Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
15. Juni 2018


Botulismus bei Familie Stettler: "Wir lernen damit umzugehen"

Ausgabe Nummer 25 (2016)

In der Nacht vom 11. auf den 12. April verendeten zahlreiche Tiere auf dem Hof von Familie Stettler in Frauenfeld. In den weiteren Tagen und Wochen starben insgesamt 65 Kühe an Botulismus. Anfang Mai mussten noch letzte Tiere eingeschläfert werden. Die Situation hat sich inzwischen stabilisiert, die Familie erholt sich langsam vom grossen Schock.

Daniel Thür: Fritz Stettler, Sie und Ihre Familie haben turbulente Wochen hinter sich. Wie geht es Ihnen und Ihrer Familie heute?
Fritz Stettler: «Viel besser. Es war anfänglich ein Hoffen und Bangen, ob wir wieder ein Tier einschläfern müssen oder nicht. Es war ein Schock als wir erfuhren, dass es sich um Botulismus handelte. Erst waren wir verzweifelt, weil wir keine Ahnung hatten, was noch auf uns zukommt. Wir fürchteten um unsere Existenz, aber als uns drei Tage später ein Nachbar eine Kuh schenkte wusste ich, dass es wieder aufwärts geht. Wir haben wieder Tiere angeschafft, wurden auch immer wieder mit solchen beschenkt, teilweise gab es auch finanzielle Zustupfe; wir müssen und dürfen lernen damit umzugehen, dass wir einfach so und ohne Gegenleistung von teils fremden Menschen Geschenke erhalten».

Wie hat die Öffentlichkeit reagiert?
«Viele haben an unserem Schicksal Anteil genommen. Es gab Menschen, die für uns gebetet haben, wir durften zahlreiche aufmunternde Telefonanrufe und Karten entgegen nehmen, diese Solidarität hat uns sehr berührt, dafür möchten wir uns von Herzen bedanken».

Es wurden Futterproben an ein deutsches Labor gesandt, was haben die Untersuchungen gezeigt?
«Wir wollten wissen, ob Botulismus im Futter nachgewiesen werden kann. Es wurden eine Mischrationsprobe und eine Grassilageprobe untersucht. Das Resultat, dass es keine Nachweise auf Botulismus gibt, erstaunte uns nicht sehr. So wussten wir, dass es ein tragischer Einzelfall war und die Katastrophe beispielsweise durch ein totes Tier in der Grassilage des Fahrsilos ausgelöst wurde».

Sie habe Gesuche für finanzielle Entschädigung gestellt. Was ist dabei herausgekommen?
«Das Gesuch an den SBV, Stiftung für Selbst-, Sozialund Nothilfe, wurde abgelehnt. Das zweite Gesuch ging ans kantonale Veterinäramt und ist noch hängig. Der finanzielle Schaden, den wir tragen müssen, beläuft sich auf rund eine Viertelmillion Franken».

Was haben Sie aus dem tragischen Fall mitgenommen?
«Gelernt haben wir viel, unter anderem, dass man Tiere gegen Botulismus impfen kann Das wussten wir vorher nicht. Es war das Erste, das wir nachher machten. Für uns fast ebenso wichtig war, aus der anfänglichen Angst um die Existenz zu lernen, dass es doch weiter geht. Wir hatten so viele positive Kontakte und können das Geschehene so auch besser verarbeiten».


Daniel Thür







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