Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Breites Themenspektrum an der Präsidentenkonferenz

Ausgabe Nummer 48 (2016)

Rund 30 Personen liessen sich von verschiedenen Rednern über Aktuelles aus der Landwirtschaft informieren. Anschliessend berichteten Kommissionspräsidenten über ihre Arbeit und erhielten interessante Informationen von ihren Kollegen.

Nach der Begrüssung durch VTL-Präsident Markus Hausammann berichtete Ueli Bleiker, Chef des kantonalen Landwirtschaftsamtes, über Aktuelles. Er zeigte beispielsweise den weltweiten Nahrungsindex und informierte, dass die Milch- und Zuckerpreise am Weltmarkt zwar steigen, dies jedoch bei den Preisen auf dem Schweizer-Markt nicht zu erkennen sei. Betreffend Agrarpolitik zeigte Bleiker auf, dass dieses Jahr 109 Millionen Franken Direktzahlungen an die Thurgauer Bauern ausbezahlt werden. 2013 betrug die Summe noch 121 Millionen. Gegenüber 2015 ist es gar eine leichte Zunahme, was auf die Landschaftsqualitätsprojekte zurückzuführen ist. Im 2016 wurden im Kanton Thurgau mit den 4 Landschaftsqualitätsprojekten flächendeckend LQ-Beiträge von insgesamt 5,730 Mio Franken ausbezahlt. Der Budgetplafond von Bund und Kanton zusammen beträgt insgesamt 6,6 Mio Franken, noch weitere 200 Betriebe können sich anmelden bis zur Budgetplafonderreichung. Weitere Zunahmen sind bei den Produktionssytembeiträgen bei Bio festzustellen. Eine Änderung wird es nächstes Jahr bei den Versorgungssicherheitsbeiträgen geben: «Die Basisbeiträge werden um 40 Franken pro Hektare auf 860 Franken sinken», so Bleiker. Bei Dauergrünflächen beträgt die Reduktion 20 Franken pro Hektare auf 430 Franken. 2017 werden ebenfalls die Hangbeiträge für Talbetriebe sowie Steillagenbeiträge eingeführt.

Unsicherheit Pflanzenschutzmittel
Ebenfalls kam er auf ein mögliches Ressourcenprojekt im Bereich des nachhaltigen Obstbaus zu sprechen. Der Schweizer Konsument wünscht sich naturnah produzierte Nahrungsmittel. Die verschiedenen Medienberichte zu Pflanzenschutzmitteln und deren Auswirkung auf die Oberflächengewässer haben die Konsumenten in diesem Bereich verunsichert. Dazu kommt der Aktionsplan Pflanzenschutzmittel des Bundes mit dem Ziel, das Risiko durch Pflanzenschutzmittel um 50 % zu reduzieren. In dieser Situation sei es wichtig, zu agieren und nicht nur zu reagieren. Mit einer aktiven Mitgestaltung und Mitwirkung der Thurgauer Obstbauern können praxisrelevante und standortspezifische Punkte beim Bund eingebracht werden. Aus landwirtschaftlicher Sicht steht die gute landwirtschaftliche Praxis im Mittelpunkt, eine weitere Förderung nachhaltiger und biotechnischer Massnahmen. Im Bezug zu einer praxisnahen Forschung werden Daten und Fakten erarbeitet, welche für die Information der Konsumenten verwendet werden können. «Keine Kommunikation der Branche sei die schlechteste Alternative», so Bleiker. «Presseartikel zu Kaolin bei der Kirschessigfliege oder der Verwirrungstechnik sind gute Beispiele, welche der Konsument positiv aufnimmt und so die kontinuierliche Entwicklung der Obstbranche zu einer nachhaltigen Produktion aufgezeigt werden kann».

Den Arenenberg verstehen
Martin Huber, Direktor BBZ Arenenberg, gab einen Überblick zu aktuellen Themen auf dem Arenenberg. So habe man letztes Jahr 192 Berufsfachschüler betreut, wobei rund 1/3 Zweitausbilder waren. Dieses Jahr seien es sogar noch drei Schüler mehr. Auch der Beratungsdienst lag mit 727 Einzelberatungen 2015 nur ganz wenig unter der Zahl von 2014, dies trotz abnehmender Anzahl Landwirte.
Weiter erklärte Huber, dass die Zusammenarbeit mit der Forschungsanstalt Agroscope Tänikon ein Gewinn für den Arenenberg sei. Dadurch könne man Bildung, Beratung und Forschung miteinander verbinden und erhalte Zugang zur nationalen Bühne. Beide Betriebe seien für den Thurgau unerlässlich: «Tänikon wird als Forschungsanlage, das BBZ als Schul- und Demonstrationsbetrieb gebraucht». In Zukunft werde man überdies auch gezielte Allianzen mit privaten Partnern eingehen, dies jedoch mit klaren Regeln und Vereinbarungen.

