Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
19. Januar 2018


Bewährtes bewahren und Neues wagen

Ausgabe Nummer 10 (2016)

Branchenverband Thurgauer Wein

An der ordentlichen, gut besuchten Fachkonferenz der Fachgruppe Thurgau Weine und Hauptversammlung des Branchenverbandes Thurgauer Weine haben die Mitglieder angepasste AOC-Weisungen genehmigt.

«Gepaart mit guten Säurewerten und einer optimalen physiologischen Reife versprechen die roten Weine ein ganz besonderer Jahrgang zu werden. Die unterdurchschnittlich ausgefallenen Erträge dürften dafür verantwortlich sein, dass weisse Spezialitäten rar werden», hielt Othmar Lampert, Präsident des Branchenverbandes Thurgauer Wein (BTW) an der ordentlichen Hauptversammlung in Hüttwilen fest. Er kündigte an, dass aus Spargründen auf den Versand des Betriebsheftes und der Pflanzenschutzrichtlinien verzichtet werde und sie diese neu nur noch per Mail verschicken.
«Immer wieder sorgen Vorgaben innerhalb der Raumplanung für rote Köpfe. Denn auch Erdbewegungen brauchen eine Baubewilligung. Deshalb wird geprüft, ob eine Fachperson für die konkrete Beratung der Landwirte vor Einreichung der Baugesuche angestellt werden soll», führte Lampert weiter aus.
Der umfassende Bekämpfungsversuch der KEF mit Netzen wird auch in diesem Jahr in Weinfelden fortgesetzt. Die neuen Möglichkeiten, mit Reben im Rahmen der Landschaftsqualität Beiträge auszulösen, sorgten nicht nur für Begeisterung. Sie gelten neu für eine farbige Begrünung im Rebberg, sofern bestimmte Mindestanforderungen, wie ein abwechselnder Schnitt, erfüllt sind. Wer ganz auf die mechanische Unkrautbekämpfung setzt, wird zusätzlich belohnt. Neu zahlt sich auch der vielfältige Rebbau aus. Verschiedene Rebsorten bieten besonders im Herbst ein unverwechselbares Farbenspiel. Wer nun über mindestens drei Rebsorten mit einer vorgegebenen Minimalfläche von 5 Aren verfügt, kann pro Sorte Beiträge beanspruchen.
Finanziell schloss der Verband bei einem Gesamtaufwand von 140 200 Franken mit einem Aufwandüberschuss von etwas mehr als 8100 Franken ab. Rund 108 000 Franken oder 480 Franken je Hektare steuerten die Mitglieder bei. Die Events und Absatzförderungsprojekte im Umfang von 30 300 Franken schlugen beim Aufwand etwas mehr zu Buche als budgetiert. Zudem flossen 51 660 Franken (36,8 %) an übergeordnete Verbände und Organisationen, welche unabhängig von der Zahlungsbereitschaft auf die gesamte Thurgauer Rebfläche von 258,8 ha anfallen. Konkret heisst das, dass die zahlenden Mitglieder zusätzlich auch für die Flächenbeiträge der Nichtzahler im Umfang von rund 6000 Franken aufkommen müssen, welche dann für Absatzförderungsmassnahmen fehlen.
Der Verband und Rebbaukommissär Markus Leumann legten im Weiteren den Mitgliedern auch die neuen umfassend überarbeiteten AOC-Weisungen vor, welche die erste Fassung aus dem Jahr 2008 per 1. Januar 2017 ersetzen soll. «Die wesentliche Änderung besteht darin, dass nicht mehr alle drei, sondern alle vier Jahre eine Analyse, sensorische Prüfung und Probeentnahme zu erfolgen haben. Es ist auf das geltende Recht abgestimmt, und die Analyse muss durch akkreditierte Stellen erfolgen, wobei die Auswahl des Probemusters vor Ort erfolgt», führte Leumann aus.
Die kurze Diskussion zeigte, dass nicht alle damit glücklich waren und man sich eine Lösung analog zu Schaffhausen wünschte. Da aber gemäss Leumann ab 2018 markante gesetzliche Änderungen anstehen würden, wurde schlussendlich, teilweise mit Zähneknirschen, zugestimmt.

