Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
14. September 2018


Boden, Pflanzenschnitt im Winter und Pflanzmaterial sind entscheidend

Ausgabe Nummer 5 (2016)

Heidelbeer-Tagung am Strickhof Wülflingen

Ende Januar luden die Fachstellen Obst des Strickhofs, die Fachstelle Spezialkulturen des LZ Liebegg, das BBZ Natur und Ernährung Hohenrain, die Fachstelle Gemüse- und Beerenbau des BBZ Arenenberg und die ökohum GmbH zur Weiterbildungstagung im Heidelbeeranbau.

Hagen Thoss von der Fachstelle Obst, Strickhof, führte durch die äusserst gut besuchte Tagung in Wülflingen. Vincent Michel von Agroscope thematisierte Krankheiten der Heidelbeere und die Situation in der Schweiz. Als die wichtigsten Krankheiten nannte er die Anthraknose (Zweig- und Beerenkrankheit), Godronia- Triebsterben und die Graufäule. Er schilderte den Zyklus der Anthraknose und der Graufäule, die ähnlich verlaufen. Bei beiden Krankheiten ist die Blüte die Haupteintrittspforte für Sporen. Im Frühling sporulieren überwinterte Infektionen. Die Hauptsporulation findet während der Blüte statt. Reife Früchte sporulieren und bilden so Inokulum für neue, überwinternde Infektionen. Im Zyklus des Godronia-Triebsterbens sporulieren befallene Triebe, Blätter und Knospen vom Frühling (Knospenschwellen) bis Herbst (Blattfall), mit einem Maximum während der Blüte. Sporen werden durch Regenspritzer verschleudert und befallen vor allem Triebe an der Blattansatzstelle. Im folgenden Jahr breitet sich der Pilz auf dem Trieb aus (bis zu 10 cm); vor allem im unteren Triebteil. Der Pilz durchwächst die Rinde und das Xylem (Holzteil). Bei starkem Befall kommt es zur Welke oder gar zum Triebabsterben. Befallene Blätter bleiben haften und können sich rot-braun verfärben. Vincent Michel zeigte auf, dass es derzeit gegen die Zweig- und Beerenkrankheit und Graufäule zwei zugelassene Fungizide gibt. Als indirekte Bekämpfungsmassnahme bezeichnete er das Pflanzen wenig anfälliger Sorten sowie das Beachten des Pflanzabstandes (gewährleistet gutes Abtrocknen nach Regen).

«Stammbrand» oder «Zurücksterben»
Dem Schneiden und Entfernen des Schnittholzes kommt grosse Bedeutung zu. Als direkte Bekämpfungsmassnahme empfahl Vincent Michel den optimalen Einsatz der bewilligten Fungizide, die luftunterstützte Applikation mit dem Ausbringen des Produktes auf die Triebe sowie das Verhindern des Einnistens der Krankheiten. Im Sommer 2015 wurde in der Schweiz erstmals das Auftreten von Botryosphaeria dothidea nachgewiesen. Die Krankheit, die durch hohe Temperaturen gefördert wird (Optimum 28 ºC, maximal 35 ºC), ist erkennbar an der bräunlichen Verfärbung des Stammes unter der Rinde. Der «Stammbrand» oder das «Zurücksterben» befällt mehrere hundert Pflanzenarten, vor allem Bäume und Sträucher. Der Befall erfolgt hauptsächlich über Wunden. Jungpflanzen sterben ganz ab, bei älteren Pflanzen ein Teil der Triebe. Zugelassene Fungizide sind wenig wirksam, die Heidelbeersorten «Duke» und «Bluecrop» sind anfällig. Vincent Michel wies auf die hohe Bedeutung der Pflanzmaterialgesundheit hin.
André Ançay von Agroscope thematisierte Anbautechnik und Sorten und stellte unter anderem das System «Frick» vor, das die einfache Unkrautregulierung und Ernte ermöglicht. Dabei erfolgt die Pflanzung in der Kombination von Damm und Graben. Es werden circa 20 bis 30 cm tiefe Gräben gegraben und mit Holzhäckseln befüllt. An der Oberfläche wird mit Rinden- oder Holzhäckseln ein 20 cm hoher Damm erstellt. Um Probleme mit dem Unkraut zu vermeiden, können die Dämme mit einem Bändchengewebe abgedeckt werden.

