Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
22. Mai 2020


Corona-Hilfe für die Landwirtschaft

Ausgabe Nummer 18 (2020)

Der Bund hat verschiedene Massnahmen zur Unterstützung von Unternehmen und Selbstständigerwerbenden beschlossen. Am 16. April wurde der Anspruch auf Corona-Erwerbsersatz ausgeweitet. Bisher wurden nur Betriebe entschädigt, welche die Tätigkeit seit dem 17. März nicht mehr ausführen durften, wie zum Beispiel Gastronomiebetriebe oder Verkaufs geschäfte von nicht lebensnotwendigen Gütern.

Eine Entschädigung erhalten neu auch die Selbstständigerwerbenden, die nur indirekt von den behördlichen Massnahmen betroffen sind, weil sie weiterarbeiten dürfen, aber weniger oder keine Arbeit mehr haben.
Je nach Betriebszweigen sind die Landwirtschafts betriebe unterschiedlich davon betroffen. Die Pro duk tion von Nahrungsmitteln ist in der Regel nicht eingeschränkt. Es kommt allerdings zu Marktver schiebungen, die Einfluss auf Preise und Absatz haben können.

Wer erhält eine Corona-Entschädigung?
Landwirtschaftsbetriebe, welche durch die Massnahmen des Bundes Einkommenseinbussen haben, können eine CoronaErwerbsersatzentschädigung beantragen. Betroffene Betriebszweige sind zum Bei spiel Besenbeizen, Marktstände, Anlässe auf dem Bauernhof oder das Angebot «Blumen zum Selberpflücken». Nachfolgend sind die wichtigsten Massnahmen des Bundes zusammengestellt.

Entschädigung infolge Betriebsschliessung
Anspruchsberechtigt sind selbstständig erwerbende Personen, welche durch die auf Bundesebene an geordnete Betriebsschliessung einen Erwerbsausfall erlitten haben. Zum Beispiel Einkaufsläden und Märkte, Restaurationsbetriebe; Betriebe mit personenbezogenen Dienstleistungen oder Campingplätze.

Abfederung von Härtefällen bei Selbstständigerwerbenden
Anspruchsberechtigt sind Selbstständigerwerbende, die ihren Betrieb zwar nicht schliessen mussten, aber durch die Massnahmen des Bundes oder Kantons einen direkten oder indirekten Erwerbsausfall erlitten haben (HärtefallRegelung). Zum Beispiel als Zu lieferer eines Restaurants, das schliessen musste. Als Basis für die Entschädigung dient die aktuellste Beitragsverfügung des Jahres 2019. Das AHVpflichtige Einkommen 2019 aus der Selbstständigkeit muss zwischen 10 000 und 90 000 Franken liegen.

Entschädigung infolge Veranstaltungsverbot
Erwerbsausfall wegen einer abgesagten Veranstaltung kann ebenfalls angerechnet werden.
Das sind öffentliche oder private Veranstaltungen, Sportveranstaltungen und Vereinsaktivitäten, in deren Rahmen eine selbstständige Erwerbstätigkeit ausgeführt wird. Dazu gehören beispielsweise auch Lieferanten von Waren.

Anspruch infolge Quarantäne
Personen, die sich in einer ärztlich oder behördlich verordneten Quarantäne befinden und ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen müssen, haben Anspruch auf eine Entschädigung.

Anspruch infolge Ausfall der Fremdbetreuung der Kinder
Eltern mit Kindern unter 12 Jahren, die ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen müssen, weil die Fremdbetreuung der Kinder nicht mehr gewährleistet ist, haben Anspruch auf eine Entschädigung.

Wo melden Selbstständigerwerbende den Anspruch auf die Entschädigung an?
Zuständig für alle Entschädigungen ist die Ausgleichskasse, bei welcher die Sozialversicherungsbeiträge abgerechnet werden.
Grundlage für die Berechnung der Leistung ist das Jahreseinkommen, welches 2019 für die AHV abgerechnet wurde. Davon wird 80 Prozent als Taggeld ausbezahlt. Der maximale Tagesansatz liegt bei 196 Franken. Auch wenn Unsicherheit bezüglich des Anspruchs besteht, soll eine Anmeldung gemacht werden. Eine einheitliche Praxis, wie die Entschädigung für gemischte Betriebe berechnet wird, gibt es noch nicht. Die AHV-Ausgleichskasse prüft jeden Einzelfall. Die Anmeldung im Thurgau ist nur online über www.svztg.ch (Sozialversicherungszentrum Thurgau) möglich.

Kurzarbeitsentschädigung
Die Kurzarbeitsentschädigung für Angestellte im Rahmen der Arbeitslosenversicherung ermöglicht dem Arbeitgeber, den Lohn trotz wegfallenden Einnahmen trotzdem weiterzuzahlen.
Die Kurzarbeitsentschädigung muss durch den Ar beitgeber für seine Arbeitnehmer beantragt werden. Landwirtschaftsbetrieben, welche nun zu wenig Arbeit haben (z.B. wegfallende Lieferung oder Dienstleistungen), wird empfohlen, ein Gesuch einzureichen.

Überbrückungshilfe für KMU und Landwirtschaft
Mit Überbrückungskrediten (COVID-19-Kredite) werden betroffene Unternehmen möglichst unbürokratisch und rasch unterstützt. Gesuche für einen Überbrückungskredit können über die Website des Bundes (www.easygov.swiss) eingereicht werden. Kreditgesuche werden bis am 31. Juli 2020 entgegengenommen. Bis zu einem Betrag von 500 000 Franken werden Kredite unbürokratisch innert kurzer Frist durch die Bank zur Verfügung gestellt und zu 100 Prozent vom Bund abgesichert. Der Zinssatz auf diesen Überbrückungskrediten beträgt aktuell 0 Prozent.
Landwirtschaftsbetriebe haben zusätzlich die Möglichkeit, bei der GLIB ein zinsloses Betriebshilfedarlehen zu beantragen. Im «Thurgauer Bauer» vom 17. April wurde darüber berichtet.


Text und Bild
Adrian von Grünigen, BBZ Arenenberg










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