Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


"Blumenwiesentag 2017" - ein kantonsübergreifender Anlass

Ausgabe Nummer 22 (2017)

Der diesjährige Blumenwiesentag fand zum ersten Mal kantonsübergreifend mit dem Kanton St. Gallen statt. In der Gemeinde Egnach konnten insgesamt drei im Blumenwiesenprojekt angesäte Wiesen begutachtet werden. Teilnehmer des Blumenwiesenprojekts, interessierte Landwirte aus dem Kanton Thurgau und aus der Gemeinde Muolen diskutierten die richtigen Schritte bei der Neuansaat und Pflege von artenreichen Heuwiesen. Abschliessend wurde in der Biohof-Beiz Mausacker das Vernetzungsprojekt Muolen und das gemeinsame Artförderprojekt Gartenrotschwanz vorgestellt.

Bei schönstem Wetter fand sich am Montagmorgen, den 22. Mai, eine Gruppe von interessierten Landwirten aus den Kantonen Thurgau und St. Gallen bei der Biohof-Beiz Mausacker in Steinebrunn ein. Nach der Begrüssung und Einführung durch Raimund Hipp, von der Fachstelle Natur und Landschaft TG, konnte nach einer kurzen Fahrt als erstes eine Ansaat von 2015 von Dominik Egloff begutachtet werden. Auf den ersten Blick schienen vor allem die Gräser sehr dominant. Es bereitete aber beim Artenkenntnisteil keiner Gruppe Mühe, die für die Qualitätsstufe II notwenigen sechs Zeigerarten (zum Beispiel Margerite, Habermark, Hornklee, Flockenblumen, Witwenblumen, Wiesenpippau, Wiesenknopf, Ruchgras usw.) zu finden.
Als nächstes folgte die Neuansaat von Dominik Manser. Der Betriebsleiter stellte sein Vorgehen bei der Ansaat kurz vor und betonte, dass er das Heu, welches die Fläche ab dem nächsten Jahr liefern werde, auf dem eigenen Hof sehr gut verwerten könne. Johannes Burri (Fenaco) schilderte humorvoll das Vorgehen im ersten Jahr der Neuansaat. Wenn der Unkrautbestand Kniehöhe erreicht hat, sollte ein Säuberungsschnitt in einer Schnitthöhe von 10 cm gemacht werden. Mehr als zwei solcher Säuberungsschnitte sollten nicht durchgeführt werden. Erst im Folgejahr werden sich die angesäten Arten etablieren. Weiter wurde über problematische Pflanzen gesprochen, wie Blacken und Schnürgras, und die richtige Vorgehensweise um diese in Zaum zu halten.
Als dritte Fläche konnte eine Ansaat aus dem ersten Jahr des Blumenwiesenprojektes von 2009 begutachtet werden. Der zottige Klappertopf hatte die Gräser der Blumenwiese stark zurückgedrängt, so präsentierte sie sich mit sehr tiefem Bewuchs. Gemäss Aussage des Bewirtschafters hatte er ein Frühschnittgesuch beantragt und wird nächstens die Fläche mähen, um eine weitere Versamung des zottigen Klappertopfs zu verhindern. Viele Schmetterlinge und andere Insekten tummelten sich auf der Wiese. Bei Kaffee und Zopf wurden im Anschluss in der Biohof-Beiz Mausacker die Auswertungen der bisherigen Ansaaten von Daniel Fröhlich, BBZ Arenenberg präsentiert. Der Ansaaterfolg (erfolgreiche QII-Kontrolle) lag in den Vorjahren teilweise bei über 90 %.
Bernhard Keller, Gemeindepräsident von Muolen stellte das Vernetzungsprojekt der Gemeinde Muolen vor und das gemeinsame Artförderprojekt Gartenrotschwanz der Kantone St. Gallen, Thurgau und der Vogelwarte Sempach. Der Gartenrotschwanz ist im Mittelland mittlerweilen sehr selten geworden. Er wird auf der Roten Liste als potenziell gefährdete Brutvogelart eingestuft. Im Projektgebiet (Egnach- Winden, Zihlschlacht-Sitterdorf, Muolen) konnte sich ein kleiner Restbestand halten. Die Vogelwarte Sempach führt dieses Jahr eine Habitatanalyse durch. Der Gartenrotschwanz besiedelt im Untersuchungsgebiet Hochstamm-Obstgärten. Wichtig als Nahrungsgrundlage sind insektenreiche Wiesen in der Nähe der Obstgärten. Neuanlagen von Blumenwiesen sind daher sehr gefragt. Die anwesenden Fachleute sind sich einig und die Besichtigung der Ansaaten hat gezeigt, dass die Böden der Region hervorragend geeignet sind für Blumenwiesenansaaten.


Nina Moser (Fachstelle Natur und Landschaft) und
Daniel Fröhlich (BBZ Arenenberg)







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