Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Blick über die Grenze im Obstbau

Ausgabe Nummer 2 (2016)

Obstfachtagung – die Obstverbände Thurgau, St. Gallen und Schaffhausen informierten über aktuelle Themen im Obstbau. Die Veranstaltung wurde von rund 400 Interessierten der drei Kantone besucht.

In seinem Grusswort erklärte Rolf Angehern vom St. Galler Obstverband, dass Düngung, ÖLN, Blattdüngung, LMA, Kirschessigfliege und anderes im Zentrum der Tagung stehen. Ueli Henauer vom BBZ Arenenberg informierte über die Beratung der Produzenten im Anbau, in Kulturtechnik und Pflanzenschutz. Grundsätzlich gelte, dass die auf der SAIOWirkstoffliste nicht aufgeführten Pflanzenschutzmittel nicht eingesetzt werden dürfen. Ausnahmen seien Sonderbewilligungen oder Mittel mit einer Allgemeinverfügung (Beispiel LMA). Henauer wies auf Gebläsespritzentests und die Wicklerbekämpfung hin. Der Referent orientierte auch über das «Sanktionsreglement » für Früchte, Gemüse und Kartoffeln.

Blick über die Grenze
Martin Thalheimer vom Landwirtschaftlichen Versuchszentrum Laimburg (Italien) erklärte, dass bei der Nährstoffverfügbarkeit der Boden, die Düngung, Pflanzen, Bodenpflege sowie die Witterung wichtig seien. Bei der Stickstoffdüngung sei der richtige Zeitpunkt bei der Baumstreifenpflege von grosser Bedeutung. Wichtig seien auch Fragen der mineralischen oder organischen Düngung. Bei der Herbstdüngung besteht nach Thalheimers Meinung ein Risiko für N-Verluste durch Auswaschung. Als Vorteil nennt Thalheimer die Stickstoffaufnahme durch die Wurzeln im Herbst. Die chemische Baumstreifenbehandlung im Herbst führt zu einer früheren Stickstoffnachlieferung als die Frühjahrsbehandlung. Es stelle sich auch die Frage nach organischer oder mineralischer Düngung.

Blattdüngung ist eine sinnvolle Ergänzung
Nach Ansicht von Richard Hollenstein, Leiter Fachstelle Obstbau LZSG Flawil, ist die Blattdüngung eine sinnvolle Ergänzung zur Bodendüngung. Die Wirkung von Blattdüngern sei wissenschaftlich nachgewiesen und gestalte sich aber oft schwierig. Erfahrungswerte einzelner Parzellen und Sorten zeigen das Lagerverhalten der Früchte, und eine gute Beobachtungsgabe sorgen für einen gezielten Einsatz. Blattdünger wirken schnell und können Stresssituationen infolge fehlender Nährstoffversorgung vermeiden oder gar verhindern. Hollenstein ist überzeugt, dass ein umsichtiger Einsatz von Blattdüngern, Blattverbrennungen und Fruchthautberostungen verhindert. Ein strategisch geplanter Einsatz von Blattdüngern schone auch das Portemonnaie.

Weitere Praxisversuche sind geplant
Wie Edi Holliger, Agroscope Wädenswil, berichtete, haben verschiedene Obstbaubetriebe wie Aargau, Luzern, St. Gallen, Thurgau und Zürich im Jahr 2015 in Zusammenarbeit mit Agroscope in Wädenswil Praxisversuche mit LMA- und Streptomycin-Behandlungen durchgeführt. Solche Experimente sind nach Holligers Meinung absolut zwingend, um die Versuchsergebnisse der Inokulationen am Breitenhof mit Daten aus sanierten Praxisanlagen mit natürlichem Befall zu vergleichen. 2015 kam es allerdings in keinem der Betriebe zu nennenswertem Befall. Deswegen können aus diesen Praxisversuchen keine Aussagen zur Wirksamkeit von LMA oder Streptomycin abgeleitet werden. Es konnten jedoch auch keine negativen Auswirkungen der LMA-Applikationen auf die Obstbäume festgestellt werden. Wie Holliger erklärte, sind für das laufende Jahr erneut Praxisversuche geplant.

Präventive Massnahmen wurden gut umgesetzt
Reto Leumann vom BBZ Arenenberg informierte über die Kirschessigfliege. Durch die heisse und trockene Witterung, den zügigen Reifeverlauf und gute Erntedisziplin, seien in den Kantonen Thurgau, St. Gallen und Schaffhausen nur wenig Schäden an Kirschen aufgetreten. Präventive Massnahmen (Einnetzung, Becherfallen) wurden allgemein gut umgesetzt. Die Kenntnisse über den Schädling seien bei Betriebsleitern und Erntepersonal besser geworden, stellte Leumann fest.


Mario Tosato







« zurück zur Übersicht