Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
9. April 2020


Beurteilung über die Botschaft zur AP 22+ - aus Sicht des SMP

Ausgabe Nummer 12 (2020)

Regionalveranstaltungen 2020 der Thurgauer Milchproduzenten (TMP)

Anlässlich der TMP-Regionalveranstaltungen in Pfyn, Sulgen und Wängi erfolgten Informationen, wofür sich die SMP bei der AP 22 + einsetzt, sowie zum Stand der Umsetzung des «grünen Teppichs».

Daniel Vetterli, Präsident Thurgauer Milchproduzenten (TMP), moderierte die drei Regionalveranstaltungen von Anfang März. Er stellte fest, dass die Erhebungen der Arbeitsverdienste zeigen, dass die Milchproduktion gegenüber anderen Betriebszweigen weiter unter Druck steht. Darum komme den Rahmenbedingungen, die für die neue AP am Entstehen sind, eine enorme Bedeutung zu. Es sei gut zu wissen, dass der SMP weiter an der Grundforderung festhält, wonach Beiträge, die Arbeitsleistungen belohnen, gegenüber reinen Flächenbeiträgen stärker zu gewichten sind.
Um eine aktuelle Beurteilung über die Botschaft zur AP 22+ aus Sicht des SMP zu erhalten, hatten die TMP Stephan Hagenbuch, Direktor SMP, eingeladen. Dieser erklärte eingangs: «Wir müssen uns bewusst sein, dass die Zusammensetzung des Parlaments nicht mehr die gleiche ist wie vor vier Jahren und dass die AP 22+ deutlich von der Trinkwasser- und der Pestizidinitiative geprägt ist. Die Nährstoffverluste beispielsweise sind zwar ein harter Punkt, bei dem wir uns aber trotzdem nicht einfach instrumentalisieren lassen dürfen.» Stephan Hagenbuch erklärte, dass das Risiko der Öffnung der «weissen Linie» weiterhin bestehe; dagegen wird der SMP opponieren. Für die Milchprüfung entrichtete der Bund bislang 3 Millionen Franken: «Der Kredit ist voraussichtlich zwar gesichert, doch das System muss umgebaut werden, damit es weiterhin Zustimmung erhält.»

Produktionssystembeiträge im Fokus
Weiter thematisierte Stephan Hagenbuch die DZBerechtigung und hob hervor, dass sich der SMP für eine Anhebung der Anforderungen an neue Bezüger ausgesprochen hat. Die Ausbildung bei den Milchproduzenten ist in der Regel kein Problem. Beim ÖLN müsse man davon ausgehen, dass durch den Bundesrat «die Schrauben angezogen werden». Bei den DZ, im Bereich Nutztiere, für die Produktionssystembeiträge in der AP 22+, gab es bisher besonders rege Diskussionen über deren Ausgestaltung.
Den neuen Produktionssystembeiträgen (Förderung Rindvieh nach Tierkategorien, zweistufiges RAUS, GMF+ mit differenzierter Proteinzukaufsbegrenzung, Tiergesundheitsmassnahmen) kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Diese Diskussionen verlaufen kontrovers. Allerdings müssen die Forderungen im Bereich der Anforderungen (SAK-Begrenzung bei den Direktzahlungen; glaubwürdige Bilanz, anstelle Herabsetzung max. DGVE/ha von 3 auf 2,5) eingehender geprüft werden. «Eine Pauschallösung bei den maximalen DGVE nimmt nicht Rücksicht auf lokale und regionale Gegebenheiten. Unklar ist, wie viele Milchproduktionsbetriebe betroffen sind.»
Der Direktor SMP thematisierte auch das Modellsystem SWISSland von Agroscope: Dieses bildet die Angebots- und Nachfragemengen der landwirtschaftlichen Rohprodukte im Agrarsektor der Schweiz ab und projiziert deren zukünftige Entwicklungen. Zu den Auswirkungen der AP 22+ gemäss Botschaft prognostiziert SWISSland, unter anderem, einen Rückgang des Selbstversorgungsgrades von 56 auf 52 %, Unsicherheiten bezüglich der Berücksichtigung des technischen Fortschritts und eine Reduktion des Sektoreneinkommens (Minus 265 Millionen Franken) bis 2025.
«Da gibt es im Parlament somit noch viel zu tun, um Korrekturen einzuleiten», so Stephan Hagenbuch. Die SMP möchte im Weiteren das bäuerliche Bodenrecht so belassen wie es ist.

«swissmilk green» erwirkt erste Anpassungen der Marktpreise
Der zweite Themenblock ging der Frage nach: «Wo stehen wir mit dem ‹grünen Teppich›, vor allem bei der Käsereimilch?». Das Ziel, die einheimische Produktion damit zu differenzieren, sei auf gutem Weg. Das Logo von «swiss milk green», mit den dafür gewählten Farben und der Milchkanne, finde auch bei den Konsumenten guten Anklang.
Bereits rund ⅔ der Molkereimilch sind angemeldet, was in der kurzen Zeit ein Erfolg ist. Es führte dazu, dass die Anzahl der Kühe, die vom Standard profitieren, bereits stark gewachsen ist. Im WWF-Ranking zum Vergleich der Produktionsstandards erhielt «swissmilk green» gute Bewertungen. Das auf der DB-Milch basierende Kontrollsystem funktioniert und die Marketing-Kampagne Swissmilk ist vielversprechend angelaufen. Ebenfalls wird von den meisten Erstmilchkäufern ein Nachhaltigkeitszuschlag ausbezahlt.
Dieser Zuschlag bewegt sich zwischen 1,5 und 3 Rappen pro Kilogramm A-Molkereimilch. Bei 90 Prozent ist es umgesetzt. «Von den Produzenten wird aber nicht verstanden, warum auf Käse aus Molkereimilch, wie zum Beispiel beim Raclette, bisher kaum Preiserhöhungen erfolgt sind. Die SMP erwartet auch hier eine Preiserhöhung, damit der volle Nachhaltigkeitszuschlag auf der ganzen A-Molkereimilch längerfristig gesichert werden kann.» Die Preisentwicklung werde deshalb weiter genau beobachtet.


Text und Bild: Isabelle Schwander




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