Ausgabe Nummer 5 (2006)
Daheim in der Fremde
José Antonio Fernandes Laranjeira lebt und arbeitet seit über zehn Jahren bei Familie Grob
Daheim in der Fremde
Gibt es den idealen Mitarbeiter? Hansjörg Grob, Betriebsleiter des Gemüse- und Landbaubetriebes Grob in Schlattingen, scheint diesen in der Person von José Antonio Fernandes Laranjeira gefunden zu haben, weil ihm dieser in allen Betriebszweigen durch seine vielseitige Einsetzbarkeit grosse Arbeitsentlastung leistet.

Magdalena Grob (links aussen) und ihr Mann
Hansjörg Grob (rechts aussen) pflegen mit ihrem
Mitarbeiter und stellvertretenden Betriebsleiter
José A. F. Laranjeira (Zweiter von rechts) und
dessen Ehefrau Hortensia und den Kindern
Carlos und Caroline ein enges, partnerschaftliches
Arbeitsverhältnis.
José A. F. Laranjeira aus Portugal, 30 Jahre alt, kam als 18-Jähriger, auf Vermittlung eines Bekannten, erstmals als Praktikant auf den Betrieb von Hansjörg und Magdalena Grob in Schlattingen. Begonnen habe er mit dem, was gemeinhin als «niedrigste Tätigkeiten», also verbunden mit viel Grobarbeit und Schmutz, bezeichnet wird. Im Gespräch mit Hansjörg Grob und José A. F. Laranjeira betonen beide, dass sie von Anfang an eine gute und förderliche Zusammenarbeit pflegten. Der Arbeitgeber erkannte rasch die besonderen Fähigkeiten dieses Praktikanten und nach einem Jahr Unterbruch setzten beide die Zusammenarbeit gerne fort, als ein Personalengpass herrschte. Durch sein hohes Pflichtbewusstsein und gute Führungsqualitäten sei José A. F. Laranjeira sehr rasch zu seinem engsten Mitarbeiter geworden. Innerhalb des Betriebs hat er heute die Funktion eines stellvertretenden Betriebsleiters. Er besitze sehr verschiedene Fähigkeiten, sei ein Generalist und sowohl im Ackerbau, in der Werkstatt und in den Treibhauskulturen einsetzbar.
Natürliche Autorität
In den letzten zehn Jahren hat sich der Gemüsebaubetrieb Grob mit anfangs vier Mitarbeitern zu einem grossen Unternehmen mit Ackerbau (Schwergewicht Kartoffeln), Freilandgemüse (diverse Salate) sowie Gewächshausgemüse entwickelt, mit derzeit rund 50 Mitarbeitern. Mit dieser Entwicklung ist José A. F. Laranjeira idealerweise Schritt um Schritt mitgewachsen und hat immer wieder aufs Neue seine Verlässlichkeit und Loyalität bewiesen. Zu seiner guten Integration in der Schweiz förderlich ist die Tatsache, dass er in der Zwischenzeit eine Familie gegründet hat. Er stammt aus Aveiro, einer Region am Meer, und innerlich tragen er und seine Frau Hortensia Portugal weiterhin im Herzen und in Erinnerungen mit. Mit den klimatischen Bedingungen der Schweiz, wo es häufig kalt und neblig ist, habe er sich gut arrangiert. Anlässlich eines Ferienaufenthaltes im Winter 2005 in Portugal fiel nach der Rückkehr der Entscheid, in der Schweiz zu bleiben. So wird also die Tochter in der Schweiz eingeschult. Hansjörg Grob attestiert seinem engsten Mitarbeiter eine natürliche Autorität, die im ganzen Betrieb akzeptiert wird. Gerade im Sommer arbeiten zahlreiche andere Portugiesen auf dem Betrieb mit. Für sie ist José die Anlaufstelle, Vertrauens- und Kontaktperson, die für verschiedenste Anliegen ein offenes Ohr hat.
Nach getaner Arbeit ...
Unsere Sprache hat sich José durchs Zuhören angeeignet, er versteht Dialekt besser als Hochdeutsch. Ob im Dorf, in der Bewässerungsgenossenschaft oder im Kontakt mit den Geschäftspartnern seines Chefs: Er wird überall akzeptiert und als seinem Chef ebenbürtig akzeptiert. Durch die Tatsache, dass er mit seiner Familie auf dem Betrieb des Arbeitgebers lebt, entsteht eine besondere Verbindung: Er sehe nicht nur den Betrieb und das Materielle, sondern sei mit Herzblut engagiert. Dass sich nach geleisteter Arbeit auch gut feiern lässt, davon zeugen zwei Jubiläen, die 2005 auf dem Betrieb Grob gefeiert wurden: 2005 wurde José einerseits 30-jährig und anderseits galt es, seine 10-jährige Betriebszugehörigkeit zu würdigen. Obwohl es sonst nicht Usus ist, einen 30. Geburtstag zu feiern, hat die Familie Grob zur Anerkennung der Verdienste ihres treuen Mitarbeiters im Frühjahr, zusammen mit Geschäftspartnern, diesen gefeiert. Vom «10-jährigen», der Feier im Herbst mit dem Personal, wird José unter anderem ganz besonders jener bewegende Augenblick in Erinnerung bleiben, als ihm die Familie Grob als Geschenk eine grosse, wertvolle Senntumglocke überreichte. Diese hat einen Ehrenplatz und dürfte im Alltag gelegentlich an dieses besondere Ereignis erinnern.
