Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
20. April 2018


Betriebliche Entscheidungen erleichtern

Ausgabe Nummer 26 (2017)

17. Infotagung der Agro Treuhand Thurgau AG mit ordentlicher GV 2017

An der Info-Tagung der Agro Treuhand Thurgau AG in Weinfelden wurden unter anderem aktuelle Erkenntnisse aus dem Steuerbereich thematisiert, und ein Kurzreferat von Jürg Niklaus vermittelte Tipps für die bäuerliche Vertragsgestaltung.

Urs Reut, Verwaltungsratspräsident der Agro Treuhand Thurgau AG (ATT), verdeutlichte in seiner Begrüssungsrede mittels eines Beitrages aus einer landwirtschaftlichen Zeitung von 1969, die er bei der Dachstockräumung fand, die Entwicklung landwirtschaftlicher Sektoren. Er stellte fest, dass sich einige Tendenzen im Verlaufe der Geschichte zu wiederholen scheinen. Bereits damals wurde viel aufgezeichnet, eigentlich noch fast mehr als heute. Genaue Aufzeichnungen erlauben aber auch differenziertere betriebliche Entscheidungen, dies habe bis heute Gültigkeit, sagte Urs Reut. 2016 bezeichnete er als ein insgesamt herausforderndes Berichtsjahr für die Kernklientel der ATT, die landwirtschaftlichen Betriebsleiterfamilien. Nebst den Wetterkapriolen und grösserem Druck auf die Preise für Grundnahrungsmittel, sorgte die steigende Anzahl der Vorschriften und Richtlinien zusätzlich für eine angespannte Situation. Auf diesem anspruchsvollen Weg durfte die ATT viele Bauernfamilien in den Bereichen Buchhaltung, Steuerberatung, Unternehmensberatung, Nachfolgeregelung sowie betriebsspezifische EDVLösungen beraten und begleiten. Dies stehe ganz im Sinne des Leitbildes der ATT mit dem übergeordneten Ziel «Von den Kunden, für die Kunden».

Kurzinfos der ATT
Dem Antrag des VR zur Genehmigung der Jahresrechnung und des Jahresberichtes sowie der Entlastung der Mitglieder des VR und der Geschäftsleitung wurde zugestimmt. Bei den Kurzinfos der ATT gab Gottfried Thomi, Geschäftsführer, aktuelle Empfehlungen aus dem Steuerbereich, der Gewinnbesteuerung und der Überführung in das Privatvermögen. So soll keine fiktive Geschäftsaufgabe ins Privatvermögen angegeben werden. Dies führe zu nachträglichen Problemen mit der Steuerbehörde. Überführung und Verkauf in der gleichen Steuerperiode sind in der Regel nicht möglich und stellen einen Umgehungstatbestand dar. Bei der Feststellung, ob es sich bei einer Ausgabe für die Liegenschaft um Unterhalt oder Wertvermehrung handelt, hat eine Praxisverschärfung stattgefunden. Zu beachten gilt, dass auch Kiesausbeute der Einkommenssteuer untersteht. Die Einkommens- und Vermögensbesteuerung von Photovoltaikanlagen ist nun auch einheitlich geregelt. Wer die Photovoltaikanlage als Altersvorsorge betrachtet, muss dies mittels Vertrag unter Einbezug des rechtlich gegebenen Eigentumsverhältnisses regeln, sagte Gottfried Thomi. Im Weiteren wies er auf das neue Rechnungslegungsmodell hin, welches auf die Bedürfnisse des einzelnen Unternehmens abgestimmt ist, und weniger auf statistische Vergleichsgrössen.

Zusammenarbeit mit Absatzpartnern
Im Anschluss an den statutarischen Teil griff der Gastreferent Jürg Niklaus, der als Rechtsanwalt Landwirte in Rechtsfragen vertritt, die wichtigsten Punkte auf, die es in der
Zusammenarbeit mit Absatzpartnern zu beachten gilt. Zunehmend wird die Produktion mit Absatzpartnern vertraglich geregelt. Es sei empfehlenswert, sich mit den Vereinbarungen bei der Vertragsproduktion eingehend zu befassen. Dabei gebe es einige Fragen, die man sich selbst stellen sollte: «Welche politischen, wirtschaftlichen und technischen Szenarien liegen meinem AV zugrunde? Welche betriebliche Strategie liegt ihm zugrunde? Wie kann ich Klumpenrisiken vermeiden?» Er griff die Besonderheiten der Agrarmärkte auf und erwähnte Aspekte wie Preismasken, Fälligkeit und die Deklassierung, bei denen sich die Frage stellt, wer diese bezahlt. Exklusivität und Konkurrenzverbote können einschränkend wirken, Kontroll- und Zertifizierungssysteme sowie Datenschutz sind weitere beachtenswerte Punkte. Die Marktmächte sind unterschiedlich verteilt. Deshalb sei es umso wichtiger, den Mut für die Option «Nein» zu sagen, beizubehalten. Dies insbesondere, wenn Verträge und Vereinbarungen unklar und in der Nutzen- und Risiken- Verteilung einseitig abgefasst sind.


Isabelle Schwander




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