Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
19. Oktober 2018


Bio hat auch mit dem aktuellen Trend zu tun

Ausgabe Nummer 1 (2015)

Interview zum Agrarzyklus 2015 der Volkshochschule Mittelthurgau

Für den Agrarzyklus der Volkshochschule Mittelthurgau haben die Verantwortlichen hochkarätige Fachreferenten eingeladen. Sie stellen sich dem Thema: «Bio – Mehrwert oder gekonntes Marketing?». Wir fragen bei Michael Dubach nach, weshalb sich die Volkshochschule auf diese brisante Frage einlässt.

Bio ist Lifestyle. Wer etwas auf sich hält, konsumiert Bio. Herr Dubach, warum gehen Sie auf dieses Thema ein?
Der Biomarkt ist in den letzten Jahren von 2008 mit 1,4 Miliarden bis 2013 mit 2 Milliarden Franken Umsatz laufend gestiegen und bewegt sich zu einem wichtigen Marktsegment. 2013 produzierten 11,8 Prozent der Landwirte nach den Richtlinien des biologischen Landbaus. Der Biobereich macht seine Arbeit erkennbar gut.

Doch warum ist Bio so erfolgreich? Ist es der Mehrwert der Produkte oder gutes Marketing?
Sicherlich spielen beide Aspekte eine wichtige Rolle; wir werden es am 12. und 19. Januar 2015 sehen. Bio hat auch mit dem aktuellen Trend nach frischen und gesunden Produkten zu tun.

Die traditionellen Produktionsformen arbeiten heute auch sehr nachhaltig und die Unterschiede zwischen Bio werden immer kleiner. Welche Legitimation hat Bio?
Bio produziert in geschlossenen Nährstoffkreisläufen und konsequenterweise ohne synthetisch hergestellte Hilfsstofffe. Hierin unterscheidet sich die Produktionsrichtlinie klar von den anderen Bereichen. Diese Ausgangslage zwingt die Bioforschung, innovative Alternativen und Lösungen zu suchen. So werden schädlingsresistente Sorten gezüchtet oder alte, bereits in Vergessenheit geratene Sorten wieder neu belebt. Der Biobereich sucht auch nach Lösungen mit natürlichen Antagonisten zur Schädlingsbekämpfung. Von solchen Lösungen kann letztendlich die gesamte Agrarbranche profitieren. Immer mehr ist feststellbar, dass sich auch die grossen Saatgut- und Hilfsstoff-Unternehmen der Thematik annehmen.

Ist die Regionalität heute nicht fast wichtiger als die Produktionsart?
Als Gegentrend zur Globalisierung stellt sich der Retrotrend der Regionalität ein. Die Gesellschaft sehnt sich nach Verbundenheit, nach bekannten Werten, die greifbar sind. Die Konsumentin und der Konsument wollen heute wissen, woher ihr Gemüse kommt. Die Regionalität schafft Identifikation und Vertrauen.
Der Biobereich, entstanden aus dem ökologischen Bewusstsein, hat unbestritten einen wichtigen Platz im Markt. Bio ist eine Produktionsrichtung, die Regionalität ist eine andere Sichtweise. Idealerweise werden die beiden Formen kombiniert, wo dies möglich ist.

Wer die importierten Bioprodukte in den Regalen sieht, fragt sich, was das mit Bio zu tun hat?
Plötzlich kippt die Ökobilanz: Eine Hors-Sol-Tomate aus dem Gewächshaus, geheizt mit Abwärme aus der Kehrichtverbrennungsanlage, ist vielleicht sinnvoller als eine aus Marokko importierte Biotomate.

Glauben Sie, dass der massiv höhere Preis für Bioprodukte gerechtfertigt ist?
Durch den konsequenten Verzicht auf synthetische Zusatzstoffe und das konsequente Einhalten der organischen Kreisläufe ergeben sich im Biobereich oftmals höhere Produktionskosten. Diese stammen auch von teilweise tieferen Produktionseinheiten oder tieferen Erträgen. Und vielleicht ist hier ein kleiner Teil dem guten Marketing zuzuschlagen, was jedoch nicht weiter verwerflich ist; versucht doch die gesamte Agrarbranche der Schweiz, sich gegenüber den Importprodukten zu differenzieren.

Wen wollen Sie mit diesen beiden Agrarzyklen besonders erreichen, die Landwirte oder die Konsumenten?
Die Veranstaltung steht allen Interessierten offen. Die Konsumenten erfahren mehr Hintergrundwissen zu der Thematik und die Landwirte können sie über Aktualitäten austauschen. Und wenn beide Gruppen dabei sind, so ist im Anschluss an die Referate sicherlich auch eine interessante Diskussion möglich.


Ruth Bossert













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