Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Botulismus tötet über 200 Schafe

Ausgabe Nummer 25 (2016)

Seit letzter Woche sind auf dem Betrieb von Urs und Claudia Maier in Uesslingen über 200 Schafe an Botulismus erkrankt und verendet – ein verheerender und unfassbarer Schlag für den grössten Schweizer Milchschafbetrieb mit rund 700 Schafen. Nachdem im April auf einem Hof in Gachnang über 60 Kühe an Botulismus gestorben sind, ist dies innert kurzer Zeit bereits der zweite Fall im Kanton Thurgau.

Seine Augen sind gerötet, sein Blick schweift unruhig hin und her. Man sieht Urs Maier an, dass er die letzten Nächte kaum geschlafen hat. Immer wieder ringt er um seine Fassung, versucht zu verstehen, was vor rund einer Woche auf seinem Hof passiert ist. «Erst waren es drei Schafe, die starben», erzählt er über den schicksalshaften Tag. «Weil die Todesursache zu Beginn unklar war und eine Seuche nicht ausgeschlossen werden konnte, informierten wir sofort das Veterinäramt des Kantons Thurgau und das Tierspital der Universität Zürich». Eine Seuche war es jedoch eindeutig nicht, weshalb der schlimme Verdacht Botulismus nahe lag. «Ich hatte da noch keine Vorstellung, was auf uns zukommen würde», so Maier.

Ein bedauernswerter Zufall
Damit ist innerhalb weniger Wochen bereits der zweite landwirtschaftliche Betrieb im Kanton Thurgau von Botulismus betroffen. Im April verendeten auf einem Hof in Gachnang über 60 Kühe. Kantonstierarzt Paul Witzig mag dennoch nicht von einer Häufung sprechen: «Es ist ein bedauernswerter Zufall, welcher die Tierhalter aber wachrütteln sollte, ihre Tiere dagegen impfen zu lassen». Trotz grösster Sorgfalt bei der Futtergewinnung könne dies leider vorkommen und bei den heutigen Betriebsgrössen und der damit verbundenen Technisierung auch derartige Ausmasse annehmen. Laut dem Veterinäramt des Kantons Thurgau kann man im betroffenen Fall von einem Vorzeigebetrieb sprechen, der hochprofessionell geführt wird.

Ab sofort impfen
Für Urs Maier ist dennoch eine Welt zusammengebrochen. Auf die Frage, wie es ihm heute gehe, erwidert er unumwunden: «Mir geht es schlecht. Ich arbeite jeden Tag mit den Tieren zusammen und muss plötzlich hilflos zusehen, wie sie eins nach dem anderen wegsterben». Er kämpft gegen die Tränen, hätte gern eine Erklärung für all das, was in den letzten Tagen passiert ist. Für Maier ist klar: «Wir werden ab sofort alle Tiere impfen». Eine Impfdosis kostet laut Kantonstierarzt Paul Witzig je nach Bestellmenge zwischen zwei und sechs Franken. Der Impfstoff entwickelt seine volle Schutzkraft nach sieben Wochen, die Tiere müssen jährlich geimpft werden.

Einziger Plan ist weitermachen
Die Schafe sind Urs Maiers Leben. Seit über 20 Jahren widmet er sich seinen Tieren jeden Tag mit viel Hingabe. So mag er sich noch gar nicht mit dem finanziellen Schaden auseinandersetzen. Da Botulismus keine Seuche ist, trägt die öffentliche Hand gemäss heutiger Gesetzgebung nichts zum finanziellen Schaden bei. «Wir werden auf jeden Fall weitermachen », gibt sich Maier kämpferisch. «Einen anderen Plan gibt es nicht. Meine Familie und ich sind gesund, meine Frau steht voll und ganz hinter mir und unterstützt mich, wo sie nur kann. Und das zählt jetzt».


Daniel Thür/pd













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