Ausgabe Nummer 42 (2003)

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Botschafterin mit Profi-Hintergrund

Interview mit Apfelkönigin 2003 Tanja Schönholzer aus Bleiken
 

Botschafterin mit Profi-Hintergrund

 
Ende August wurde Tanja Schönholzer zur Thurgauer Apfelkönigin 2003 gewählt. Die junge Landwirtin aus Bleiken erzählt von ihren ersten Erfahrungen in diesem königlichen Amt und davon, wie wichtig ihr die Thurgauer Äpfel sind.
 

Ein sicheres Gespür für Äpfel: Apfelkönigin Tanja Schönholzer aus Bleiken bei Sulgen

 
Thurgauer Bauer: Befehlen Sie gerne?
Apfelkönigin Tanja Schönholzer: Ja, manchmal schon. Besonders, wenn etwas laufen soll. Dann sage ich den Leuten schon, was sie zu tun haben. Als Königin muss ich halt ab und zu befehlen (lacht). Aber im Grunde ist es wohl ein Klischee, dass eine Königin nur befehlt und sich bedienen lässt.

TB: Wie fühlen Sie sich in Ihrer Rolle als Apfelkönigin?
Tanja Schönholzer: Ich fühle mich gut. Es ist natürlich schon anders als vor der Wahl. Man kennt mich fast überall. Ich habe zwar viele Verpflichtungen, aber ich kann davon auch profitieren.

TB: Wie haben Ihre Familie und der Freundeskreis auf die Wahl reagiert?
Tanja Schönholzer: Die Reaktionen waren durchwegs positiv. Die Familie ist natürlich stolz und hat sich sehr gefreut. Die Nachbarschaft, das ganze Dorf zeigte ihre Freude.

TB: Gab es gar keine negativen Reaktionen?
Tanja Schönholzer: Mir gegenüber hat sich nie jemand negativ geäussert. Nach der Wahl wurde ja bekanntlich bemängelt, die Wahl sei zu wenig transparent, zudem wurden Zusammenhänge mit der Nationalratskandidatur meiner Mutter vermutet. Da sind offenbar schon Gerüchte in Umlauf gesetzt worden. Ich hab diese nur im Hintergrund gehört. Doch es gibt überhaupt keinen Zusammenhang. Ich habe mich ja nicht einmal selbst zur Apfelköniginnen-Wahl angemeldet, und habe überhaupt nicht mit diesem Titel gerechnet. Es wird halt rasch etwas herumerzählt ...

TB: Als Königin haben Sie viele Verpflichtungen. Wie sehen diese aus?
Tanja Schönholzer: Vielfach sind dies Auftritte für die Sponsoren, die mich unterstützen. Oder da gibt es Anlässe in Hotels, an der OLMA oder in einem Altersheim. Dann werbe ich für die Thurgauer Äpfel. Zudem bin ich dann auch Anziehungspunkt fürs Publikum, für Kinder beispielsweise.

TB: Sind Ihnen die vielen Termine nicht lästig?
Tanja Schönholzer: Nein, ich mache das gerne. Ich lerne viele Leute kennen, und der Kontakt mit den Menschen liegt mir sehr. Die Leute begegnen mir als Apfelkönigin mit einer positiven Grundhaltung. Die Begegnungen bereichern mich. Klar ist es streng, alles unter einem Hut zu bringen, aber man bekommt auch viel dafür.

TB: Werden Sie dabei reich?
Tanja Schönholzer: (lacht) Wenn ich den Job vollamtlich machen würde, dann vielleicht schon. Ich habe im Durchschnitt einen Auftritt pro Woche, dafür werde ich entschädigt. Aber reich werde ich sicher nicht.

TB: Was war für Sie bisher das schönste Erlebnis?
Tanja Schönholzer: Das war an der WEGA, im Zelt von Aach-Thurland. Da war auch die Gemeinde Sulgen dabei. Ich habe Äpfel verteilt und Interviews gegeben. Viele Leute haben mich bereits gekannt. Da bin ich wirklich königlich behandelt worden ...

TB: Welches war das mühsamste Erlebnis?
Tanja Schönholzer: Ich kann nicht sagen, dass bisher etwas mühsam war. Klar, wenn ich acht Stunden im Einkaufszentrum Äpfel verteile, dann strengt das schon an, aber mühsam war auch das nicht.

TB: Was bedeuten Äpfel für Sie?
Tanja Schönholzer: Äpfel sind mir sehr wichtig. Auf dem Betrieb der Eltern ist Obst ein wichtiger Produktionsfaktor. Äpfel sind wichtig in der Ernährung. Zudem ist der Apfel die Frucht des Kantons Thurgau.

TB: Sie selbst essen gerne Äpfel?
Tanja Schönholzer: Ja, sehr. Ich esse sicher drei bis vier Stück am Tag, immer in den Pausen. Ich bin damit aufgewachsen. Ich trinke auch viel Most. Bei uns gibts nur Most.

TB: Welche Sorten haben Sie am liebsten?
Tanja Schönholzer: Jonagold und Gala.

Und welche Apfelgerichte haben Sie gerne?
Tanja Schönholzer: Ich mag Apfel-Tiramisù oder Apfelküchlein ganz gerne. Manchmal koche ich selber, beispielsweise, wenn ich Ferien habe.

TB: Sie sind Landwirtin und machen nun die Berufsmittelschule. Wollen Sie später studieren?
Tanja Schönholzer: Ja, wenn alles gut läuft und ich die Schule abschliessen kann, möchte ich anschliessend schon nach Zollikofen.

TB: ... und dies im Hinblick auf eine spätere Hofübernahme?
Tanja Schönholzer: Wahrscheinlich wird mein Bruder den Betrieb der Eltern einmal übernehmen. Ich möchte aber gerne in der Landwirtschaft bleiben. Aber was ich machen werde, weiss ich noch nicht genau. Mal sehen, was die Zukunft bringt.

TB: Die Landwirtschaft steht vor grossen Herausforderungen. Was meinen Sie, in welche Richtung entwickelt sich die Thurgauer Landwirtschaft?
Tanja Schönholzer: Wenn wir über den Betrieb diskutieren, zeigt sich bald, dass vieles von den Kosten abhängt. Wir müssen genau analysieren, welcher Betriebszweig funktioniert und rentiert. Und wenn etwas sich nicht auszahlt, muss man halt rigoros sein und damit aufhören. Es geht nicht mehr, für Jahrzehnte zu denken, sondern man muss dauernd nach dem besten schauen. Wenn man schläft, bleibt man stehen.

TB: Sie sind nun seit zwei Monaten Apfelkönigin. Was werden Sie in knapp einem Jahr machen, wenn Sie ihre Krone an eine Nachfolgerin weitergeben müssen?
Tanja Schönholzer: Dann will ich ins Ausland, um dort zu arbeiten und Englisch zu lernen, am liebsten nach Kanada. Zudem möchte ich gerne noch mein Französisch verbessern. Vielleicht gehe ich auch ins Welschland. Mir ist es wichtig, noch anderorts Erfahrungen zu sammeln, dies muss aber nicht auf einem Obstbaubetrieb sein. (hil)
 
 
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