Ausgabe Nummer 46 (2005)
Chance oder Fluch, «gentechfrei» oder «gentechverändert»?
Podium vom 9. November in Weinfelden: Ja zur Gentechfrei-Initiative
Chance oder Fluch, «gentechfrei» oder «gentechverändert»?
Organisiert vom Thurgauer Komitee «Ja zur Gentechfrei-Initiative» haben unter der Moderation von Eleonore Baumberger, Journalistin, an einem Podiumsgespräch Befürworter und Gegner ihre Standpunkte vertreten. Trotz hochkarätigen Podiumsteilnehmern besuchten nur knapp zwanzig Personen die Veranstaltung.

Von links: Stefan Brupbacher,
Hansjörg Walter, Eleonore
Baumberger, Franz Mettler und
Brigitte Schönholzer. (hs)
Die beiden Befürworter der Initiative, SVP-Kantonsrätin Brigitte Schönholzer Sulgen, und SVP-Nationalrat Hansjörg Walter, Wängi, kreuzten mit den Gegnern der Initiative, Stefan Brupbacher, Economiesuisse, ehemals tätig bei Novartis und Franz Mettler, Landwirt in Wittenwil, die Klingen.
Für eine gesunde Ernährung
Als aktive Bäuerin, Mutter und Konsumentin trage sie grosse Verantwortung für eine gesunde Ernährung, betonte Brigitte Schönholzer, und sehe in einem fünfjährigen Moratorium auch eine Chance für die Schweizerische Landwirtschaft. Mit geschickter Werbung könnten damit im In- und Ausland Marktanteile gewonnen werden. Weiter gibt Schönholzer zu bedenken, dass in 22 Ländern Initiativen für «gentechfreie» Lebensmittel laufen und die Schweiz somit keinen Alleingang mache. Die nächsten fünf Jahre können dazu benutzt werden, Erfahrungen zu sammeln.
Vorteile für den Pflanzenbau
Als Landwirt mit Ackerbau, Schweine- und Rindviehmast könne er eine Initiative, die aus dem Lager der Grünen und des WWF komme, nicht unterstützen, sagte Franz Mettler. Denn von diesen Leuten sei der Landwirtschaft bereits grosser Schaden zugefügt worden. Vom Staat werden EU-Preise gefordert, dabei gebe es immer mehr Vorschriften, und es müsse immer teurer produziert werden. Seiner Meinung nach ist nicht alles, was Gentechnik betreffe, Genmanipulation. Mit dem Schlechtmachen von Lebensmitteln werde gezielt die Angst geschürt. Mettler sieht im Pflanzenbau Vorteile, da Krankheiten wie die Knollenfäule bei der Kartoffel nicht mehr behandelt werden müss-ten. Folge davon wäre eine billigere Produktion und damit auch billigere Preise für die Konsumenten.
Gelegenheit für saubere Forschung
Ein fünfjähriges Moratorium sei nötig, so Hansjörg Walter, denn während der Beratungen zum Gentechnikgesetz blieben viele offene Fragen, die weitere Abklärungen nötig machen. Vor allem ist auch die Frage der Haftung nicht geklärt. Walter verwies auf die Tatsache, dass in Europa der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen, ausser in Rumänien, rückläufig sei. Eine grosse Mehrheit der Konsumentinnen und Konsumenten wollen keine gentechnisch veränderten Lebensmittel, und es sei deshalb sinnlos, etwas anzubauen, das niemand kaufen wolle. Das Moratorium biete nun Gelegenheit für eine saubere Forschung.
Biotechnologie wächst, während Landwirtschaft abbaut
Für Stefan Brupbacher ist die Initiative eine Mogelpackung Eine Annahme des Moratoriums würde für die Forschung mit Standort Schweiz schlimme Folgen haben, und dessen Schädigung ist für Brupbacher nicht nachvollziehbar. Mit dem strengen Gentechnikgesetz werde alles Nötige geregelt, und damit sei das Moratorium überflüssig. Seit 1990 werden in der Biotechnologie jährlich drei Prozent neue Stellen generiert, während in der Landwirtschaft ständig abgebaut werde. Der Druck auf die Bauern nehme zu. Bei einer Annahme des Moratoriums sei denkbar, dass sich die Forschung nach China oder in irgendein anderes Land absetze, betonte Brupbacher.
