Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Biodiversitäts-Hotspot Waldrand

Ausgabe Nummer 10 (2017)

Dem Aspekt richtig strukturierter Waldränder, die als «Biodiversitäts-Hotspot» gelten, vermehrt Beachtung zu schenken, lohnt sich unter anderem auch aufgrund finanzieller Aspekte.

Drei Agroberatungsvereine und Peter Schweizer von Landschaftsqualität Thurgau luden Landwirte am 20./21. und 22. Februar zu Informationsnachmittagen, begleitet von Revierförstern, ein. Stellvertretend für alle drei Anlässe, die in Egnach, Diessenhofen und Amriswil durchgeführt wurden, wird jener in Diessenhofen, begleitet von Ruedi Lengweiler vom Forstamt, und Jakob Gubler, Revierförster, nachfolgend erwähnt.

Revierförster ist «Drehscheibe» für Massnahmen
Der Waldrand ist ein bedeutender Lebensraum für Igel, Blindschleichen, Waldschmetterlinge und bestimmte Spechtarten. Mit aufgewerteten Rändern ab fünf Metern lässt sich bereits Einiges für die Förderung der Biodiversität erreichen. Es sollten trotz Pflegemassnahmen immer ein Anteil Totholz und Asthaufen belassen werden. Ruedi Lengweiler bezeichnete die Strukturierung von Waldrändern als Dauerprojekte. Beim Baumschlag am Waldrand sollten die ökologisch wertvollen Eichen oder Kirschenbäume stehengelassen werden. Der am frei werdenden Platz neu entstehende Strauchgürtel fördert ebenfalls die Artenvielfalt. Beeren- und dornentragende Sträucher sind sehr wichtig und sollten nicht zu kurz beschnitten werden, damit sie sich gegen konkurrenzstärkere Pflanzen behaupten können. Der Aufbau eines idealen Waldrandes erfolgt stufig und gebuchtet. Ruedi Lengweiler bezeichnete die im vergangenen Jahr im Thurgau eingeführte statische Waldgrenze als einen grossen Vorteil, welche den Schutz des Kulturlandes begünstige. Jakob Gubler stellte fest, dass heute noch viele Waldränder wenig strukturiert sind. Für die Waldrandpflege gilt es zu beachten, dass der Revierförster die «Drehscheibe» für die Massnahmen am Waldrand ist: Alle forstlichen Eingriffe in Wald und Ufergehölz sind von diesem anzuzeichnen. Der Revierförster ist auch zuständig für die Beratung bezüglich der Beiträge an die Pflegemassnahmen.

Pflanzenbestand lenken
Pflegemassnahmen an Bachufergehölzen werden durch Beiträge der Gemeinden und des Amtes für Umwelt entschädigt. Aufgewertete Waldränder, Bachufergehölze und Hecken lösen zusätzlich Beiträge über die Landschaftsqualität aus, sagte Peter Schweizer. Im offenen Kulturland zeigte Jakob Gubler eine Hecke, an der er sehr starke Eingriffe vorgenommen hatte und bei der noch sehr viel Astmaterial lag. Der Hartriegel stellte hier ein (lokales) Problem dar, welches durch dessen starken Rückschnitt in der dringend empfohlenen Nachpflege gelöst werden kann. Der Revierförster sagte, dass er bei den Pflegemassnahmen teils auf die Unterstützung durch die freiwilligen Helfer der Naturschutzgruppe Wagenhausen zählen kann. Hecken werden von Vorteil in Handarbeit gepflegt, und Artenkenntnisse sind von Vorteil, um den Pflanzenbestand in die gewünschte Richtung zu lenken. Durch pflegende Eingriffe gewinnen zum Beispiel Schwarzdorn, Hundsrose, Weissdorn und zahlreiche weitere Arten wieder Platz. Peter Schweizer erklärte, dass eine Aufwertung einer Hecke von QI auf QII oft schon durch gezielte Pflegemassnahmen erreicht werden kann. Vielfach ist die gewünschte Pflanzenvielfalt bereits als Kleinpflanzen vorhanden. Auch der nötige Anteil von 20 % dornentragenden Pflanzen kann dadurch oft erreicht werden. Bei Neuanpflanzungen von Hecken übernimmt der Kanton die Kosten des Pflanzmaterials.

Gute Standortwahl – ohne Produktionseinschränkung
Ruedi Lengweiler empfahl, für Neuanpflanzungen nur einheimisches Pflanzmaterial zu verwenden. Am Standort des Ufergehölzes verwies er das Vorurteil, wonach der Efeu Bäume «aussauge», definitiv in den Bereich der Mythen. Efeu ist ein wichtiges Strukturelement und Nahrungsquelle für verschiedene Insektenarten, wenn er ab einem gewissen Alter – und dies jeweils bis in den Herbst – blüht. Ein dritter Info- Posten führte zu Ufergehölz. Pflegerische Massnahmen wurden hier aus Sicherheitsaspekten nötig, erklärte Jakob Gubler. Von den Eschen, welche am Eschentriebsterben leiden, könnte, so die Einschätzung, eine Gefahr für Schulkinder ausgehen, welche das «Pfahlbauerhüsli» besuchen. So wurden Haselnuss und Eschen zahlreich entfernt, es fielen 100 Kubikmeter Schnittholz an. Dessen Erlös (und der Beitrag der öffentlichen Hand für die Bachufergehölzpflege) von Fr. 25.– pro Kubikmeter finanzieren den Pflegeaufwand. Das anfallende Holz wird in der Schnitzelholzfeuerung der Gemeinde genutzt. Der Revierförster betonte, dass er pflegerische Massnahmen steuern und entsprechend budgetieren muss. Darüber hinaus gelte es, mit Waldbesitzern vorgängige Gespräche zu führen. Denn nicht jeder (private) Waldbesitzer ist mit den vorgeschlagenen Massnahmen einverstanden oder sieht deren Notwendigkeit gleich auf Anhieb ein. Ruedi Vetterli, Landwirt, zeigte den Referenten und Berufskollegen seine vor vier Jahren angepflanzte Hecke an einem bewusst ausgewählten Standort, der ihm trotzdem gute Ackerbewirtschaftung erlaubt. «Durch eine gute Standortwahl ist es möglich, Biodiversitätsmassnahmen wie eine Hecke zu erstellen, ohne die Produktion einzuschränken. Dies wirkt sich positiv auf Flora und Fauna aus und ist darüber hinaus beste Imagepflege für die Landwirtschaft», ergänzte Peter Schweizer die Ausführungen.


Isabelle Schwander



















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