Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
26. Juni 2020


Bisherige Lösung beim Zucker benachteiligt die Schweizer Produzenten

Ausgabe Nummer 9 (2018)

Der einheimische Zuckerrübenanbau und damit die Produktion von Schweizer Zucker sind ohne politische Massnahmen akut gefährdet. Das ist die Hauptbotschaft einer gemeinsamen Medienkonferenz des Schweizer Bauernverbands, der Zuckerrübenpflanzer und der Zuckerindustrie in der Zuckerfabrik Aarberg. Der Grund ist die einseitige Änderung der Zuckermarktordnung der europäischen Union (EU). Nach der Aufhebung der Quoten und Exportbeschränkungen gelangen Überschussmengen zu Tiefstpreisen in die Schweiz, während die EU einen hohen Zoll auf Zucker für Importe beibehält. Das Parlament hat nun die Möglichkeit, den Grenzschutz von Seiten der Schweiz ebenfalls anzupassen, damit die Schweizer Produktion wieder gleich lange Spiesse erhält und auf dem Markt bestehen kann.

Die EU hat auf Ende September 2017 einseitig die Zuckermarktordnung geändert und Zuckerquote, Exportbeschränkungen und Mindestpreis für Zuckerrüben aufgehoben. Sie baut die Zuckerproduktion und den Export stark aus, behält aber ihren eigenen Grenzschutz bei 420 € pro Tonne importiertem Zucker. Durch die bilateralen Abkommen («Doppelnull- Lösung») ist der Schweizer Zuckerpreis mit dem EU-Preis verbunden. «Die Spiesse sind nun nicht mehr gleich lang und die Schweizer Zuckerwirtschaft steht unter massivem Preis- und Importdruck», erläuterte der Bauernverbandspräsident Markus Ritter die Ausgangslage. Bereits im Vorfeld der Quotenaufhebung seien die Preise für Zucker – und damit auch für Zuckerrüben – stark gesunken, ab Oktober 2017 völlig eingebrochen. Die Zuckerrübenfläche in der Schweiz ging in der Folge zurück. Zur Erhaltung der Schweizer Zuckerwirtschaft hat Verbandsdirektor und Nationalrat Jacques Bourgeois bereits im September 2015 die parlamentarische Initiative «Stopp dem ruinösen Preisdumping beim Zucker – Sicherung der inländischen Zuckerwirtschaft» eingereicht. Sie fordert, dass mit einer Anpassung des Grenzschutzsystems ein minimaler Zuckerpreis in der Schweiz abgesichert wird.

Zuckerfabriken haben bereits optimiert
Die Schweizer Zucker AG betreibt zwei Zuckerfabriken (Aarberg und Frauenfeld) mit 240 Mitarbeitenden und verarbeitet jährlich 1,6 Mio. Tonnen Rüben zu 260 000 Tonnen konventionellem und 6000 Tonnen biologischem Zucker. Als wertvolle Nebenprodukte entstehen Rübenschnitzel für die Tierfütterung, Melasse, Ricoter Blumenerde, Kalkdünger und Biogas. Gemäss Direktor Guido Stäger sind die Verkaufspreise für Zucker wegen den billigen Importen (Preiszerfall und Frankenstärke) in den letzten Jahren um 50 Prozent eingebrochen. Entsprechend musste die Fabrik auch die Rübenpreise stark senken. Das führte zu einem Rückgang der einheimischen Zuckerrübenfläche, was wiederum die Auslastung der Fabriken gefährdet, wie Stäger ausführte. Die Firma hat bereits mit Personalabbau, Automatisierung, steigender Energieeffizienz und Anpassungen beim Zuckerrübentransport Kosten eingespart und mit der Entwicklung von Spezialitäten und einer verstärkten Diversifizierung zusätzliche Wertschöpfung generiert.
«2017 haben in nur einem Jahr über 500 Landwirte die Zuckerrübenproduktion wegen den tiefen Preisen aufgegeben», erläuterte der junge Zuckerrübenpflanzer Philippe Egger die Situation bei den Produzenten. Die Zuckerrübe sei eigentlich eine in der Fruchtfolge sehr wertvolle Kultur. Wenn die Preise aber nicht mehr kostendeckend seien, würden weitere Bauern die Produktion aufgeben. Wenn die Tore der Zuckerfabrik infolge mangelnder Auslastung schliessen, werde es für immer sein und die Königin der Ackerkulturen der Vergangenheit angehören. Und dies, obwohl Schweizer Zucker die Umwelt etwa 30 Prozent weniger belaste, als der aus der EU importierte, wie eine unabhängige Studie (www. nachhaltigkeit.zucker.ch) gezeigt habe.

Besserer Grenzschutz ist zwingend
«Die in der parlamentarischen Initiative geforderte Absicherung eines minimalen inländischen Zuckerpreises über ein angepasstes Zollsystem ist mit den Regeln der WTO (Welthandelsorganisation) und den bilateralen Verträgen mit der EU vollumfänglich kompatibel», betonte Bourgeois. Er schlägt vor, die Agrareinfuhrverordnung so anzupassen, dass ein minimaler Zuckerpreis in der Höhe von 600 Franken pro Tonne im Inland nicht unterschritten wird. Für die im internationalen Wettbewerb stehenden Kunden der Lebensmittelindustrie gäbe es wie bisher individuelle Lösungen, um ihre Konkurrenzfähigkeit zu erhalten. Zudem stehe es der exportierenden Lebensmittelindustrie offen, Zucker im Veredelungsverkehr zu verwenden. Der Effekt auf die verarbeiteten Lebensmittel ist aber sowieso marginal: Die Absicherung des Mindestpreises hätte pro Tafel Schokolade einen Effekt von ca. 0,5 Rappen. Der Bauernverband, die Pflanzer und die Verarbeitungsindustrie hoffen, dass sich das Parlament bei der Behandlung der Initiative in der Frühlingssession für die Schweizer Zuckerproduktion einsetzt und die Initiative unterstützt.


Schweizer Bauernverband

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