Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
19. Januar 2018


Bestandesoptimierung von Naturwiesen

Ausgabe Nummer 48 (2014)

Am Bio-Tag am Strickhof Lindau, organisiert von Bio Zürich-Schaffhausen und dem Strickhof Lindau, standen der Futterbau und die Frage «Welches Futter braucht die Kuh?» im Fokus.

Werner Hengartner vom Fachbereich Futterbau am Strickhof erklärte, dass sich die Düngung nach dem Standort und der sich darauf befindenden Pflanzengesellschaft richtet: «Der Standort bestimmt, die Bewirtschaftung prägt». Eine ideale botanische Zusammensetzung enthalte 50 bis 70 Prozent Gräser, 20 bis 30 Prozent Klee. Die Wiese weist keine Lücken auf und hat keine minderwertigen oder giftigen Pflanzen im Bestand. Bezüglich der Nutzungsintensität habe sich gezeigt, dass in der Tendenz häufigere Schnitte nicht unbedingt grössere Mengen bewirken. Mist und Gülle sind wertvolle, ertrags- und ressourcenschonende Düngerlieferanten. Dieses fördere auch den Regenwurm, ein wertvoller «Mitarbeiter », und damit die Bodenmineralisation. Die mechanische Unkrautregulierung und die regelmässige Bekämpfung von Nagern (Mäusen) sind wichtig. Seit geraumer Zeit werde wieder vermehrt gestriegelt, geeggt und gewalzt, so der Eindruck von Werner Hengartner. Auch dies trage zur Mineralisation der Böden bei: «Es ist ‹Wellness› für den Boden, wenn im Frühjahr die Wiese beweidet oder gestriegelt wird. Durch frühe Beweidung entsteht Licht und Platz für den Wuchs von nützlichen, abwechslungsreichen Pflanzengesellschaften.» Die Qualität des Futters habe den Ansprüchen der Tiere zu entsprechen.

Mischungen im Vergleich
Werner Hengartner empfiehlt, immer wieder Überlegungen anzustellen, welche Ziele der Betrieb in Bezug auf Weiden und Wiesen hat, auch hier sollte nichts dem Zufall überlassen werden. Er zog das Fazit, dass das Potenzial auf Wiesen und Weiden noch nicht ausgeschöpft ist. Für Biobetriebe seien Leguminosen der ideale Stickstofflieferant in den Naturwiesen. Die beiden Biolandwirte Peter Sauter aus Amlikon- Bissegg und Roland Heuberger aus Hosenruck lieferten praxisnahe Schilderungen ihrer Strategien für das Erreichen einer hohen Futterqualität. Peter Sauter produziert die Hauptbestandteile des Futters für die 48 Milchkühe der Rasse Holstein auf 20 Hektaren Wiesen (davon 5 Hektaren Kunstwiesen), 5 Hektaren Silomais und 5 Hektaren Winterweizen und erzielt damit pro Jahr rund 365 000 kg abgelieferte Milch. Die Fütterung der Kühe mittels Keenan- Futtermischwagen besteht zu grossen Anteilen aus Grassilage und Silomais sowie dem Nebenprodukt Zuckerrübenschnitzel der Zuckerfabrik Frauenfeld. 2001 stellte er den Betrieb auf Siloproduktion um, seither habe er im Tierbestand weniger Gesundheitsprobleme. Für die Grundfutterproduktion erprobte er verschiedene Mischungen. Mit der 240-er- Mischung habe er mehr Ertrag als mit Nr. 323 (fünf Schnitte und Herbstweide) erzielt und eine bessere Silierbarkeit festgestellt. Als Nachteil von Nr. 240 bezeichnete Peter Sauter, dass der zweite Schnitt oft zu zäh wurde.

Graslandbasierte Milchproduktion
Gülle ist für ihn wichtig als Hofdünger, ebenso wie die Mähweidenutzung, die eine gute Bestandesentwicklung fördere. Er ist überzeugt, dass die Tiergesundheit in engem Zusammenhang mit der Düngung des Grundfutters steht. Nach Versuchen mit Kalziumschwefel in der Gülle stellte er eine verbesserte Vitalität der Naturwiese fest. Peter Sauter setzt rund 5 Prozent Kraftfutter ein und versucht, dieses immer wieder bedarfsgerecht zu optimieren. Seit dem Einsatz von Meeralgenkalk in der Fütterung vermutet er einen unmittelbaren Zusammenhang, dass die Gülle seither aktiver sei und gut vergäre.
Roland Heuberger führt einen intensiven Milchproduktionsbetrieb mit 28 Holstein-Kühen und dem Lieferrecht für 214 000 kg Milch. Für seinen Futterbaubetrieb mit 21,53 LN-Fläche (mit hohem Anteil an ökologischen Ausgleichsflächen) hat er betriebliche Vereinfachungen (zum Beispiel Ganztagesweide) vorgenommen, damit er einem Pensum ausserbetrieblicher Beschäftigung nachgehen kann. In der Futterration für die Kühe setzt er unter anderem Kleegraswürfel ein, um die Soja-Problematik zu entschärfen. Mit 80 Prozent Wiesenfutter in der Ration erfüllt er die Anforderungen der graslandbasierten Milchproduktion.

Futter mit Struktur
Er beschrieb sein Weidesystem, das die zweimalige Bestossung innerhalb von zwei Monaten vorsieht, mit einem darauf folgenden Konservierungsschnitt. Die Mähweide beeinflusst den Bestand positiv: Bei seinen Weiden legt Roland Heuberger unter anderem Wert auf mobile Tränken mit bodenverlegten Leitungen, damit weniger Trittschäden entstehen und die Kühe immer Zugang zu Wasser haben. Für die Grundfutterproduktion erachtet er Struktur als das Wichtigste: Um Futter mit Struktur (20 Prozent Extenso, 80 Prozent Naturwiesen) in höchster Qualität zu erhalten, setzt er gut belüftetes Heu und Emd sowie sorgfältig konserviertes Extensoheu ein. Die Problematik des Breitwegerichs, aufgrund der Übernutzung, habe er seit der Umstellung auf Mäh- und Koppelweide erfolgreich minimiert. Abschliessend empfahl Roland Heuberger als Pflegemassnahmen für die Ökowiese einen hohen Schnitt (8 bis 10 cm) und Bodenheu, um die Artenvielfalt zu fördern. Er zog das Fazit, dass Ökologie und Produktion eine Einheit sein müssen.


Isabelle Schwander




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