Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. Juli 2018


Branchenverband Deutschschweizer Wein tagte

Ausgabe Nummer 12 (2015)

Tag der offenen Weinkeller unter nationalem Dach

An der Delegiertenversammlung des Branchenverbandes Deutschschweizer Wein (BDW) wurde über das neue Konzept für den Tag der offenen Kellertüren informiert. Zugleich sorgte die vorgesehene Trennung von Herbstdelegiertenversammlung und Herbstversammlung für Diskussionen.

«Wenn die Wurzeln tief sind, braucht man den Wind nicht zu fürchten», hielt Kaspar Wetli vor den Delegierten des Branchenverbandes Deutschweizer Wein in Wülflingen fest. Dabei fiel die Weinlese landesweit deutlich besser als im Vorjahr aus. «Der sonnig trockene Herbst wurde leider durch das erstmalig flächendeckende Auftreten der Kirschessigfliege getrübt », so Wetli. Dies hob auch die Politik auf den Plan. Mit der Motion Pezzatti soll nun die Forschung rund um die Kirschessigfliege mit zusätzlichen Mitteln gestärkt werden.
«2014 wurde erstmals im Fernsehen für Schweizer Wein geworben. Für den kommenden 1. Mai soll erneut mit Werbespots über die Bildschirme auf diesen Anlass aufmerksam gemacht werden», hielt Wetli weiter fest.
In den letzten Wochen öffnete sich mit einer möglichen Neuausrichtung des Weinbauzentrums Wädenswil eine neue Baustelle für den BDW. «Im Moment ist nicht bekannt, in welche Richtung sich die Partnerin Agroscope Wädenswil entwickelt», so Wetli etwas besorgt. Er versicherte, dass der BDW alles daran setzen wird, dass der Standort Wädenswil weiterhin ein Weinbauzentrum bleiben muss. «Damit ist auch eine Bündelung der Tätigkeiten zugunsten der Forschung und Bildung in der deutschsprachigen Schweizer Weinszene verbunden», so Wetli abschliessend.
In diesem Jahr findet der 1. Mai als Tag der offenen Kellertüren erstmals landesweit statt. Andreas Keller informierte dabei über die verschiedenen Neuerungen und Anpassungen. Als wichtigste Neuerung wird nicht nur der 1. Mai, sondern auch das anschliessende Wochenende beworben. Damit wird man jenen Kantonen gerecht, welch den arbeitsfreien 1. Mai nicht kennen. Grundsätzlich ändert sich aber für die bereits über 200 angemeldeten Deutschschweizer Teilnehmer nichts. «Wir suchen aber noch einige Betriebe, um diesen Anlass kostendeckend durchzuführen», hielt Keller fest.
An den BDW liefern die Verbandskantone entsprechend ihrer Rebflächen 200 Franken je Hektare ab. Von diesen 525 740 Franken leitete der Verband 214 000 Franken für die nationale Weinwerbung (Swisswine Promotion SMP) weiter. Für den nationalen Winzerverband werden weitere 44 480 Franken fällig und für Vitiswiss sind 16 000 Franken ausbezahlt worden. Mit Blick auf die regionale Absatzförderung flossen dem Verband aus Kreisen der Teilnehmer 143 000 und vom SWP als Rückvergütungen 25 690 Franken zu. Anderseits setzte der Verband 164 000 Franken für Events und weitere 60 000 Franken regional ausgerichtete Absatzförderungsmassnahmen ein. Für die Berufsbildung sind weitere 23 235 Franken geflossen. Der Kanton Thurgau hält vorerst noch seinen Beitrag an die SWP zurück, bis die offenen Fragen durch die zuständigen Kreise beantwortet sind. «Fallen diese für uns verständlich aus, so werden die Gelder freigegeben», versicherte der Thurgauer Branchenpräsident Othmar Lampert. Gesamthaft schloss die Rechnung bei einem Ertrag von 694 000 mit einem Aufwandüberschuss von 2000 Franken ab.

Forschung als KEF-Plattform
Bis anhin lud der BDW jeweils am ersten Mittwoch im November zur Delegierten- und anschliessend zur traditionellen Herbstversammlung auf die Weinschiffe nach Zürich ein. Dazu an diesem Morgen auch einleitend der Vorstand tagte, stand das morgendliche Programm unter Zeitdruck. Um dies zu entflechten, schlug der Vorstand vor, die Delegiertenversammlung zu verlegen und sie im Anschluss an die zweitägige Wintersitzung durchzuführen. Diesem Ansinnen konnten die Delegierten aber nicht folgen. In einer Konsultativabstimmung plädierten sie für das bisherige Programm. «Wir werden aufgrund dieses Wunsches über die Bücher gehen und allenfalls aus zeitlichen Gründen die Vorstandssitzung zugunsten der Delegierten- wie auch Herbstversammlung streichen», kündigte Wetli nach diesem Entscheid an.
«Bei der Problematik rund um die Kirschessigfliege haben wie verschiedenste Akteure, welche sich alle mit demselben Problem beschäftigen», rief Wetli in Erinnerung. Um die Kräfte zu bündeln und Synergien zu nutzen, sollen die Querverbindungen zum Beeren-, Früchte- und Steinobstanbau geschaffen werden, um alle Interessen unter einen Hut zu bringen. «Wir haben bereits bei der Agroscope das Ziel, eine Strategie für 2015 aufzugleisen», versicherte der Zürcher Rebbaukommissär Andreas Wirth. Im Unterschied zum Vorjahr soll erwirkt werden, dass bereits die Eiablage genügt, um einen Befall nachzuweisen. Es gibt aber immer noch einige offenen Fragen, auf welche Antworten erwartet, respektive gefunden werden müssen. Wirth nannte dabei den Einsatz von Kalk und Tonerdepräparaten. «Wir müssen praktikable Lösungen finden. Dabei wäre ein breiter und bewährter Strauss an Massnahmen wünschenswert », so Wirth abschliessend.
In der Diskussion sorgten die neuen Vorgaben für den ökologischen Leistungsnachweis (ÖLN) im Weinbau für Diskussionen. Ein Delegierter aus dem Kanton Schaffhausen bemängelte, dass es viele Unklarheiten in den Definitionen gibt und die Rebbauern nicht genau wissen, wie sie diese Vorgaben interpretieren oder auslegen müssen. Aufgrund der Diskussionen zeigte sich, dass nun auch die Branche aktiv wird, um für die offenen Punkte eine Lösung zu bewirken.


Roland Müller







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