Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
20. April 2018


Bodenschonende Anbauverfahren auf dem Betrieb Brunnegg - Ergenisse zum Winterweizenanbau 2017

Ausgabe Nummer 40 (2017)

Ziel des Demoversuchs ist es, den ÖLNPfluganbau mit den bodenschonenden ÖLNAnbauverfahren Mulch- und Direktsaat sowie mit einem Bio-Verfahren über eine längere Zeit am gleichen Standort zu vergleichen. Damit die Vorteile der Anbausysteme zum Tragen kommen, werden die Verfahren immer auf der exakt gleichen Fläche beibehalten. Auswirkungen der Anbausysteme auf dem Boden werden sich mit der Zeit zeigen. Der Versuch wird in Zusammenarbeit mit den Betriebsleitern der Gutsbetriebe Brunnegg (ÖLN) und Bernrain (Bio) durchgeführt.

Nach Wintergerste im ersten und Mais im zweiten Anbaujahr wurde im dritten Winterweizen angebaut. In diesem Jahr erwies sich das Direktsaatverfahren als besonders anspruchsvoll und schwierig. Der höchste Ertrag konnte im Pflugverfahren geerntet werden, beim Betriebseinkommen lag das Bio-Verfahren vorne. Resultate von Demoversuchen (ohne Wiederholungen) und von nur einem Standort können aber nicht verallgemeinert werden.

Besonderheiten im Anbau 2016/17
Nach der Vorkultur Körnermais war ursprünglich der Anbau von Zuckerrüben vorgesehen. Aber auf der Versuchsparzelle lief noch ein mehrjähriger Versuch von Agroscope. Bei diesem fahren die schwereren Arbeitsmaschinen immer auf den genau gleichen Spuren (permanente Fahrgassen beziehungsweise «Controlled Traffic Farming»). Daneben gibt es Bereiche, die nie befahren werden. Diese wären bei der Rübenernte aber befahren worden. Deshalb wurde Weizen angebaut, obschon dies nach Mais wegen des Fusarienrisikos nur bedingt empfehlenswert ist.
Im Direktsaatverfahren wurde die Saatmenge um 10 % erhöht. Dennoch konnte kein befriedigender Weizenbestand bewerkstelligt werden. Trotz einem Durchgang mit einem Schlegelmulcher gelang es wegen der hohen Maisstrohmasse nicht, alle Saatkörner regelmässig verteilt abzulegen und mit genügend Erde in Kontakt zu bringen für ein gleichmässiges Keimen und Auflaufen. Zusätzlich reduzierten Schnecken den Bestand. Im Frühling wurde der ungenügende Bestand stehengelassen, weil die vorhandene Masse Maisstroh die Direktsaat von Sommerweizen vermutlich erneut beeinträchtigt hätte. Mit einer zusätzlichen N-Gabe wurde versucht, die Bestockung möglichst zu fördern. Wie aufgrund von Fruchtfolge, Anbauverfahren und Sorte zu erwarten war, traten Ährenfusarien auf. Am meisten in der Direktsaat, weniger in der Mulchsaat und nur vereinzelt im Pfluganbau. Damit zeigte sich einmal mehr, dass Verfahren mit reduzierter Bodenbearbeitung keine Selbstläufer sind. Um Erfolg zu haben, sind die Anbaumassnahmen konsequent auf die vorliegenden Verhältnisse abzustimmen.
Im Bioverfahren wurde die Vorkultur als Silomais geerntet. Deshalb erfolgte die Ernte und die Weizensaat früher als in den ÖLN-Verfahren. Da kein Maisstroh vorlag, wurde auf den Pflugeinsatz verzichtet und die Grundbodenbearbeitung mit dem Grubber gemacht.

Ertrag und Leistung
Neu hat der Betrieb beim Getreide auf den Extensoanbau gewechselt. So wurden am 1. November die ÖLN-Verfahren mit der TOP-Sorte Nara für IP-Suisse- Weizen angesät. Die Bio-Parzelle wurde am 14. Oktober mit den Sorten Wiwa und Pizza angesät.
Der konventionelle Pfluganbau erbrachte mit rund 70 dt je Hektare den mengenmässig höchsten Kornertrag der vier Verfahren. Die Mulchsaat erzielte etwas weniger Ertrag und die Direktsaat deutlich weniger (Gründe siehe Abschnitt «Besonderes»). Das Bio-Verfahren erbrachte mit 40 dt je Hektare den geringsten Ertrag.
Folgende hI-Gewichte in kg/hI wurden erzielt: ÖLN ➝ Pflug: 78,2, Mulchsaat: 77,1, Direktsaat: 76,2 und Bio ➝ 83,0. Die Proteingehalte beliefen sich auf: ÖLN ➝ Pflug: 11,8 %, Mulchsaat: 11,9 %, Direktsaat: 16,5 % und Bio ➝ 10,9 %. Der hohe Gehalt bei Direktsaat ist eine Folge des tieferen hl-Gewichts (mehr kleine Körner mit relativ weniger Stärkeanteil). Wird der Ertrag mit dem jeweiligen Preis (inklusive IPS-Zuschlag) multipliziert, so resultiert die totale Leistung in CHF. Hier schliesst das Bio-Verfahren am besten ab.