Unternehmersteuerreform III
Gottfried Thomi, Agro Treuhand Thurgau AG, Weinfelden, informierte kurz über diverse Steuerthemen: Die Unternehmersteuerreform III (USTR III), über welche am 17. Februar 2017 abgestimmt wird, tangiert im Grunde die Landwirtschaft nicht. Gemäss Steuerstatistik der Steuerverwaltung könnte nur ca. 1 % der Landwirtschaftsbetriebe im Thurgau indirekt profitieren, sofern diese in Form einer juristischen Person bewirtschaftet würden. Eine entsprechende Geschäftsumwandlung zieht aber auch etliche Nachteile mit sich.
Bei den Photovoltaikanlagen (PV) hat sich die Vollzugspraxis dahingehend erhärtet, dass PV-Anlagen auf Gebäuden im Geschäftsvermögen auch Geschäftsvermögen darstellt.
In den weiteren Ausführungen zeigte Thomi auf, dass beim Erlass von Geschäftsschulden Praxisverschärfungen zu erwarten sind. Kurzfristige Steueroptimierungen, vor allem auch im Zusammenhang mit der Liquidationsgewinnbesteuerung, könnten auch als Steuerumgehung klassifiziert werden.

Unbürokratische Hilfe
Jürg Fatzer, Geschäftsführer VTL, sprach über den Betriebshelferdienst, der eine unbürokratische Hilfe sei und vom Verband Thurgauer Landwirtschaft, den Thurgauer Milchproduzenten sowie dem kantonalen Landwirtschaftsamt getragen werde. «Wir haben die Thematik diskutiert und sind soweit, dass wir voraussichtlich ab nächstem Jahr zusammen mit dem Maschinenring MBR Thurgau einen für alle erschwinglichen Dienst anbieten können», erklärte Fatzer. Die Vergütungsansätze liegen bei Krankheit und Unfall bei 50 Franken pro Tag und 25 Franken pro Halbtag. Bei Ferien oder Militärdienst, also einem planbaren Ereignis, sind die Kosten bei 30 Franken pro Tag oder 15 Franken pro Halbtag angesetzt. Fondsberechtigt seien Mitglieder des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft VTL, der Thurgauer Milchproduzenten TMP sowie Vereinigten Milchbauern Mitte-Ost VMMO welche im Kanton Thurgau wohnen.

Forderungen Wasserbaugesetz
Markus Hausammann, Präsident VTL, thematisierte die Revision des Wasserbaugesetzes. Beispiele zeigen, dass Gewässerprojekte, welche von unten nach oben (bottom up) entstehen, in der Regel zu guten Lösungen führen. Gestützt auf diese Erkenntnis erarbeitete man folgende Forderungen an die Revision des Wasserbaugesetzes: Frühzeitiger Miteinbezug und Mitwirkung der Grundeigentümerverbände (VTL/HEV), persönliche Information der Betroffenen sowie Beteiligungsmöglichkeit am Verfahren, Minimierung des Kulturlandverbrauchs und Priorisierung des Unterhalts bestehender Gewässer vor der Renaturierung neuer Gewässerabschnitte. «Ebenfalls verlangen wir, dass die Kosten für die Unterhaltsarbeiten eingedolter Bäche nicht auf die Eigentümer oder Anstösser abgewälzt werden. Dasselbe gilt auch bei einer allfälligen Offenlegung von Bächen», so Hausammann. Logisch sei auch, dass nicht zu verhindernde Nutzungseinschränkungen zu entschädigen seien. Er stellte fest, dass der VTL frühzeitig über Planungsverfahren in den Gemeinden informiert werden muss, soll er seine Unterstützung wirksam anbieten können.

Junglandwirtekommission stellt sich vor
Seit 2006 gibt es die Fachkommission Junglandwirte des SBV, welcher 14 Junglandwirte aus der ganzen Schweiz angehören. Seit ein paar Jahren wird der Ausbau regionaler Junglandwirtekommissionen vorangetrieben, und so gibt es seit letztem Jahr auch eine Thurgauer Junglandwirtekommission. Mitglied Josias Meili, der auch Mitglied der JULA-Kommission des SBV ist, sprach dabei von der Wichtigkeit, die Thurgauer Junglandwirte zu vernetzen und organisieren. «Dass dies ein Bedürfnis ist, zeigte sich bereits beim ersten Jula-Forum vom letzten Jahr», so Meili. «Es drängten sich rund 140 Interessierte an die Veranstaltung. Und auch dieses Jahr durften wir rund 100 Personen am Forum begrüssen». Den Abschluss der Tagung machten dann die Teilnehmer selbst, indem sie über Neuigkeiten ihrer Kommissionen berichteten.


Daniel Thür







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