Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Biolandwirtschaft bleibt in Bewegung

Ausgabe Nummer 8 (2016)

Hauptversammlung von Bio Ostschweiz in Sommeri TG

Im Tätigkeitsbericht von Bio Ostschweiz nehmen Stall-, Feld- und Betriebsbesichtigungen mit dem fachlichen Austausch unter Berufskollegen einen hohen Stellenwert ein. An der Hauptversammlung standen Gesamterneuerungswahlen im Vorstand sowie ein Referat über die Viehzucht in Guinea Bissau im Fokus.

Herbert Schär, Co-Präsident des Vereins Bio Ostschweiz, begrüsste Mitte Februar 69 Stimmberechtigte und Gäste zur 24. Hauptversammlung im Restaurant Löwen in Sommeri TG. In seiner Eröffnungsrede thematisierte er die Gratwanderung zwischen produzierender (Bio)Landwirtschaft und Biodiversität. Die Biolandwirtschaft müsse sich mit Fragen zu Standpunkten und Ausrichtung auseinandersetzen. «Wir haben Potenzial für eine nachhaltigere Landwirtschaft. Im Endeffekt zählt diese auch für mehr Lebensqualität. Nachhaltigkeit bedeutet für uns aber auch, unseren Versorgungsauftrag zu erfüllen », so Herbert Schär.
Claudio Gregori aus Bergün, Vorstandsmitglied von Bio Suisse, überbrachte den Gruss des Dachverbandes. Er thematisierte ebenfalls den Begriff Nachhaltigkeit und stellte fest, dass sich inzwischen alle Branchen dazu bekennen und diese Bezeichnung demzufolge «abgenutzt» erscheint. «Bio Suisse will sich jedoch immer wieder aufs Neue mit den Kernfragen auseinandersetzen und sucht die Nähe zur Basis. Wir diskutieren mit den Landwirten ökologische und soziale Standards. Dazu gehört für uns auch das kontroverse Thema der Fütterung unserer Nutztiere mit der Frage, welche Importmengen wir als verträglich empfinden», sagte Claudio Gregori. Er stelle fest, dass sich Bio Suisse, respektive die gesamte Biolandwirtschaft, in Bewegung befindet, sie die in der Bevölkerung ausgelöste Diskussion um die Nachhaltigkeit aufgreift und mit den Konsumenten den Dialog sucht.

Diverse Marktberichte
Sepp Sennhauser, Co-Präsident von Bio Ostschweiz, hob in seinem Jahresbericht die für die Basis wertvollen Einblicke von Betriebs- und Stallbesichtigungen bei Berufskolleginnen und -kollegen hervor. Als eindrücklich bezeichnete er seine Teilnahme am «St. Galler Genusstag», mit Marktstandpräsenz, gemeinsam mit den Partnern von Biofarm und KAG-Freiland. Anstelle von Präsentationen wurden an der HV Marktberichte in schriftlicher Form vorgelegt. So berichtete Peter Haldemann zur Marktlage beim Fleisch, dass Bio-Kuhfleisch gesucht ist. Für eine Ausdehnung der Bio-Mutterkuhhaltung bestehe noch Potenzial. Bei Biopoulet prognostizierte er langfristig ein starkes Wachstum, es seien sukzessive neue Produzenten gesucht.
Willi Schweizer zog in seinem Bericht zur Marklage der Biomilch für 2015 das Fazit, dass Produktionsmenge und Preis stabil blieben. Für 2016 meinte er, dass die Produktion, Verarbeitung und Konsum tendenziell zunehmen. Er empfahl weitere Anstrengungen für eine bessere Vermarktung der silofreien Milch.
Zur Marktlage bei Bioackerkulturen berichtete Herbert Schär, dass mit Ausnahme des Kartoffelmarktes (und in kleinem Umfang Gerste), in allen Bereichen die Nachfrage nach CH-Produkten weiterhin gross und das Potenzial für neue Produzenten vorhanden seien. Nebst grossflächig angebauten Ackerfrüchten wären Nischenkulturen (zum Beispiel Soja für die Tofu-Produktion) sehr gefragt. In jedem Fall müsse eine Absprache mit dem Abnehmer vor dem Anbau gemacht werden.

