Ausgabe Nummer 11 (2009)

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Biedermann/Züger wollen Milchkaufverträge kündigen

PMO Biedermann-Züger hielt Hauptversammlung in Bischofszell

Für das neue Mengenreglement der Produzenten-Milchverwerter-Organisation PMO Biedermann-Züger fehlten für die statuarische Zweidrittelmehrheit 10 Stimmen. Damit bleibt das bisherige Reglement in Kraft. Statutenänderungen und neuer Milchkaufvertrag genehmigt.

Die Hauptversammlung der Produzenten- Milchverwerter-Organisation PMO Biedermann-Züger war durch sehr starke Emotionen geprägt und endete beinahe im Chaos. Das neue Mengenreglement, das vom Vorstand vorgeschlagen wurde, erhielt zwar 229 Ja- gegen 113 Nein-Stimmen, doch fehlten für die Inkraftsetzung 10 Stimmen für die statutarisch vorgeschriebene Zweidrittelmehrheit. Damit bleibt das bestehende Mehrmengenreglement in Kraft.

Angebotsbündelung verlangt
Nach dem Vorschlag des neuen Reglements setzt sich die Basismenge aus dem Milchkontingent beziehungsweise der Basismenge 2008/09 zuzüglich Mehrmengen und Zusatzkontingente 2008/09 zusammen. Dagegen wurden vier Anträge eingereicht. Drei wurden zugunsten des Antrags Nef, Tanner, Windlin wieder zurückgezogen. Dieser Antrag verlangt, dass die PMO Biedermann-Züger verpflichtet wird, zusammen mit weiteren interessierten Milchorganisationen und dem Verband Schweizerischer Milchproduzenten SMP auf den 1. Mai 2009 eine nationale Angebotsbündelung und eine Segmentierung der Milchmengen weiter zu entwickeln und umzusetzen. Dabei soll die Basismenge und Börsenmilch die Grundlage bilden. Die Segmentierung der Menge muss einheitlich gemäss Beschluss der SMP-Delegiertenversammlung vom November 2008 umgesetzt werden. Dagegen wehrt sich der Vorstand und die beiden Verarbeiter. Laut Christoph Züger konnten mit Mehrmengenprojekten im Ausland Projekte aufgebaut werden, die in Zukunft nicht erweitert werden könnten. Für diese Projekte brauche es aber mehr Milch. Verschiedene Votanten befürchten bei Mehrmengenprojekten einen weiteren Preiszerfall.

Bauernpräsident in Vermittlerrolle
Markus Ritter, Präsident des St. Galler Bauernverbandes und Mitglied der PMO Züger-Biedermann konnte verhindern, dass die verschiedenen Abstimmungen nicht zum Desaster führten. Er ist überzeugt, dass sich die Lage am Milchmarkt in den nächsten Monaten klärt und so ein neues Reglement entwickelt werden kann. Solange bleibe das bisherige Milchreglement mit Mehrmengen in Kraft. Gottfried Siegfried, Präsident der PMO Züger- Biedermann, bedauerte ausserordentlich, dass das neue Reglement nicht mit der nötigen Stimmenzahl angenommen wurde. Damit sei die Arbeit des Vorstandes nicht gewürdigt worden.

Verarbeiter tief enttäuscht
Pius Biedermann und Christoph Züger sprachen gar von einem Vertrauensbruch zwischen den Milchbauern und den Milchverarbeitern. Nach einer Auszeit verlangten die beiden Milchverwerter einen Rückkommensantrag, welcher von der Versammlung abgelehnt wurde. Darauf gaben Biedermann und Züger bekannt, dass sie die Milchlieferverträge per 31. Oktober 2009 kündigen wollen. Jene Milchbauern, die weiterhin mit Biedermann und Züger zusammenarbeiten wollen, können einen Milchkaufvertrag beantragen. Viele Milchbauern zeigten sich nach der Hauptversammlung konsterniert und befürchten gar eine Spaltung der PMO. Das letzte Wort scheint aber noch nicht gesprochen.

Statutenrevision und neuer Milchkaufvertrag
Vorgängig der hitzigen Diskussionen um das Mengenreglement wurden diverse Anpassungen in den Statuten der PMO und ein den liberalisierten Marktverhältnissen angepasster Milchkaufvertrag grossmehrheitlich genehmigt.

Friedliche Protestaktion
Zur Protestaktion vor der Versammlung, zu der die bäuerliche Interessengruppe für Marktkampf BIG-M aufgerufen hatten, erschienen rund 70 Personen. Die Kundgebung verlief friedlich. Zu Beginn der Hauptversammlung ehrte Gottfried Siegfried Alfred Ernst für seine grossen Verdienste in der PMO Biedermann-Züger.

Mario Tosato


Vor der Hauptversammlung protestierten rund 70 BIG-M-Sympathisanten gegen das
neue Mengenreglement der PMO-Biedermann-Züger. (tos)
Vor der Hauptversammlung protestierten rund 70 BIG-M-Sympathisanten gegen das neue Mengenreglement der PMO-Biedermann-Züger. (tos)