Direktkosten
Die Direktkosten setzen sich aus Kosten für Saatgut, Dünger, Pflanzenschutz und übrigen Direktkosten zusammen. Hierbei handelt es sich lediglich um die Betriebsmittelpreise, Maschinen- und Arbeitskosten sind darin nicht enthalten. Die Preise basieren auf Angaben im Preiskatalog von Agridea (Reflex 2016/17).
Die ausgangs Winter gestochenen Nmin-Proben ergaben tiefe Werte zwischen 14 kg N/ha (0 – 60 cm, Bioverfahren) und 22 kg N/ha (0 – 60 cm, Pflugverfahren). In den ÖLN-Verfahren wurden 29 m3/ha Schweinegülle und zusätzlich Stickstoff-Mineraldünger (zum Teil mit Schwefel) eingesetzt. Im Pflug- und Mulchsaatverfahren wurden so pro Hektare 160 kg N gedüngt, bei der Direktsaat 226 kg. Im Bioverfahren wurden 111 kg N/ha mit Rinder- und Schweinegülle ausgebracht. Bei P, K und Mg sind die Nährstoffwerte der Entzüge durch die Kornerträge eingerechnet. Zur Unkrautbekämpfung wurden in den ÖLN-Verfahren 50 g Ally Power, 0,5 I Gondor und 200 g Talis (Herbizid) in einer Behandlung appliziert. In der Direktsaat war das Streuen von Schneckenkörnern nötig. Die übrigen Direktkosten bestehen aus Kosten für die Hagelversicherung, Annahme, Reinigung und Trocknung sowie verschiedene Produzentenbeiträge.

Vergleichbarer Deckungsbeitrag
Werden vom Total der Leistungen die totalen Direktkosten weggezählt, so erhält man den vergleichbaren Deckungsbeitrag (früher: Direktkostenfreier Ertrag – DfE), siehe nebenstehende Tabelle.

Direktzahlungen (DZ)
Bezüglich Versorgungssicherheit und Entgelt für die offene Ackerfläche gibt es keine Unterschiede zwischen den Verfahren. Ebenso lösen alle Verfahren den Produktionssystembeitrag «Extensive Produktion (Extenso)» CHF 400.– aus und das Bio-Verfahren zusätzlich jenen für «Biologischen Landbau» CHF 1200.–. Der Schleppschlaucheinsatz (1-mal ÖLN respektive 2-mal Bio) löst CHF 30.– je Gabe und ha Ressourceneffizienzbeiträge aus. Weil der Weizen nach Mais angebaut wurde, entfallen die Beiträge für Bodenschonung (Mulchsaat 150.–, Direktsaat 250.– je ha) und Herbizidverzicht (Bio- Verfahren).

Lohnarbeiten
Die Lohnarbeit fürs Dreschen kostet CHF 340.– je ha; diejenige der Direktsaat CHF 230.– je ha.

Maschinenkosten
Die Maschinenkosten wurden mit dem Bericht Maschinenkosten 2017 (Agroscope Transfer | Nr. 190/ 2017) berechnet. Die Kosten der Arbeitskraft sind in den Berechnungen nicht enthalten.
Zur Berechnung der Kostenposition «Bodenbearbeitung und Saat» kommt im Verfahren «Pflug» ein Traktor (102–121 PS) sowie ein 4-schariger Pflug zum Einsatz. Bei der Mulchsaat kommt ein Traktor (102 –121 PS) sowie eine Scheibenegge, 3 m, zum Einsatz. Im Bio-Verfahren wird ein 3 m breiter Grubber mit Nachläufer eingesetzt. Die Kosten der Direktsaat erscheinen unter den Lohnarbeiten.
Die Düngung in den ÖLN-Verfahren erfolgt durch 3-maliges (Direktsaat 4-maliges) Düngerstreuen (Traktor 61–73 PS, Schleuderstreuer 500 –1000 I) und 1 Gabe Gülle (Traktor 102–121 PS, 6000-I-Fass mit 12 m Schleppschlauch). Im Bio-Verfahren wurde mit der selben Mechanisierung wie in den ÖLN-Verfahren 2-mal gegüllt. Der Pflanzenschutz besteht in den ÖLN-Verfahren aus 1 Spritzdurchgang (Traktor 61–73 PS, Anbaufeldspritze mit 15 m Balken und 800-I-Fass) und im Bio-Verfahren aus 1 Striegel- Durchgang (Traktor 61–73 PS, Striegel 6 m).

Betriebseinkommen und Arbeitskraftstunden
Das Betriebseinkommen dient zur Deckung von Pachtzinsen, zur Verzinsung des eingesetzten Eigenoder Fremdkapitals sowie zur Entschädigung der eingesetzten Arbeitskräfte. Genannte Kostenpositionen sind betriebsspezifisch und werden deshalb bei vorliegender Berechnung nicht verglichen. Bezüglich der Arbeitskraftstunden wurde ein qualitativer Vergleich vorgenommen. Ausgehend vom ÖLN-Pflugverfahren als Referenz, kann aufgrund der grösseren Flächenleistung der Scheibenegge mit einer Arbeitszeiteinsparung im Mulchsaatverfahren gerechnet werden. Die Arbeitszeiteinsparung kann im Direktsaatverfahren aufgrund der fehlenden vorgängigen Bodenbearbeitung nochmals erhöht werden. Demgegenüber ist im Bio-Verfahren aufgrund des Herbizidverzichts mit einem grösseren Arbeitsaufwand (Handjäten zum Beispiel für Blacken) als in den ÖLN-Verfahren zu rechnen.

Schluss und Ausblick
Die vorgestellten Resultate beziehen sich auf den Anbau 2016/17 an einem Standort. Sie können vom Einzelbetrieb abweichen und sind deshalb gegebenenfalls anzupassen. Insbesondere kann es Abweichungen bei Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sowie den Maschinenkosten geben. Im Anschluss an die Stoppelbearbeitung wurden verschiedene abfrierende Gründüngungen gesät. 2018 ist der Anbau von Zuckerrüben vorgesehen.
Haben Sie Fragen oder Anregungen zum Artikel? Dann zögern Sie nicht und kontaktieren Sie die Autoren.


Gregor Affolter, Hermann Brenner, Daniel Fröhlich
BBZ Arenenberg










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