Ausgabe Nummer 7 (2007)

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Christbaumproduktion – eine Nische?

Schweizer Christbäume sind gefragt

60 bis 70 Prozent der in der Schweiz verkauften Christbäume stammen aus dem Ausland. Für die einheimische Produktion sind Entwicklungspotenziale vorhanden, da Schweizer Bäume auf dem Markt gefragt sind. Eine Informationstagung der AgroBeratung Thurgau auf dem Hof der Christbaumproduzenten Karin und Beat Kressibucher in Ast bei Berg beschäftigte sich mit Anbau und Vermarktung.

Nur das Wetter erinnerte am letzten Dienstag noch an Weihnachten: Schnee und Regen wechselten sich ab. Aber für Christbaumproduzenten hört die Arbeit nach Weihnachten nicht auf, die Bäume sind während des ganzen Jahres ein Thema. Josef Brägger, Geschäftsführer der IG Suisse-Christbaum und Berater am Bildungszentrum Wallierhof im Kanton Solothurn, sieht ein grosses Marktpotenzial für einheimische Bäume. «Die Nachfrage ist stabil. Ein schöner Weihnachtsbaum hat bei vielen Leuten einen festen Platz im Weihnachtsritual. In der Weihnachtszeit sitzt bei vielen Kunden der Geldsäckel lockerer als während des Rests des Jahres; viele sind bereit, für einen Christbaum einen ordentlichen Preis zu zahlen. Die einheimische Produktion ist ausbaubar. Die meisten Bäume wachsen gut in der Schweiz, nur gewisse Edeltannen gedeihen nicht richtig. In der Schweiz werden jährlich etwa eine Million Christbäume abgesetzt; es ist ein Marktvolumen von etwa 40 bis 60 Millionen Franken vorhanden. Immer mehr Kunden möchten einen Christbaum aus einheimischer Produktion. » Für Schweizer Christbäume sprechen der kurze Transportweg und die damit verbundene Frische. Die Frische vermindert auch das Brandrisiko. Zudem schätzen viele Kunden eine kompetente Beratung und den direkten Kontakt mit dem Verkäufer.

Arbeitsaufwand
Sieben bis acht Jahre dauert es, bis die frisch gesetzten Bäumchen geerntet werden können. Brägger rechnet mit einem Arbeitsaufwand von etwa 500 Stunden pro Hektare bei Direktvermarktung und etwa 300 Stunden pro Hektare bei Bäumen, die an Grossverteiler verkauft werden. Mit einer Obstanlage lassen sich Christbäume gut kombinieren. Die Bäumchen werden im Februar oder März gesetzt. Produzent Kressibucher machte gute Erfahrungen, die Bäumchen bereits im Herbst zu setzten: «Da der letzte Frühling so trocken war, gingen die frisch gesetzten Bäumchen ein. Die im Herbst gepflanzten Bäume sind dann schon robuster. » Die Bäumchen müssen vor allem im Frühling und Sommer gepflegt werden, im September und Oktober geben sie wenig Arbeit. Im November und Dezember ist dann die Hauptarbeitszeit. Schneebedeckte Bäume fällen und sie, meist an der Kälte, zu verkaufen ist harte Arbeit.


Christbaumproduktion im Thurgau
Mathias Roth, Telefon 071 626 10 56, berät Sie gerne über die Christbaumproduktion. Im Thurgau existiert bis jetzt kein Arbeitskreis Christbäume. Produzenten, die Interesse haben, sich zusammenzuschliessen und auszutauschen, wenden sich ebenfalls an Mathias Roth.


Frühlingsfrost, Schädlinge, Krankheiten und nicht schön gewachsene Bäume erschweren den Anbau. So kann auch in einer Reihe von grünen Bäumen einer mit gelben Nadeln wachsen. Nicht alle Bäumchen wachsen von Natur aus schön. Bei einigen muss durch Korrekturschnitte oder chemische Wachstumsregulatoren der Wuchs günstig beeinflusst werden. Der Boden kann entweder gemäht oder mit Schafen bewirtschaftet werden. So lassen zum Beispiel Shropshire-Schafe bei vielseitigem Futterangebot die Tannen in Ruhe. Allerdings muss der Betriebsleiter gut mit ihnen umgehen können.
Für Mathias Roth, LBBZ Arenenberg, Fachstelle Betriebsberatung, ist die Menge, die Qualität der verkauften Bäume und der damit verbundene Aufwand entscheidend für den Ertrag. «Mit der Rohstoffproduktion lässt sich nicht viel Geld verdienen. Durch den Direktverkauf kann die Wertschöpfung bis um das Doppelte gesteigert werden. Dafür gibt es mehr Arbeit.»

Auf Kundenwünsche eingehen
«Die Freude an den Christbäumen ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Produktion. Die Bäume geben viel Arbeit, und das grosse Geld kann man mit ihnen nicht machen», erklärt Produzent Kressibucher. «Positive Erfahrungen habe ich mit dem Verkauf von Schnittgrün gemacht. Es ist eine gute Möglichkeit, nicht schön gewachsene Bäume zu verwerten. Einheimisches Schnittgrün ist Mangelware, auch hier stammt der grösste Teil aus dem Ausland. Für die Direktvermarktung ist es wichtig, auf Kundenwünsche einzugehen und flexibel zu sein. Ich biete jeweils die Bäume am Sonntag vor Weihnachten zusammen mit Glühwein und Snacks an. Auf Wunsch können die Kunden mit in den Wald kommen und «ihren» Christbaum auswählen, den ich dann frisch für sie schneide.»

Ursina Hulmann


IG Suisse-Christbaum
«In jeder Stube ein Schweizer Christbaum » ist der Slogan der IG Suisse- Christbaum. Ihre Ziele sind folgende:
– Förderung der Produktion und Vermarktung von Schweizer Christbäumen.
– Förderung der umweltschonenden Produktion mit kurzen Transportwegen.
– Förderung von Qualitätsproduktion
– Richtpreise
– Interessensvertretung der Produzenten im politischen und wirtschaftlichen Bereich
– Aus- und Weiterbildungen
– Medienarbeit.

Mehr Informationen unter www.suisse-christbaum.ch


Auf dem Rundgang durch Beat Kressibuchers Plantage erfuhren die Zuhörer vieles über
die Pflege der Christbäume. (uhu)
Auf dem Rundgang durch Beat Kressibuchers Plantage erfuhren die Zuhörer vieles über die Pflege der Christbäume. (uhu)