Ausgabe Nummer 42 (2007)

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Besser sein als der Nachbar

Betriebswirtschaft und Kalkulationen


«Sich einen Unternehmer nennen ist nicht schwer, einer sein dagegen sehr.» Berater wissen es, Betriebsvergleiche zeigen es: Der Unternehmer beeinflusst das Betriebsergebnis am stärksten. Um den Überblick zu behalten, muss der erfolgreiche Unternehmer wissen, wo er steht und wohin er will. Dies gilt für den gesamten Betrieb und seine einzelnen Bereiche. Dies bedeutet konkret, zielgerichtet zu planen, die richtigen Berechnungen anzustellen, analysieren und auf dieser Basis zu entscheiden und umzusetzen. Genau um diese wichtigen Kalkulationen auf Unternehmerstufe geht es in den nachfolgenden Artikeln.

Jeder Unternehmer ? ganz egal in welcher Branche er tätig ist ? muss ein Multitalent sein. Es ist nun mal die zentrale Aufgabe des Unternehmers, sich um alle Teilbereiche seines Betriebes zu kümmern. Der landwirtschaftliche Betriebsleiter muss für eine erfolgreiche Betriebsführung die wesentlichen Unternehmereigenschaften in einer Person vereinen. Er muss zum Beispiel gleichzeitig
? den Saatzeitpunkt, die Bearbeitungsund Erntetechnik im Futterbau kennen und beurteilen,
? wissen, wann und wie bestimmte Kraftfuttermittel
welche Wirkung haben, ? die Qualität seiner Silage bestimmen können,
? wissen, wann und wie er bestmöglichst seine Mastkälber vermarktet,
? alle sinnvollen und nur die nötigen Zahlen im Betrieb erheben, auswerten und zielgerichtet interpretieren,
? ein Verständnis für die wirtschaftlichen Zusammenhänge haben,
? eine gesunde unternehmerische Aktivität haben,
? Mitarbeiter oder Lehrlinge motivieren und flexibel führen können,
? sich gegenüber Geschäftspartnern genügend durchsetzten können,
? mit Ämtern, Banken und Verpächtern erfolgreich umgehen können.

Als Multitalent sich aufs Wesentliche konzentrieren
Natürlich kann der Betriebsleiter verschiedene Aufgaben delegieren. Trotzdem muss ein guter Unternehmer die Produktionsabläufe und Produktionstechnik kennen, damit er seine Ergebnisse richtig interpretieren und daraus die richtigen Entscheidungen ableiten kann. Fachleute sind sich einig, dass die Bedeutung von Planungs- und Kontrollaufgaben sowie von finanziellen Entscheidungen in Zukunft ständig zunehmen wird. Zu den Erfolgsfaktoren landwirtschaftlicher Betriebe, die wachsen, gehört definitiv, dass sie sich auf das Wesentliche konzentrieren.

Risiko ? so viel wie nötig
Vor diesem Hintergrund des «Multitalents » hat die Universität Göttingen bei 292 Haupterwerbsbetrieben aus Nordrhein- Westfalen eine Umfrage durchgeführt. Die Zukunftsbetriebe wurden zu den Strategien ihres Betriebes sowie zu verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen befragt.
Die Risikoeinstellung eines Unternehmers ist ein wichtiges Persönlichkeitsmerkmal, da sie die betriebliche Entscheidungsfindung stark beeinflusst. Die Landwirte sind nur zum Teil bereit, Entscheidungen zu treffen, deren vorteilhafter Ausgang nicht klar ist. Die Auswertung der Befragung ergab einen positiven Zusammenhang zwischen Risikofreude und wirtschaftlichem Betriebserfolg. So erzielen die Betriebe mit einer höheren (aber nicht unendlich grossen) Risikobereitschaft durchschnittlich eine höhere Eigenkapitalrendite als Betriebe mit einer tieferen Risikobereitschaft.

Unternehmer sind Entscheider
90 Prozent der befragten deutschen Landwirte gaben bei Fragen zur Entscheidungsfreude an, dass sie sich gerne mit der zukünftigen Ausrichtung und Planung des Betriebes auseinandersetzen. Je lieber Landwirte sich den Planungsaufgaben widmen, desto grösser ist ihre Bereitschaft, falls wirklich nötig noch mehr Zeit in den Betrieb zu investieren, ihre Wachstumsziele zu verfolgen und sich im Wettbewerb mit anderen Landwirten zu messen. Zudem zeigen die Betriebsleiter, deren Betriebe in Zukunft wachsen möchten, ein stärkeres Interesse am Marktgeschehen und verfolgen dieses viel aufmerksamer. Betriebsleiter, die wachsen wollen, vergleichen sich zudem sehr gerne mit anderen Betrieben.

Die richtigen Grundlagen
Für gute Entscheidungen benötigt ein Unternehmer zweckmässige Hilfsmittel. Der erste Artikel zeigt das Potenzial des Teilbudgets auf, mit dem sich sehr schnell und doch genau die finanziellen Folgen eines Vorhabens abschätzen lassen. Die Vollkostenrechnung ist ein weiteres effizientes Hilfsmittel, das finanzielle ? und zum Teil auch produktionstechnische ? Ergebnis eines Betriebszweiges zu analysieren. Dies ist schon für eine Vielzahl von Betriebszweigen möglich: Milch, Schweinezucht, Schweinemast, Rindermast, Futterbau und z.T. Ackerbau. Der Betriebsleiter erhält so die Möglichkeit, sich mit anderen Betrieben ? den besten der Branche ? direkt zu vergleichen. Dieses Benchmarking ist in anderen Branchen schon weit verbreitet. Es wird gezielt dazu eingesetzt, sich mit den Besten zu vergleichen und das Beste zu übernehmen.

BBZ Arenenberg, Fachstelle Betriebsberatung und Landtechnik, Jenifer van der Maas