Ausgabe Nummer 15 (2006)
Chicoréewurzelproduktion Herbizideinsatz
Teil 2 (2/2): Erfahrungen aus einem Gemeinschaftsprojekt
Chicoréewurzelproduktion Herbizideinsatz
Der Aufwand für die Unkrautbekämpfung bei der Chicoréewurzelproduktion gibt immer wieder Anlass zur Diskussion. Mit einer guten Saatbettvorbereitung, der angemessenen Beurteilung der Bodenverhältnisse und dem fachlich korrekten Einsatz der vorhandenen Herbizide können viele unnötige Arbeitsstunden fürs Jäten eingespart werden.

Kerb ist bei Chicorée sehr
kulturverträglich, benötigt jedoch
zur Entfaltung einer guten Wirkung
eine gewisse Bodenfeuchtigkeit
(das heisst bei trockenen
Verhältnissen nach der
Behandlung Kultur leicht
beregnen). (zVg)
Die Ansaat der Chicoréefelder erfolgt im Mai, in der Hauptkeimperiode der meisten Unkrautarten. Neben vorbeugenden Massnahmen wie dem «falschen Saatbett» ist ein sorgfältiger Einsatz von Herbiziden im Chicoréeanbau grundlegend, damit der Handarbeitsaufwand auf ein Minimum gesenkt werden kann. Dabei ist die hohe Herbizidempfindlichkeit der Chicoréesämlinge zu beachten. Eine gezielte Unkrautbekämpfungsstrategie erstreckt sich grundsätzlich auf die gesamte Fruchtfolge und sollte mit dem Treibbetrieb abgesprochen werden.
Unkrautbekämpfung delikates Unterfangen
Besonders risikobehaftet ist der Einsatz von Bodenherbiziden direkt nach der Saat. Herbizidschäden sind insbesondere dort vorprogrammiert, wo infolge eines unsorgfältig vorbereiteten Saatbettes keine genaue Saattiefe eingehalten werden kann. Einen Unsicherheitsfaktor stellt häufig auch der Witterungsverlauf dar. So verlagern ergiebige Niederschläge kurz nach der Herbizidbehandlung den Wirkstoff in die Keimzone, was in der Folge zu einer Ausdünnung des Chicoréebestands führen kann. Verschiedene im Kanton Thurgau und im St. Galler Rheintal durchgeführte Herbizidversuche zeigen, dass eine allgemein verbindliche Einsatzempfehlung für Bodenherbizide schwierig ist. Das Rückhaltevermögen der Bodenoberfläche für Herbizide, und damit verbunden auch die Kulturverträglichkeit und Unkrautwirkung, sind stark abhängig vom Sand- und Tonanteil des betreffenden Bodens.

Debut kann bei Chicorée bereits
mit zwei Behandlungen zu je
10 g/ha im Zwei- und
Vierblattstadium deutliche
Wachstumshemmungen
verursachen. Der weisse
Gänsefuss wird nicht erfasst.
(zVg)
Herbizidsituation 2006
Das Sortiment der im Chicoréeanbau bewilligten Herbizide ist im Vergleich zu anderen Feldkulturen eher bescheiden. Durch einen gezielten und sorgfältigen Einsatz dieser Mittel kann, je nach vorherrschendem Unkrautspektrum, dennoch eine recht gute Unkrautwirkung erreicht werden.
Kerb 50 W (Propyzamide): In der chemischen Unkrautregulierung bei Chicorée nimmt Kerb nach wie vor eine wichtige Stellung ein, nicht zuletzt aufgrund seiner verhältnismässig guten Kulturverträglichkeit. Der Einsatz von 2 bis 3 kg/ha Kerb erfolgt direkt nach der Saat. Kerb erfasst Ungräser sowie Vogelmiere und Ehrenpreis gut. Gegen Gänsefuss- und Knöterich-Arten wird eine Teilwirkung erzielt. Nicht erfasst werden Amarant, Franzosenkraut und Kreuzkraut. Damit Kerb seine optimale Wirkung entfalten kann, ist während Trockenperioden in den ersten Wochen nach der Behandlung durch leichte Beregnungsgaben von wenigen Millimetern für eine Befeuchtung der Bodenoberfläche zu sorgen.
Kaskadora (Carbetamide): Dieses über den Boden wirksame, seit 2006 in der Schweiz neu zugelassene Herbizid, kann direkt nach der Saat bis spätestens zum Vier- bis Sechsblattstadium der Kultur eingesetzt werden. Die während der Kulturdauer auszubringende Gesamtmenge sollte zwischen 3,5 bis 5 kg/ha liegen, wobei das Mittel vorzugsweise in Split-Behandlung, ergänzend zu anderen zugelassenen Herbiziden, eingesetzt wird, dann jedoch mit reduziertem Aufwand. Nach einer Grundbehandlung mit Kerb kann Kaskadora in Kombination mit Debut auch erst im Nachauflauf eingesetzt werden. Kaskadora erfasst verschiedene Gräserarten gut. Gegen Hirsearten und breitblättrige Unkräuter wie Vogelmiere, Ehrenpreis, Gänsefuss- und Knöterich-Arten wird eine Teilwirkung erzielt.
Debut (Triflusulfuronmethyl): Bei den in der Ostschweiz durchgeführten Herbizidversuchen wurde Debut als Vertreter der Sulfonylharnstoffe ab dem Zweiblattstadium der Chicoréekultur eingesetzt. Je nach Standort konnte das Mittel selbst bei einer Aufwandmenge von 2 x 10 g/ha deutliche Wachstumshemmungen verursachen. Es lohnt sich daher, die Aufwandmenge, vor allem bei der ersten Behandlung, in einem frühen Kulturstadium tiefer anzusetzen. Debut verlockt durch das breite Wirkungsspektrum gegenüber breitblättrigen Unkräutern und erfasst auch die mit den übrigen bewilligten Herbiziden kaum erfassten Arten wie Amarante, Franzosenkraut und Kreuzkraut gut. Wirkungslücken: Gänsefuss-Arten, Gänsedistel und Ehrenpreis. Über die Art und Weise des Einsatzes von Debut muss im Einzelfall, aufgrund des vorhandenen Unkrautdruckes und der mit den zugelassenen Bodenherbiziden bereits erzielten Wirkung, entschieden werden.
Die spezifischen Gräserherbizide Gallant 535 (Haloxyfop-(R)-Methylester), Targa Super (Quizalofop-P-ethyl) und Agil (Propaquizafop) können im Nachauflauf gegen bereits bestockte Gräserarten eingesetzt werden.
