Ausgabe Nummer 50 (2007)
Biobauern warten auf Blossom-Protect
Feuerbrand soll grenzüberschreitend bekämpft werden
Der Bio-Obstbauring Ostschweiz befasste sich an seiner Regionaltagung im BBZ Arenenberg mit dem Feuerbrand und den Strategien 2008 und den folgenden Jahren.Christoph Surbeck, Obmann des Bio-Obstbaurings Ostschweiz, freute sich über das grosse Interesse an der Regionaltagung zum Thema Feuerbrand. Dieses Thema beschäftige auch die Biobauern. Unter dem Titel «Feuerbrand 2007 ? ein Schlag für die ganze Obstbranche», stellte Urs Müller, BBZ Arenenberg, fest, dass der Schaden alleine im Thurgau bei zehn Millionen Franken liege. Dabei seien die Folgeschäden in den kommenden zwei bis drei Jahren noch nicht abschätzbar. Die Rodungen bei Hochstämmen konnten im Thurgau mit wenigen Ausnahmen ohne Probleme vollzogen werden. Sorgen bereitet Müller ein Entscheid des Bundesverwaltungsgerichtes, wonach drei St. Galler Obstbauern ihre befallenen Bäume noch nicht roden müssen und die Entwicklung im kommenden Jahr abwarten können. Müller befürchtet, dass dieses Urteil auch Auswirkungen auf den Thurgau haben könnte. Er orientierte auch über den Unterlagenbefall bei Golden Delicious. Nach seinen Beobachtungen sind die Symptome ab Ende August und Ende Oktober am besten erkennbar.
Erfahrungen bei deutschen Nachbarn
Sascha Buchleither, Beratungsdienst ökologischer Obstbau Baden-Württemberg, gab der Überzeugung Ausdruck, dass man Feuerbrand grenzüberschreitend bekämpfen sollte. Eine Umfrage in Baden-Württemberg, an der sich 21 von 51 Ökobetrieben beteiligten, habe ergeben, dass 17 Betriebe mit rund 90 Hektaren stark befallen waren. Vor allem die Sorten Pilot und Topaz waren stark betroffen. Nach Aussagen von Buchleither wurde mit dem Produkt Blossom- Protect (Pilzpräparat / Aureobasidium pullulans) in Deutschland sehr gute Wirkung gegen den Feuerbrand erzielt. Bei vier Spritzungen lag der Erfolg bei rund 78 Prozent. Mit dem Zusatz von Kutisan konnte auch die Berostung gesenkt werden. Bei Mycosin lag der Erfolg bei 70 Prozent.
Bewilligung noch ausstehend
Laut Cornelia Schweizer, Andermatt Biocontrol, wirkt «Blossom-Protect» am besten einen Tag vor der Infizierung, da damit der Blütenboden weitgehend geschützt werden könne. Nach ihrer Meinung ist der Vorwurf der Berostung vielfach politisch motiviert. Schweizer betont die guten Ergebnisse, die in Deutschland erzielt wurden. Pro Spritzung entstehen Kosten von rund 200 Franken pro Hektare. Diese Alternative zur Antibiotika-Anwendung im Obstbau sei beim Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) zur Zulassung als Pflanzenschutzmittel angemeldet. Schweizer hofft, dass der Entscheid vom BLW noch in diesem Jahr gefällt wird.
Feuerbrandpotenzial auch im 2008
Für Hans-Jakob Schärer, Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL, besteht auch im kommenden Jahr ein grosses Potenzial für Feuerbrand. Deshalb empfiehlt er früh, Kontrollen vorzunehmen. In der Forschung müssten unbedingt weitere biotaugliche Mittel entwickelt werden. Bei der Auslegeordnung über mögliche Lösungen stellte Jakob Rohrer, BBZ Arenenberg, fest, dass viele Biobauern auf die Freigabe von Blossom- Protect hoffen. Als mögliches weiteres Mittel soll weiterhin Mycosin eingesetzt werden. Auch der Einsatz von Löschkalk wurde thematisiert.
Mario Tosato

Sascha Buckleither, Cornelia Schweizer und Urs Müller (von links nach rechts) informierten über Blossom-Protect und Feuerbrand. (tos)