Wissenstransfer von Bauer zu Bauer
Im Bericht des Bio-Obstbauringes TG/SG hebt Christoph Surbeck die Bedeutung der Bienenvölker und Wildbienen hervor, die in einem obstbaulich schwierigen Jahr mit einem nass-kalten Frühling, eine gute Bestäubung gewährleisteten. Beriebsrundgänge während der Vegetation, an denen Wissenswertes zur jeweils aktuellen Situation ausgetauscht wird, haben einen hohen Stellenwert in der Arbeit des Bio-Obstbauringes.
Eine Erfolgsgeschichte für Bio Ostschweiz ist der jährliche Ostschweizer Bio-Markt in Weinfelden, der 2016 (27. August) zum zwölften Mal durchgeführt wird.
Tobias Brülisauer, organisatorischer Leiter, und Herbert Schär, fachlicher Leiter des Bio-Ackerbaurings Ostschweiz, legten ihren Rechenschaftsbericht vor: Das Jahresthema lautete «Vielfalt im Ackerbau». Die Themen an Weiterbildungsnachmittagen (zum Beispiel über die flächige Blackensanierung in Fruchtfolgeflächen) und besonders die Flurgänge zeichneten sich durch grosse Teilnehmerzahlen aus. Der Bio- Ackerbauring habe sich zu einem geschätzten Forum innerhalb Bio Ostschweiz etabliert. Das Jahresprogramm 2016 liegt bereits vor und verspricht, so Herbert Schär, erneut spannende Programmpunkte. Werner Ammann, Präsident / Geschäftsführer des Vereins Kometian (Komplementär-medizinisches Tierheilangebot) informierte über die Weiterentwicklung von Qualität und Angebot im Beratungsdienst. Kometian sei als Antwort auf die Resistenzprobleme in Human- und Veterinärmedizin initiiert worden. Der Beratungsdienst steht sowohl Bio- wie auch ÖLN-Betrieben zur Verfügung.

Entwicklungsprojekt in Guinea Bissau
Im Anschluss an den geschäftlichen Teil hielt Tobias Brülisauer ein Referat über seine Reiseimpressionen in Guinea-Bissau. Er besuchte diesen Staat an der afrikanischen Westküste, angrenzend an Senegal und Guinea, in seiner Funktion als Pate für Swissaid- Entwicklungsprojekte. In Guinea-Bissau sind 80 % der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig. Dennoch muss ein grosser Teil der Lebensmittel aus dem Ausland importiert werden. Rund ein Drittel der Bevölkerung ist mit ständiger Nahrungsmittelknappheit konfrontiert. Tobias Brülisauer hatte für seine Reise die zweiwöchige Arbeit mit Viehzüchtern vorgesehen, mit Besichtigungen von Viehherden in verschiedenen Dörfern und Ethnien in Oio und Cacheu. Die Gesunderhaltung der Herden sei ein wichtiges Thema sowie das Vorbeugen gegen Viehdiebstahl. Vor allem bei der Ethnie der Balante-Animisten ist Viehdiebstahl ein Kultritus, der künftig mittels Kennzeichnungspflicht für alle Züchter eingedämmt werden soll. «Zur Verbesserung der Tiergesundheit wurde versucht, die Bauern davon zu überzeugen, Tiere nur bei anderen bekannten Bauern zu kaufen und nicht auf öffentlichen Märkten, wo grosse Herden zusammenkommen und sich Epidemien leicht ausbreiten können.» Die Bildungsreise mit den afrikanischen Tierhaltern, mit Kuhdemonstrationen und Beurteilungen, Formulierung von Rassezielen und dem Schulen des Auges für Qualitätsmerkmale, habe sicher einiges in Bewegung gesetzt, meinte Tobias Brülisauer. Zum Abschluss seiner Besichtigungstour nahm er im bäuerlichen Schulungszentrum in Djalicunda an einem Anlass teil, bei dem er die Sieger des Wettbewerbes «Der beste Züchter» vorstellen durfte.


Isabelle Schwander






Tobias Brülisauer ist überzeugt, dass die einheimische Rinderrasse von Guinea Bissau noch viel Potenzial hat. (Fotos: Tobias Brülisauer)



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