Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
5. Oktober 2018


Bienenfreundlicher Umgang mit Pflanzenschutzmitteln im Obstbau

Ausgabe Nummer 15 (2017)

Zu früh in die Blüte von Obstbäumen gespritzte bienengefährliche Insektizide verursachen den Tod tausender Bienen. Zum richtigen Zeitpunkt angewandt, lassen sich massive Schäden an Bienenvölkern vermeiden. Der Bienengesundheitsdienst bittet die Obstproduzenten, die Blütenstadien ihrer Bäume genau zu beachten.

Eine bienenfreundliche Landwirtschaft ist zweifelsfrei im Sinne der Obstbauern, tragen die kleinen Bestäuber doch viel zur erfolgreichen Bestäubung ihrer Kulturen und damit zu einem qualitativ besseren und grösseren Ernteertrag bei. Der Nektar der Obstblüten ist für Bienen sehr attraktiv, weshalb sie sich massenhaft in diesen aufhalten. Um die hilfreichen Insekten nicht unnötig zu gefährden oder gar zu töten, sind Blütenspritzungen nur mit bienenungefährlichen Pflanzenschutzmitteln erlaubt. Manchmal müssen ausserhalb der Blütezeit aber auch bienengiftige Insektizide (mit Warnhinweis SPe 8) eingesetzt werden. Genau dort liegt das Risiko für Honig- und Wildbienen.
Seit 2013 koordiniert der Bienengesundheitsdienst schweizweit alle Verdachtsmeldungen zu Bienenvergiftungen. «Bei den tatsächlich nachgewiesenen Vergiftungsfällen fällt auf, dass diese meist durch falsch angewandte Pestizide im Obstbau ausgelöst werden », weiss Marianne Tschuy von der Meldestelle Bienenvergiftungen bei apiservice. Die Gefahr geht insbesondere von bienengiftigen Produkten aus, die eigentlich nur vor oder unmittelbar nach der Blüte zum Einsatz kommen dürfen. Werden diese Mittel bereits in die abgehende Blüte (Entwicklungsstadium BBCH 67) gespritzt, statt erst bei Ende der Blüte (BBCH 69), drohen den Bienen teilweise massive Vergiftungen.
Auch Jürg Glanzmann vom Bienengesundheitsdienst kennt die Auswirkungen einer zu frühen Spritzung genau: «Insbesondere Insektizide – allen voran das Neonikotinoid Thiametoxam – und Akarizide sind nicht selten Auslöser für massenhaft tote Bienen oder stark geschädigte Bienenvölker. Dabei reicht es bereits, die Mittel ein wenig zu früh zu spritzen (wenn noch einzelne Blütenblätter vorhanden sind).»
Der Bienengesundheitsdienst bittet die Obstbäuerinnen und Obstbauern, das genaue Pflanzenstadium vor dem Einsatz bienengiftiger Spritzmittel zu berücksichtigen. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Insektiziden vermeidet den unnötigen Vergiftungstod von Bienen.

Weiterführende Informationen von Agroscope für den Erwerbsobstbau:
– Pflanzenschutzempfehlungen für den Erwerbsobstbau 2016/2017
– Empfohlene Pflanzenschutzmittel für den Erwerbsobstbau 2017







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