Ausgabe Nummer 39 (2003)

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Cancún-Bericht aus erster Hand

Wahlveranstaltung mit Hansjörg Walter zu den WTO-Verhandlungen
 

Cancún-Bericht aus erster Hand

 
An einer gut besuchten Wahlveranstaltung Mitte letzter Woche in Stettfurt äusserten sich Politiker und Fachleute zu den gescheiterten WTO-Verhandlungen in Cancún und zur Agrarpolitik im Allgemeinen.
 

Sprachen sich für eine intakte Landwirtschaft aus (von links nach rechts): Hermine Hascher, Hansjörg Walter, Carmen Haag, Markus Frei und Erwin Gamper. (tos)



Obwohl Nationalrat Hansjörg Walters Agenda fast überquillt, stellte er sich nur wenige Tage nach seiner Rückkehr aus Cancún und währenddem die Session in Bern stattfindet, in Stettfurt einem «WTO-Gipfel». Mit von der Partie: Kantonsrätin Carmen Haag, CVP, Erwin Gamper, Gemüseproduzent, Peter Maag, Direktor Industrie und Handelskammer Thurgau, Kantonsrat Markus Frei, CVP, Präsident AgroMarketing Thurgau, und Hermine Hascher, Geschäftsführerin Thurgauer Bauernverband. Zu Beginn der Veranstaltung gab Walter der Freude Ausdruck, dass gegen hundert Politinteressierte der Einladung folgten. Vor kurzem habe er an einer Wahlveranstaltung teilgenommen, wo nicht einmal zehn Personen anwesend waren.

Nicht über Misserfolg freuen
Zu Beginn seines Referates machte Walter eine Auslegeordnung über die bisherigen WTO-Verhandlungen. Obwohl die 5. WTO-Ministerkonferenz in Cancún ohne konkrete Ergebnisse endete, heisse das nicht, dass die Doha-Runde gescheitert sei. Obwohl sich in Cancún alles auf die Agrarverhandlungen konzentrierte, waren es letztlich die so genannten Singapur-Themen (Investitionsschutz, Wettbewerb, Transparenz und Handelserleichterungen im öffentlichen Beschaffungswesen), welche die Verhandlungen blockierten. Nach Meinung von Walter wäre es falsch, sich jetzt über den Misserfolg in Cancún zu freuen. Die Verhandlungen gehen weiter und müssen zu einem Abschluss kommen. Der internationale Handel sei auf verlässliche Partner angewiesen, um im Interesse aller gut zu funktionieren.

Doha-Runde abschliessen
Nicht nur für die schwächeren Länder wären die Auswirkungen nachteilig, auch für die Landwirtschaft im Allgemeinen und diejenige in der Schweiz im Besonderen. Walter bekräftigte den Willen des Schweizer Bauernverbands (SBV), dass die Doha-Runde abgeschlossen werden kann. Das neue Welthandelsabkommen müsse vor allem ausgewogen sein. Der SBV werde den Dialog mit allen interessierten Partnern fortsetzen, auch mit dem Bundesamt und der Verwaltung, um dieses Ziel zu erreichen.

Bekenntnis zur Landwirtschaft
Landwirtschaft sei ein Teil der Wirtschaftspolitik, ist die CVP-Nationalratskandidatin Carmen Haag überzeugt. Die Wirtschaft reguliere sich wie die Natur von unten nach oben. Also vom Markt her – und nicht von der Politik oder von den Banken her. Carmen Haag bekannte sich zur landwirtschaftlichen Binnenproduktion und einer innovativen Landwirtschaft. Markus Frei, Präsident AgroMarketing Thurgau, stellte fest, dass die Produzenten von sicheren Lebensmitteln mit einem guten Marketingkonzept selbstbewusst am Markt auftreten müssen. Gemüseproduzent Erwin Gamper, Stettfurt, forderte die Politiker auf, die Anliegen der Landwirtschaft auf jeder Stufe ernst zu nehmen, sei es auf Gemeinde-, Kantons- und Bundesebene.

Strukturänderungen
Nach Ansicht von Peter Maag, Direktor Industrie und Handelskammer Thurgau, geht der Strukturwandel in der Landwirtschaft weiter. Der bäuerliche Familienbetrieb mit 10 bis 20 Hektaren als Existenzgrundlage sei eine Illusion. Maag glaubt, dass sich die Strukturen massiv verändern werden. Aus Sicht der Wirtschaft stehe der Grossbetrieb mit hoher Professionalität im Vordergrund. In der abschliessenden Diskussion mit Hermine Hascher wurden Grenzen und Gemeinsamkeiten zwischen Wirtschaft, Industrie und Landwirtschaft aufgezeigt.

Mario Tosato
 
 
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