Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. Juli 2018


Coaching - "Der Lösung ist es egal, was das Problem ist"

Ausgabe Nummer 47 (2014)

Der Begriff Coaching wird vielerorts verwendet und taucht inzwischen auch in der Landwirtschaft immer häufiger auf. Was unter Coaching verstanden wird, ist sehr unterschiedlich. Bei einem lösungsorientierten Coaching konzentriert man sich auf das Finden von Lösungen anstatt auf das Analysieren von Problemen. Am BBZ Arenenberg wurden Ansätze dieses Coachings bereits in der Strategieberatung angewendet. Ein reines lösungsorientiertes Coaching hat eine viel stärkere und nachhaltigere Wirkung auf den Fortschritt und Erfolg des Kunden.

Unterschied zwischen Coaching und Beratung?
Zwischen Coaching und Beratung gibt es deutliche Unterschiede. Berater werden beigezogen wegen ihrem Fachwissen, von dem ein Kunde profitieren möchte. Sie werden bezahlt für ihre Konzepte, Ratschläge und Tips, die sie weitergeben. Ein Coach stellt Fragen, die neue Sichtweisen und Handlungen ermöglichen. Bei einem Coaching stärkt der Coach die Selbstverantwortung des Kunden, er lässt die Verantwortung für Ziel, Weg und Lösung voll und ganz beim Kunden.
Der Kunde möchte Fortschritte in seinem Thema machen. So ist eine typische Frage am Anfang eines Gesprächs: «Was soll in unserem Gespräch passieren, damit Sie am Schluss sagen können, es hat sich gelohnt?» Damit ist der Kunde der wahre Experte.
Als Vergleich kann man das Bild eines Weizenkorns oder Apfelkerns heranziehen. Diese Samen besitzen alle Informationen, um zu einer vollen Weizenpflanze oder gar zu einem imposanten Apfelbaum heranzuwachsen. Da braucht von aussen nichts hinzugefügt zu werden. Auf die gleiche Art hat auch der Kunde alles, um in seinem Thema vorwärts zu kommen.

Lösungsfokussiertes Coaching
Das lösungsfokussierte Coaching ist eine Art der Gesprächsführung, die sich auf Lösungen fokussiert statt auf die Probleme. Man geht vom Standpunkt aus, dass es hilfreicher ist, sich auf Wünsche, Ziele, Ressourcen und Ausnahmen des Problems zu konzentrieren, anstatt auf die Probleme und wie diese entstanden sind. Konkret: Es soll dabei nicht das Problem erkundet werden («warum habe ich so schlechte Fruchtbarkeit?») sondern, wie es ist, wenn es besser ist («was mache ich anders, wenn die Fruchtbarkeit gut oder besser ist?»).

Finde heraus, was gut funktioniert ...
Es gibt drei Grundprinzipien im lösungsfokussierten Coaching, die auf eine andere Art umschreiben, in welche Richtung ein Gespräch mit dem Kunden gestaltet wird:
1. «Repariere nicht, was nicht kaputt ist.»
2. «Finde heraus, was gut funktioniert und passt – und tue
    mehr davon.»
3. «Wenn etwas trotz vieler Anstrengungen nicht gut genug
    funktioniert und passt, dann höre damit auf und versuche
    etwas anderes.»
Ein Problem ist nicht dauernd vorhanden, es gibt immer Ausnahmen oder wo es vermindert auftritt. Der Mensch ist heute geradezu geschult, seinen Blick auf Probleme, Defizite und Hindernisse zu richten. Bei einem Coaching lädt man den Kunden ein, den Fokus um nützlichere Blickwinkel zu erweitern. Das heisst, bei einem Coaching mit einem Landwirt oder einer Bäuerin werden die eigenen guten Erfahrungen und Fähigkeiten genutzt, die brach liegende Stärken hervorbringen und so nachhaltige Lösungen entwickeln.

Wo Coaching einsetzen?
Grundsätzlich gibt es keine Einschränkungen, welche Themen mehr oder weniger geeignet sind. Es können Fragestellungen aus dem Privat- oder Geschäftsleben sein. Im Milchviehbereich können dies vor allem auch Themen zu Betriebsentwicklung, Optimierung der Produktion oder Finanzen sein. Für ein Coaching benötigen Sie keine Unterlagen, nur eine offene Einstellung, etwas positiv verändern zu wollen
– und ein paar Minuten Zeit.


Jenifer van der Maas,
BBZ Arenenberg







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