Werbung wird nicht vernachlässigt
«Das Winterthurer Pflaster ist für Marketingmassnahmen und Absatzförderungen sehr schwierig», bilanzierte Markus Frei, Präsident der kantonalen Werbekommission, seine letztjährigen Erfahrungen an der «Cucina e Tavola». Hingegen war für ihn der 1. Mai mit 20 Thurgauer Betrieben wie auch die Teilnahme an den Pferdesporttagen in Frauenfeld ein voller Erfolg. Eine wertvolle Botschafterin und Werbe-, vor allem auch Sympathieträgerin, für den Thurgauer Wein ist zudem die Gourmetwanderung, welche im Seebachtal wieder an die 1000 Teilnehmer ansprechen konnte. Im laufenden Jahr setzt man wieder auf bewährte Anlässe. Am 1. Mai werden erneut rund 20 Thurgauer Betriebe mitwirken. Die genussvolle Gourmetwanderung führt am 12. Juni an den Iselisberg. Weiterhin wird man auch an Pferdesporttagen in Frauenfeld präsent sein. «Wir planen zudem die Realisation einer neuen Weinbroschüre ‹Weinregion Thurgau›, welche auch eine Konzilkarte enthält und als Auflageprospekt eingesetzt werden soll», kündigte Frei an. Sie soll insbesondere für die allgemeine Werbung für Thurgauer Weine breit eingesetzt werden. Ende November ist ein grosser Anlass für die ausgezeichneten Thurgauer Winzer geplant. Der BTW ist auch als einer der 8 Teilnehmer am internationalen Projekt «Weinregion Bodensee» mit einem jährlichen Beitrag von rund 5000 Franken beteiligt und durch Markus Müller vertreten. Dieses Interreg-IV-Projekt wird durch die EU, Lichtenstein und die Schweiz gefördert und setzt sich in enger Verbindung mit dem internationalen Bodenseetourismus für die Absatzförderung ein. «Wir dürfen so eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit pflegen, welche vom Schaffhauser Blauburgunderland bis in die Lichtensteiner Reblagen reicht», so Müller. Erstmals werden 4 Betriebe auf der deutschen Bodenseeseite am 1. Mai ihre Türen öffnen, kündigte Müller weiter an.
Aktuell sind im BTW 148 Weinbauern mit einer durch sie bewirtschafteten Rebfläche von 229 ha (88,6 %) organisiert. «Wenn wir die übrigen 33 Rebleute mit einer Fläche von knapp 30 ha noch ins Boot holen könnten, würden uns beachtliche zusätzliche Mittel im Umfang von 14 000 bis 15 000 Franken für die Absatzförderung zur Verfügung stehen», betonte Lampert.

Neues von der Fachstelle
Von einem heissen und trockenen Sommer sprach Rebbaukommisssär Markus Leumann bei seinen Informationen aus der Fachstelle. «Bereits Anfang September zeichnete sich aufgrund der Reifeentwicklung ein guter Jahrgang ab, welcher sich mit jenen von 2009 und 2011 vergleichen lässt», hielt Leumann fest. Gesamthaft wurden 1 680 000 kg Trauben (7 % weniger als im Vorjahr) oder knapp 7 Flaschen pro Thurgauer Einwohner geerntet. «Wir stellten fest, dass sich die Gesamtlesedauer über mehr als 7 Wochen erstreckte, sich aber weniger Hauptlesetage abzeichneten. Am 15. und 16. September wurden mit 275 Tonnen über die Hälfte der Müller-Thurgau-Trauben geerntet. Beim Blauburgunder wurden in vier Tagen etwas mehr als 480 der gesamthaft 788 Tonnen gelesen», so Neumann. Mit Blick auf die Qualität zeigte er sich überzeugt, dass sich der Jahrgang 2015 in die grossen Jahrgänge 2003, 2009 und 2011 einreihen kann.
«Wir verzeichneten im vergangenen Jahr beim Blauburgunder erneut einen kleinen Flächenschwund zugunsten von Spezialitäten», hielt Leumann fest. Nach den letztjährigen guten Erfahrungen wird 2016 am Konzept der Rebbergbegehungen festgehalten, wobei verschiedene aktuelle Fachthemen im Fokus stehen werden. Diese sind in Hüttwilen und Weinfelden geplant.
Die Erfassung aller Rebflächen für den Rebbaukataster mittels GIS ist in einer ersten Phase bereits abgeschlossen. «Aktuell erfolgen jetzt die Bereinigung der Flächendifferenzen. Wir müssen aber die Weisungen des BLW anwenden, welche uns mit Blick auf die Bestockung wenig Spielraum lässt», so Leumann weiter. Mit dem Geoprojekt TG und SH sollen die Flächen auch auf den Traubenpass überführt und auf Agate die Flächen aufgezeichnet werden. Er kündigte auch weitere Entwicklungsschritte an, wobei die Fachstelle frühzeitig informieren werde.
Betreffend der KEF liegt von 2015 wenig neues Konkretes vor, da es kein KEF-Jahr war. Entsprechend liefern die wissenschaftlich begleiteten Praxisversuche betreffend Prävention mit verschiedenen Netzen oder auch Gesteinsmehlen wenig Resultate. «Auf der Liste der Versuche stehen auch Tests betreffend der Nebeneffekte, welche aus dem Einsatz von Kaolin (Gesteinsmehl) und Kalk resultieren», so Leumann.


Roland Müller







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