Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
6. Juli 2018


Besser sein als die Anderen

Ausgabe Nummer 47 (2015)

Unternehmergespräch zum Thema Standort Schweiz bei der Agrar Landtechnik

Am Unternehmergespräch sprach Bundesrat Ueli Maurer zum Standort Schweiz und dessen Chancen und fesselte die über 200 Gäste aus der Region Hinterthurgau, Wil und Zürioberland.

Rezepte verteilen, wie sich Unternehmen in der heutigen globalisierten Welt den neuen Märkten und der Frankenstärke erfolgreich behaupten können, wollte Bundesrat Ueli Maurer nicht. «Das wäre zu einfach», sagte er am Unternehmergespräch bei der Agrar Landtechnik, welches von der Regio Wil und Pro Zürcher Berggebiet, am Montagabend organisiert und durchgeführt wurde. Hingegen sei er da, Ideen zu vermitteln, wie sich Unternehmen besser und erfolgreicher in den neuen Märkten bewegen können. Asien, China und zunehmend auch Brasilien werden in Zukunft eine immer grössere Rolle spielen, während der europäische, und teils auch der amerikanische Markt stagniere. Durch die Globalisierung seien Unternehmen heute weltweit vernetzt, haben weltweit Niederlassungen und seien so imstande, Produktionen innert kurzer Zeit zu verschieben. «Diese Chance beinhalte aber auch das Risiko, dass für die Produktion der günstigste Standort von den Unternehmen gewählt werde», sagte Maurer, und veranschaulichte dazu die Geschichte der schweizerischen Textilindustrie und deren Folgen.

Hohes Niveau
Die Globalisierung beeinträchtige aber auch den einheimischen Markt, indem ein Produkt, das irgendwo auf der Welt produziert wird, hier zu einem sehr günstigen Preis seine Abnehmer findet. Unternehmer müssen sich nicht nur mit dem Export, sondern auch mit dem Import beschäftigen. Deshalb steht für Maurer fest, dass Schweizer Unternehmen sich auf Nischenprodukte konzentrieren müssen. «Hier haben wir gute Chancen, hochwertige Produkte zu einem guten Preis anzubieten.» In Zukunft werden schweizerische Unternehmen vermehrt Dienstleistungen im Finanz-, Versicherungs- und dem übrigen Dienstleistungssektor weltweit anbieten. «Wir brauchen eine hohe Wertschöpfung und können diese der Welt auch bieten», zeigte sich Maurer selbstsicher. Dass sich dies hingegen auf die Arbeitsstruktur auswirke sei kein Geheimnis. Einfache Arbeitsabläufe fallen weg und hochspezialisierte Arbeitskräfte mit hohem Bildungsstand eliminieren je länger je mehr die günstigen Arbeitsstellen. Diese zunehmende Deindustrialisierung sei heute schon zu beobachten, was insofern eine Gefahr bedeute, dass Arbeitnehmende mit einem tiefen Bildungsniveau kaum mehr zu beschäftigen seien.

Schweizerwerte beibehalten
Durch das gute Bildungssystem sei die Schweiz indes in der Lage, die Anforderungen anzunehmen, zeigt sich Maurer optimistisch. In keinem anderen Land sprechen die Menschen so viele Sprachen und durch den hohen Ausländeranteil kommen die Kinder schon früh mit fremdsprachigen Kindern und Kulturen in Kontakt. Diese Erfahrungen werden in der Arbeitswelt geschätzt und helfen den jungen Erwachsenen in der globalisierten Welt besser Fuss zu fassen.
Er warnte hingegen die Politik, die Rahmenbedingungen einzuschränken und rief die Unternehmer dazu auf, die echt schweizerischen Werte wie Begeisterung, Arbeitsmoral, Verlässlichkeit und Stolz nicht zu vernachlässigen. «Durch diese Eigenschaften schaffen wir es besser zu sein als die anderen und werden dadurch auch die Zukunft erfolgreich meistern», ist Ueli Maurer überzeugt.


Ruth Bossert







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