Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
20. April 2018


Blumen und offene Gewässer statt Siloballen

Ausgabe Nummer 27 (2014)

Das Landschaftsqualitätsprojekt Hinterthurgau– Immenberg nimmt Gestalt an. Am Dienstagabend vergangener Woche konnten auch Naturschützer, Jäger, Waldbesitzer, Tourismusfachleute und Gemeindevertreter mitreden.

Hügellandschaft, Schmelzwasserrinne, Immenberg und Berglandschaft heissen die vier Einheiten der Region, die insgesamt 14 Gemeinden mit 600 Landwirtschaftsbetrieben und rund 8400 Hektaren landwirtschaftliche Nutzungsfläche vereinen und das Landschaftsqualitätsprojekt Hinterthurgau – Immenberg umfasst. Auch wenn der Anlass öffentlich ausgeschrieben wurde, blieb man unter sich. An einer ersten Informationsveranstaltung Ende März wurden Gemeindevertreter informiert und zu einer finanziellen Beteiligung eingeladen. Die Projektgruppe hat sich in der Zwischenzeit fachliche Beratung und Begleitung durch das Büro Kaden & Partner aus Frauenfeld geholt und ist daran, die Gründung des Trägervereins vorzubereiten. Am Dienstagabend vergangener Woche lud man nun die Gemeinden, Obmänner der Agroberatungsvereine und regionale Vertreter von Forst, Jagd, Natur und Tourismus zum Mitreden ein. Gute zwei Dutzend Männer und ein paar einzelne Frauen nahmen die Gelegenheit wahr, ihre Ideen, Wünsche und Anregungen einzubringen. Andi Hafner vom Büro für ökologische Planung und Projektbearbeitung Kaden & Partner in Frauenfeld erklärte, dass der grösste Teil der Region von einer typischen Hügellandschaft geprägt sei. Der Immenberg setze mit der steilen Südflanke und vereinzelten Rebbergen eine eigene Einheit. Bemerkenswert sei die Schmelzwasserrinne zwischen Bichelsee-Balterswil und Littenheid, welche als tiefste Schmelzwasserrinne der Ostschweiz gelte und vier Flachmoore von nationaler Bedeutung aufweise. Als vierte Einheit wurde die Berglandschaft mit Tobeln, Kuppen und Wäldern genannt.

Fokus liegt auf der Wahrnehmung
In Gruppen wurden die Anwesenden aufgefordert, sich zu den vier genannten Einheiten zu äussern und ihre Ideen einfliessen zu lassen. «Haben Sie sich schon mal überlegt, welche Eigenarten unsere Landschaft prägt?» fragte Andi Hafner, und die Anwesenden waren um die Antworten nicht verlegen. Auf Kärtchen wurden die Wünsche notiert, so füllten sich die Pinwände im Nu.
Christian Eggenberger, Projektleiter beim Bildungsund Beratungszentrum Arenenberg, warnte davor, Wünsche zu notieren, die nicht in das Landschaftsqualitätsprojekt gehören, wie zum Beispiel die Zonenpläne. Zudem gelte es, keine Projekte auszuwählen, für die der Landwirt bereits Beiträge zur Verbesserung der Biodiversität erhalte. Der Fokus liege jetzt klar bei der Wahrnehmung. «Wir werten auf, was dem Auge wohl tut.»
Zu den Spitzenreitern, welche genannt wurden, gehörten die Blumen an Weg- und Strassenrändern, Einzelbäume, offene Bachläufe, Buntbrachen, vielfältige Kulturen. Ein leidiges Thema scheinen die markanten Siloballenlager in der Landschaft zu sein. Vermehrt wurden diese von den Teilnehmenden kritisiert und als hässlich empfunden. Hingegen war der Wunsch klar spürbar, die eingedolten Bäche wieder frei zu legen und die Uferlandschaft naturgetreu zu pflegen. Speziell dem Hochstaudenflor entlang dieser Gewässer sollte Beachtung geschenkt werden. Zudem sollten an Südhängen vermehrt strukturreiche Wiesen wachsen und in der Schmelzwasserrinne Alleen und Hecken im Verlauf der Rinne gepflanzt werden.
Für das Berggebiet wünscht man sich naturbelassene Wege mit grünem Mittelstreifen, aufgewertete Waldränder und eine Abwechslung zwischen extensiv- und intensiv bewirtschafteten Wiesen. Mit grünen Punkten prämierten die Teilnehmer später ihre Wünsche, die Andi Hafner und sein Team nun verarbeiten und so den Bericht für das Landschaftsqualitätsprojekt erstellen, der im Herbst zuerst dem Kanton und später dem Bund zur Genehmigung eingereicht werden soll. Mitglieder des Trägervereins, Gemeinden und andere Interessierte werden über die Eingabe informiert.


Ruth Bossert













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