Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. Juli 2018


Bio-Soja - eine lohnende Herausforderung

Ausgabe Nummer 45 (2014)

Als biologischer Fleischersatz wird Bio-Tofu immer beliebter. Die Inlandproduktion kann nicht einmal die Hälfte der Nachfrage decken, auch wenn der Anbau lukrativ ist.

Die schweren Böden auf dem Bio-Knospenhof von Andy Vogel-Kappeler in Wäldi sind nicht optimal für Biosoja. Auch die Höhe von knapp 600 Meter über Meer und das eher raue Klima mit viel Bise spricht nicht unbedingt für einen erfolgreichen Anbau dieser Leguminosenpflanze (Schmetterlingsblütler). Trotzdem hat es der junge dynamische Landwirt vor drei Jahren das erste Mal versucht und war gleich erfolgreich. Über 30 Kilogramm pro Are hat er im Jahr 2012 geerntet, das Jahr darauf und auch die vor ein paar Wochen eingebrachte Ernte brachten es immerhin noch auf 24 Kilogramm pro Are. «Das war kein Anfängerglück» erklärt Andy Vogel-Kappeler ernst. «Viel mehr hat mir der gute Sommer beim Start geholfen, auf das gute Resultat zu kommen.» Der diesjährige Sommer war ganz klar zu nass, und im letztjährigen Frühjahr sei es schwierig gewesen, das Saatfeld ideal hinzukriegen. Doch entmutigen lässt sich der Landwirt deswegen nicht. «Ich werde garantiert auch die kommenden Jahre Biosoja anbauen, diese Kultur und ich passen zusammen, die ‹Chemie› zwischen uns stimmt.» Deshalb hat er auch zwei, drei andere Biolandwirte ermutigt, es ebenfalls mit der Soja zu probieren, «zudem rechnet sie sich gut.»

Nachfrage ist grösser als das Angebot
Seit 17 Jahren wird in der Schweiz Biosoja für den Handel angebaut. Die heutigen Produktionsflächen vermögen aber das Bedürfnis des Marktes nicht abzudecken, sagt Andreas Käser von Bio Suisse. «Wir sind bestrebt, mehr Biobauern zum Anbau von Biosoja zu motivieren.» Die Absatzmöglichkeiten seien hervorragend, die Nachfrage nach Biosoja mehr als doppelt so gross wie das Angebot. Aktuell werde für Biosoja 220 bis 225 Franken pro 100 Kilogramm bezahlt. Die Schweizer essen immer weniger Fleisch, und die Zahl der Vegetarier und Veganer steige ständig. Deshalb wäre eine Erhöhung der Anbauflächen nötig, um der inländischen Tofuproduktion einen grösserer Teil inländischer Biosoja als Grundstoff zur Verfügung zu stellen, sagt Käser weiter. Eine leichte Zunahme von Produzenten sei spürbar, sagt auch Joseph von Rotz, Leiter Brotgetreide und Ölsaaten der Agrarhandelsunternehmung Fenaco. Auch er ist überzeugt, dass die guten Absatzmöglichkeiten bleiben, da die Nachfrage vorhanden sei. Die genauen Zahlen der diesjährigen Ernte liegen noch nicht vor, doch sprechen Produzenten von einem leicht höheren Ertrag als im vergangenen Jahr.

Guter Markt – guter Preis
Die Möglichkeit, Biosoja anzubauen, sei vielen Landwirten noch unbekannt, erklärt auch Jakob Rohrer vom Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg. Im Kanton Thurgau seien es wahrscheinlich weniger als zehn Betriebe, die Biosoja anbauen. Recht lange ging man davon aus, dass in der Ostschweiz der Anbau von Soja nicht möglich ist. Grundlegende Voraussetzungen sind aber nach wie vor ein geeignetes Klima und ein passender Boden. Biosoja braucht Wärme und wenig Nässe. Früher habe man auch gesagt, dass das Anbaugebiet nicht über 550 Meter über Meer liegen sollte, doch Wäldi liefert den Beweis, dass die Soja auch auf 600 Meter Höhenmeter wächst.
In der landwirtschaftlichen Berufsausbildung werden die angehenden Landwirte über den Anbau von Biosoja informiert, und auch bei Neuumstellungen oder bei bestehenden Biobetrieben weisen die Berater vom Arenenberg auf diese Möglichkeit hin. Man habe jetzt bereits ein paar Betriebe im Thurgau, wo die Produktion gut laufe und sie deshalb auch auf diese Erfahrungen zurückgreifen können. Zudem sei Soja in der Fruchtfolge sehr beliebt, da die Pflanze selber sehr viel Stickstoff produziere. «Da der Markt vorhanden ist, sind auch die Preise gut», sagt Rohrer weiter. Er ist optimistisch, dass sich die Anbauflächen in den kommenden Jahren vergössern werden. Andreas Käser von Bio Suisse bestätigt, dass in der Ostschweiz von anfänglich neun Hektaren im Jahr 2012 zwei Jahre später bereits 22 Hektaren angebaut wurden.

Hacken und Striegeln gegen das Unkraut
Andy Vogel hat bereits vor mehr als zehn Jahren auf seinem noch konventionell geführten Hof Soja angebaut und war auch damals schon begeistert. Aufgrund des Preiszerfalls habe er später darauf verzichtet. Als er vor sieben Jahren auf Bio umstellte, habe er sich dann schnell auch um die Biosojaproduktion gekümmert. Doch leider musste er davon absehen, da der einzige Abnehmer im Bernbiet stationiert war und es dadurch zu umständlich gewesen wäre, die Biosoja quer durch die Schweiz zu transportieren. Vor drei Jahren hörte er, dass die Fenaco über die Sammelstelle in Märstetten auch Biosoja entgegennimmt. Das war für ihn dann der Startschuss.
Gesät wird die Soja ab Anfang Mai, wenn der Boden eine Temperatur von über zehn Grad aufweist. Unabdingbar sei eine Impfung des Saatguts oder des Bodens mit Knöllchenbakterien. Je nach Vorfrucht und Bodenbeschaffenheit könne das Unkraut grossen Ärger verursachen, erzählt er weiter. Mit Hacken und Striegeln könne man das Feld aber weitgehend unkrautfrei halten. Vor der Saat rät der Landwirt zu einer Unkrautkur mit dem Striegel. Nach der Saat könne blind gestriegelt werden, dazu müsse die Saat aber mindestens drei bis vier Zentimeter tief liegen. Geerntet wird Ende September bis Anfang Oktober. Und wie hat es Andy Vogel-Kappeler mit dem Konsum von Biosoja? «Wir essen regelmässig Tofu, aber auch ein feines Stück Fleisch aus einem Biobetrieb ist nicht zu verachten.»


Ruth Bossert
















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