Ergebnisse aus Sortenversuchen
Beim Schnitt habe es sich erwiesen, dass die schönsten Früchte an einjährigen Fruchtruten sind, die aus zweijährigem Holz hervorgehen. Das Substrat muss belüftet und stabil sein und ein gutes Wasserrückhaltevermögen sicherstellen. André Ançay empfahl die Volleinnetzung gegen die Kirschessigfliege. Er präsentierte aus Sortenversuchen in Conthey einige Ergebnisse zu Referenzsorten. Die Vorteile der Sorte «Duke» zeigten sich in Frühreife und grossen Beeren. Als Nachteile erwiesen sich der mittelstarke Wuchs und mittlere Geschmack. Die Sorte «Nui» punktete mit Frühreife und sehr grossen, festen Beeren, mittelmässigem bis hohem Ertrag und hoher Pflückleistung. Negativ erwies sich die Anfälligkeit auf Anthraknose und dass sie nur unter Tunnel ideal gedeiht. Das Fazit zur Sorte «Draper»: Frühreife Sorte mit gutem Ertrag, festen Früchten und einfach zu ernten. Negativ erwies sich die Anfälligkeit auf Anthraknose und geringe Wuchskraft. Die Sorte «Bluecrop» überzeugte mit Beeren mit fester Schale, gutem Ertrag und Geschmack, negativ bewertet wurden die mittelgrossen Beeren. Die Sorte «Liberty», eine spätreife Sorte, zeigte guten Ertrag und Festigkeit und konzentrierte Fruchtreife. Negativ: «Liberty» erwies sich als frostempfindlich. Die Sorte «Aurora», eine sehr spätreife Sorte, überzeugte mit gutem Ertrag, festen Beeren, guter Lagerfähigkeit und Geschmack, negativ bewertet wurde das Fruchtgewicht.

Dem Schnitt kommt grosse Bedeutung zu
Der Gastreferent Alfred-Peter Entrop, Obstbauversuchsring des Alten Landes e. V., Esteburg, Obstbauzentrum Jork, berichtete aus seiner 20-jährigen Beratungstätigkeit im norddeutschen Heidelbeeranbau. Er wies auf die Bedeutung des Schnitts hin: Es sollte immer kontinuierlich geschnitten werden, kurze schwache Neutriebe müssen entfernt werden. Nur wenige und gut entwickelte Neutriebe sollen zur Straucherneuerung belassen und die Strauchbasis soll schmal gehalten werden. Es sollte jährlich geschnitten und abgetragenes Fruchtholz entfernt werden. Der Schnitt fördert die Beerengrösse, Pflückbarkeit und -leistung. Alfred-Peter Entrop betonte die Anfälligkeit der Heidelbeere auf Staunässe. Er zeigte unter anderem auf, dass die eine, korrekt bemessene Schwefelgabe, gesunde Blätter bewirkt und es ohne Schwefelgabe zu Trockenschäden bei der Heidelbeere kommt. Zur Wasserregulierung ist auch die Beigabe von Mulch empfehlenswert. In Deutschland nehmen seit zwei Jahren die Topfkulturen zu. Und er stelle eine Zunahme der Heidelbeeren in geschütztem Anbau in natürlichen Böden und Substrat fest. Er meinte, dass Bioprodukte auch bei den deutschen Konsumenten sehr gefragt sind. Der ökologische Anbau für Heidelbeeren sei jedoch zu gering, da es den Bioproduzenten nicht möglich sei, ihre Produktion zu Discounterpreisen zu realisieren. Bezüglich neuer Sorten empfahl Alfred-Peter Entrop, zuerst Erfahrungswerte abzuwarten und sich erst dann zu entscheiden.


Isabelle Schwander




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