Ausgabe Nummer 1 (2007)

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Controllingbericht zum Leitbild für die Thurgauer Landwirtschaft

Wirtschaftliche Situation der Landwirtschaft erstmals leicht besser

Die wirtschaftliche Situation der Landwirtschaftsbetriebe im Kanton Thurgau hat sich in der Berichtsperiode 2004/2005 gegenüber den Vorjahren erstmals verbessert und liegt neu leicht über dem Wert von 1996. Als Gründe dafür wird insbesondere das gute Landwirtschaftsjahr 2004 angeführt. Dies geht aus dem fünften Controllingbericht zum Leitbild für die Thurgauer Landwirtschaft hervor, den der Regierungsrat genehmigt hat.

1996 genehmigte der Regierungsrat des Kantons Thurgau das Leitbild für die Thurgauer Landwirtschaft. Nun hat das Landwirtschaftsamt den fünften Controllingbericht erarbeitet, in dem die Leitsätze und deren Entwicklung mit Hilfe von Indikatoren überprüft werden. Der vorliegende Bericht bezieht sich auf die Jahre 2004/2005.
Insbesondere aufgrund des guten Landwirtschaftsjahres 2004 hat sich die wirtschaftliche Situation der Landwirtschaftsbetriebe gegenüber der vorgehenden Berichtsperiode verbessert und liegt nun leicht über dem Stand von 1996. Der Anteil an Betrieben mit einer negativen Eigenkapitalbildung ist von 35 auf unter 30 Prozent gesunken. Ebenfalls verbessert haben sich in der Berichtsperiode der Verschuldungsfaktor und die Liquidität, allerdings auf sehr tiefem Niveau.
Der Bericht taxiert denn auch die wirtschaftliche Situation der landwirtschaftlichen Betriebe als nach wie vor unbefriedigend. Die gesetzlichen Anforderungen, der fortschreitende Preiszerfall bei den Erlösen sowie gestiegene Fremdkosten haben weiterhin einen negativen Einfluss auf die Betriebe. Daran konnte auch die Tatsache nichts ändern, dass der Bund im Jahr 2005 die Thurgauer Landwirtschaft mit insgesamt 97,3 Millionen Franken in Form von Direktzahlungen, Anbaubeiträgen und Ökoqualitätsbeiträgen unterstützte ? immerhin 18,2 Millionen Franken mehr als 1999.
In den vergangenen zehn Jahren hat die Landwirtschaft im Kanton Thurgau in den Bereichen Ökologie, Gewässerschutz und Tierschutz enorme Anstrengungen unternommen, was sich in sehr guten Werten niederschlägt. Beim Tierschutz liegt der Zielerreichungsgrad mittlerweile bei 142 Prozent und damit deutlich über dem Zielwert, der 2007 erreicht werden sollte. Dies vor allem als Folge von hohen Investitionen in moderne, tierfreundliche Stallungen. Dieser Trend ist umso beachtlicher angesichts der internationalen Entwicklungen, die das agrarpolitische Umfeld negativ beeinflussen.
Die nach Biorichtlinien bewirtschafteten Flächen haben im Jahr 2005 noch einmal leicht zugenommen. Unabhängig davon wurden insgesamt 2700 Hektaren Wiesen extensiv oder wenig intensiv genutzt und sind vertraglich abgesichert. Seit der Einführung der Öko-Qualitätsverordnung im Jahr 2001 wurden zudem 210 Hektaren Obstgärten und 47500 Hochstamm-Obstbäume als Objekte mit besonderer Qualität registriert. Eine weitere Erhöhung ist nur noch beschränkt möglich. Bei der Indikatorengruppe «attraktives Landschaftsbild» und «Preise» liess sich der Abwärtstrend trotz dieser Anstrengungen allerdings nicht aufhalten. Dabei ist zu erwähnen, dass die negative Entwicklung beim Leitsatz «attraktives Landschaftsbild» vor allem auf den Rückgang der Landwirtschaftsbetriebe zurückzuführen ist.
Damit die Landwirtschaftsbetriebe wachsen und wirtschaftlicher produzieren können, ist der gegenwärtige Strukturwandel von 2,5 Prozent pro Jahr erwünscht. Der Zielerreichungsgrad bei der Indikatorengruppe «Strukturen» liegt denn auch bei 99,6 Prozent. Die durchschnittliche landwirtschaftliche Nutzfläche pro Betrieb erhöhte sich von 14 Hektaren im Jahr 1996 auf 17 Hektaren im Jahr 2005. Nach wie vor müssen für die Produktionsfaktoren Boden (Kauf oder Pacht) und Milchkontingente aber zu hohe Preise bezahlt werden. Die effektiv bezahlten Pachtzinse liegen beispielsweise weiterhin um jährlich gegen acht Millionen Franken höher, als dies gemäss eidgenössischer Pachtzinsverordnung zulässig wäre.
Mit 41,2 Prozent des Zielerreichungsgrades (2003: 31,2 Prozent) bewegt sich der Indikator «Ausbildung» immer noch auf einem tiefen Wert. Um langfristig den Ausbildungsstand der Thurgauer Landwirtschaft sichern zu können, wären jährlich zwischen 50 und 70 Absolventen der Lehrabschlussprüfung notwendig. Tatsächlich lag die Zahl der Lehrabschlussprüfungen in den letzten zehn Jahren zwischen 21 (2003) und 39 (1997). Erfreulich ist deshalb, dass sich das vom LBBZ Arenenberg lancierte Modell der dreijährigen Lehre mit steigenden Schülerzahlen positiv entwickelt.
Das Controllingsystem über die Situation in der Thurgauer Landwirtschaft ist seit 1996 unverändert fortgeführt worden. Für den nächsten Bericht hat der Regierungsrat beschlossen, die Indikatoren den Zielsetzungen der Agrarpolitik 2011 und den neuen gesellschaftlichen Anforderungen anzupassen.
Der Controllingbericht kann unter www.landwirtschaftsamt.tg.ch heruntergeladen werden.

Landwirtschaftsamt des Kantons Thurgau