Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
5. Oktober 2018


Bovine Virus-Diarrhoe (BVD): stabile Situation trotz einzelnen Ausbrüchen

Ausgabe Nummer 36 (2017)

Heute sind über 99 Prozent der Rinderhaltungen in der Schweiz frei von Bovine Virus-Diarrhoe (BVD). Die vollständige Ausrottung der BVD ist zwar noch nicht erreicht, aber der jährliche Nutzen des Ausrottungsprogramms übersteigt die Kosten für die Bekämpfung und Überwachung dieser Tierseuche. Dies hat eine kürzlich veröffentliche Studie ergeben. Eine gute Gelegenheit für eine Bestandsaufnahme in der Schweiz.

Aufgrund des Tierverkehrs und der Tatsache, dass die Rinderpopulation fast vollständig BVD-frei und somit empfänglich ist, kann sich das BVD-Virus jederzeit rasch wieder verbreiten. Aus diesem Grund kommt es immer noch zu regionalen Ausbrüchen, die nur mit intensiven Anstrengungen der Veterinärämter und den nötigen Bekämpfungsmassnahmen eingedämmt werden können.

Das BVD-Ausrottungsprogramm zahlt sich aus
Vor kurzem wurden die Ergebnisse einer von der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern im Auftrag des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) durchgeführten Studie über den Nutzen des BVD-Ausrottungsprogramms veröffentlicht: Sie zeigen, dass sich das Programm aus wirtschaftlicher Sicht für die Rinderhaltung in der Schweiz lohnt. Gemäss einer Kosten-Nutzen-Analyse betrugen die BVD-bedingten finanziellen Verluste für den Milchsektor vor Beginn des BVD-Ausrottungsprogramms jährlich zwischen 85 und 89 Franken pro Kuh. Der finanzielle Schaden, den die BVD im Milchsektor jährlich verursachte, belief sich auf 9,5 Millionen Franken. Für die Analyse wurde der Zeitraum von 2008 (Beginn des BVD-Ausrottungsprogramms) bis 2021 berücksichtigt, und die Kosten des Ausrottungsprogramms wurden den BVD-bedingten finanziellen Verlusten gegenübergestellt. Dies ergibt einen Kapitalwert für den Milchsektor bis 2021 von rund 45 Millionen Franken. Die Gewinnschwelle wurde 2015 erreicht. Die BVD ist zwar noch nicht ganz ausgerottet, aber der Nutzen, der jährlich dank des Ausrottungsprogramms erzielt wird, übersteigt die Kosten für die Bekämpfung und Überwachung dieser Tierseuche.

Verstärkung der Überwachung
In den meisten Kantonen ist die BVD-Situation stabil. Doch auf Grund der noch immer vereinzelt vorkommenden Ausbrüche, hat der Veterinärdienst Schweiz beschlossen, die BVD-Überwachung zu intensivieren und im Herbst von allen milchliefernden Betrieben die Tankmilch erneut auf BVD untersuchen zu lassen. Damit soll sichergestellt werden, dass es in den Betrieben keine unentdeckten BVD-Infektionen gibt.

Erhöhte Wachsamkeit ist von zentraler Bedeutung
Es gestaltet sich schwierig, die letzten BVD-Fälle aus der Rinderpopulation der Schweiz zu verbannen. Die Erfahrung zeigt, dass jedem BVD-Verdacht rasch und konsequent nachgegangen werden muss, damit allfällige BVD-Infektionen frühzeitig erkannt und Massnahmen ergriffen werden können. Eine erhöhte Wachsamkeit der Tierhalterinnen und Tierhalter sowie der Tierärztinnen und Tierärzte ist somit in der Endphase der BVD-Ausrottung von zentraler Bedeutung. Die von der BVD betroffenen Betriebe spüren die Auswirkungen der Infektion oft noch Monate, nachdem das letzte PI-Tier geschlachtet worden ist: Tiere, die während der Trächtigkeit mit dem Virus in Kontakt kamen, können weitere PI-Tiere zur Welt bringen. Es ist daher besonders wichtig, dass in diesen Betrieben Sperren und strikte Hygienemassnahmen eingehalten werden. Nur so kann die Infektionskette möglichst rasch unterbrochen und sichergestellt werden, dass die Betriebe wieder BVDfrei sind.
Detaillierte Informationen zur wirtschaftlichen Bewertung des Programms können angefordert werden bei: Prof. Dr. Gertraud Schüpbach, Veterinary Public Health-Institut, Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern, gertraud.schuepbach@vetsuisse.unibe.ch.


Verantwortliches Departement:
Eidgenössisches Departement des Innern EDI

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