Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
26. Juni 2020


Boden - die Lebensgrundlage des Menschen

Ausgabe Nummer 8 (2018)

Böden sind komplexe und über Jahrtausende gewachsene Lebensgemeinschaften, welche die weltweite Nahrungsmittelversorgung sicherstellen. Die weltweite Ackerfläche welche einem Menschen zu Verfügung steht, ist rückläufig. Damit die Weltbevölkerung auch in Zukunft ernährt werden kann, bedarf es dem Schutz vom Boden sowie dem Einsatz verschiedener Massnahmen, mit denen die Bodenfruchtbarkeit erhalten werden kann.

Die weltweite landwirtschaftliche Nutzfläche ist unter Druck.
Würde man zum Beispiel die globale Ackerfläche, welche der Menschheit zurzeit für die Produktion von Ackerkulturen zur Verfügung steht auf die Weltbevölkerung aufteilen, hätte jeder Mensch etwa 2000 Quadratmeter für seine Nahrungsversorgung zur Verfügung. Diese Fläche muss eine Person mit Grundnahrungsmitteln wie Weizen, Kartoffeln, Reis und Mais (letztere sind besonders in Afrika und Asien von grosser Bedeutung) versorgen. Auf diesen 2000 Quadratmetern wachsen aber auch das Futtergetreide, der Silomais und die Eiweisspflanzen für unsere Nutztiere. Zusätzlich brauchen wir noch Fläche für wichtige Öl- (zum Beispiel Sonnenblumen, Raps) und Faserpflanzen (Hanf, Baumwolle), Zuckerpflanzen (bei uns die Zuckerrübe – im Süden das Zuckerrohr), Pflanzen zur Energiegewinnung (Mais und weitere), diverse Medizinal- und Heilpflanzen sowie für verschiede Gemüse.
Die Ansprüche der Menschen an die Nahrungsmittel sind hoch. Wir erwarten erstklassige Produkte, hygienisch einwandfrei, am besten ohne Pflanzenschutzmittel und möglichst gratis. Eine Erwartungshaltung welche in starkem Gegensatz zur aktuellen Situation der 2000 Quadratmeter steht. Denn während die Menschheit jeden Tag um etwa 250 000 Personen wächst (10-mal die Stadt Frauenfeld) werden die 2000 Quadratmeter Ackerfläche für den einzelnen Menschen stets kleiner.
Zunehmender Bedarf an Infrastruktur und Wohnraum eine fortschreitende Wüstenausbreitung, eine Versalzung und Verdichtung durch unsachgemässes Bewirtschaften nagt an den 2000 Quadratmetern Ackerfläche. Auf lange Sicht ist das ein grosses Problem! Denn während Boden sehr schnell verbaut ist, braucht der Aufbau eines funktionsfähigen, leistungsstarken landwirtschaftlich nutzbaren Bodens hunderte, wenn nicht tausende von Jahren. Erst nach dieser langen Zeit der Bodenbildung, bei welcher Ursprungsgestein mittels verschiedener Umwelteinflüsse (Regen, Eis, Wind, Mikroorganismen und Pflanzenwurzeln) zu Boden umgebaut wird, steht ein Ackerboden unseren Nutzpflanzen zur Verfügung. Diese nutzen ihn zur mechanischen Verankerung ihrer Wurzeln, als Nährstoffdepot und Wasserspeicher für ihr Wachstum und bilden so im Zusammenspiel mit Millionen von Mikroorganismen einen stabilen und fruchtbaren Boden. Weil das Klima stark den Bodenbildungsprozess beeinflusst, ist die weltweite Bodenvielfalt sehr hoch. Die Böden in der Schweiz sind im Vergleich mit den weltweiten Ackerböden noch sehr jung. Sie wurden in ihrer Entstehung stark von der letzten Eiszeit beeinflusst, sind etwa 8000 bis 10 000 Jahre alt und je nach Bodentyp zwischen 40 und 150 cm tief.

Ein geöffneter Boden lässt sich grob in drei Bodenhorizonte einteilen. Der C-Horizont, das sogenannte Urgestein oder Muttergestein ist das ursprüngliche Material, aus welchem der obere Boden entstanden ist. Das Urgestein kann aus massiven Gesteinsblöcken, aus Löss, Ton und Sand sowie weiteren Ausgangsmaterialien bestehen. Pflanzenwurzeln können bis zum C-Horizont hinunterwachsen und diesen sogar durchwurzeln. Der C-Horizont dient ihnen dabei vorwiegend als Wasserspeicher. Der auf das Muttergestein folgende B-Horizont wird oft als Unterboden bezeichnet. Im B-Horizont verwittert das Muttergestein, zusätzlich werden im B-Horizont verschiedene Stoffe gespeichert (Huminstoffe, in Sickerwasser gelöste Stoffe) welche aus dem oberen A-Horizont ausgewaschen werden.
Der organische A-Horizont, auch Oberboden genannt, ist reich an zahlreichen Mikroorganismen, Pilzen sowie unzähligen weiteren Lebewesen. Es ist genau dieser Teil des Bodens, welcher von den Kulturpflanzen am stärksten durchwurzelt wird und wo sich die Pflanzen mit wichtigen Nährstoffen eindecken. Für die pflanzenbauliche Nutzung ist dieser Bodenhorizont darum besonders wichtig.
Wird der A-Horizont eines Bodens geschädigt oder zerstört (Erosion, Abtragung und Verbauung), verliert der Boden seine Fruchtbarkeit und kann von unseren Pflanzen schlechter oder schlimmstenfalls nicht mehr genutzt werden. Damit das nicht passiert ist es wichtig den Boden mit verschiedenen Massnahmen zu schützen.
Eine solch angelegte Untersaat und die in der Tabelle erwähnten Massnahmen schützen den Boden und erhalten seine langfristige Fruchtbarkeit. Auf lange Sicht sind wir bei einer wachsenden Bevölkerung und einer abnehmenden Ackerfläche auf fruchtbare Böden angewiesen. Denn nur funktionierende Böden sind Garanten für langfristig hohe und beständige Erträge.


Viktor Dubsky
BBZ Arenenberg










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