und mit ihnen von unserem Glauben an den menschgewordenen Gott singen: daheim beim Feiern im trauten Kreis und vielleicht auch in den Gottesdiensten mit der Gemeinde.
Gott wird Mensch. Dies ist die Botschaft von Weihnachten, die wir aber nicht nur an einem Tag feiern. Die Krippe wird wieder eingepackt und versorgt. Mit der Weihnachtsbotschaft dürfen wir es nicht so machen. Sie muss unser ganzes Leben prägen, über Festtage hinaus.
Pater Meinrad Loser, Fischingen

