Ausgabe Nummer 29 (2003)
Dann und wann auch eine Andacht
| Thurgauer Zukunfslandwirtschaft/Teil 5 | |||
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| Schweine und Schafe mit teilweiser Direktvermarktung sowie Ackerbau sind die Hauptstandbeine der Betriebsgemeinschaft (BG) von Vater Martin und Sohn Rolf Huber aus Buch bei Frauenfeld. Mit dem seit vier Jahren bestehenden Friedwald Seebachtal und dem unmittelbar daneben gelegenen wetterfesten Grillplatz bietet die Betriebsgemeinschaft vielen Leuten aber auch einen stillvollen Rahmen zum Feiern wie auch zum Trauern. | |||
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| Buch bei Frauenfeld, idyllisch gelegen am Südrand des Seebachtales, kann mit Fug und Recht als klassisches Bauerndorf bezeichnet werden. Doch die Landwirtschaft aus der Ortschaft stellt nicht nur einwandfreie Rohstoffe für Lebensmittel her: Auf dem Betrieb von Martin und Rolf Huber wird auch eine ganz besondere Dienstleistung angeboten. Seit Anfang dieses Jahres gibt es das nunmehr von der BG Huber selbstständig geführte Projekt "Waldbestattung Seebachtal". Auf dem weitläufigen Gelände mit Wald, Teichen und Wiesen können sich interessierte Leute einen Baum aussuchen. Stirbt die betreffende Person, so wird seine Asche am reservierten Baum bestattet. "Eigentlich ist der &Mac220;Thurgauer Bauer&Mac221; verantwortlich dafür, dass es diesen Friedwald gibt", sagen Hubers. Vor einigen Jahren haben sie dort einen Artikel über Friedwald-Pionier Ueli Sauter aus Mammern gelesen und sich für das Projekt interessiert. Der Friedwald in Buch bei Frauenfeld war dann nach Mammern der erste, der teilweise nach Sauters Vorstellungen gemeinsam realisiert wurde. Ein persönliches Refugium Das heutige Friedwald-Gelände hat sich der begeisterte Naturfreund, Jäger und Fischer Martin Huber als persönliches Refugium angelegt, lange bevor überhaupt von Friedwäldern die Rede war. Die abgestuften Teiche und der junge Wald muten an wie ein Japanischer Garten; einzig die Rundbogenbrücke fehlt. Der Zufall wollte es, dass ein Gärtner einen Teil der Parzelle zeitweise als Baumschule benutzte. So zieren nun einzelne exotische Hölzer wie die serbische Fichte, die österreichische Schwarzkiefer, die amerikanische Roteiche oder ein ? allerdings noch zarter ? Mammutbaum das Gelände. Mittlerweile sind Hubers von der ursprünglichen Idee Sauters abgekommen, für jeden Kunden einen neuen Baum zu setzen. Sie bieten dafür die bereits etablierten Bäume und Sträucher als persönliche Bestattungsstätten an. Mit ihren Kunden schliessen Rolf und Martin Huber Dienstbarkeitsverträge ab, wofür ein Grundbucheintrag auf der fraglichen Parzelle bis spätestens 2098 als Grundlage dient. Die Friedwaldbetreiber werden für den Baum einmalig mit einigen Tausend Franken entschädigt. Die Höhe der Entschädigung richtet sich nach Standort und Baumart. Friedbäume stellen meist Familiengräber dar, in denen in der Regel die Aschen von Verwandten über mehrere Generationen hinweg beigesetzt werden. Viele besuchen ihre zukünftige Ruhestätte regelmässig, wissen Rolf und Martin Huber. "Die Leute nicht alleine lassen" Der Friedwald stellt besondere Ansprüche an die Betriebsleiter. Die Pflege des Areales ist dabei die beiläufigste. Sie lässt sich mit vertretbarem Aufwand und den vorhandenen Maschinen bewerkstelligen. Wichtiger ist die Betreuung des Kundenkreises, und diese reicht weit über den Abschluss des Vertrages hinaus, wie Vater und Sohn Huber feststellen mussten. "Es ist wichtig, die Leute nicht alleine zu lassen, und ihnen im Rahmen des Möglichen nach einem Todesfall individuelle Unterstützung zu bieten ? und dies in den unterschiedlichsten Bereichen", erklärt Martin Huber. Dazu gehört unter Umständen auch, bei einer Bestattung einmal eine kurze Andacht zu halten, wobei er festhält, dass eine Waldbestattung im Seebachtal grundsätzlich allen Menschen unterschiedlichster Herkunft, Religionen und Konfessionen, aber auch konfessionslosen Menschen offen steht. Die Betriebsstruktur der Vater-Sohn-Gemeinschaft (siehe Kasten) ermöglicht es, diese Dienstleistung mit den Arbeiten in Feld und Stall zu vereinbaren. "Der schöne Nebeneffekt daran ist: Es entsteht ein neuer Freundes- und Bekanntenkreis." Man beschäftige sich zwar mit Tod und Trauer, doch "das Thema ist kein Tabu mehr". Zeit zum Trauern, Zeit zum Feiern Wie Leben und Tod zueinander gehören, wechseln sich auf dem Betrieb Huber auch Trauer und Fröhlich sein ab. An den Friedwald angrenzend findet sich der Grillplatz, die zweite ausserlandwirtschaftliche Dienstleistung der Betriebsgemeinschaft. Die Infrastruktur umfasst eine feste Feuerstelle und Tisch-Bank-Garnituren für 100 überdachte Plätze sowie die notwendigen sanitären Einrichtungen. Der Grillplatz wird von der BG Huber nur mit Betreuung angeboten. Das heisst, bei allen Veranstaltung ist immer mindestens ein Familienmitglied anwesend, dass sich um Grill und Feuer kümmert. Angeboten wird auf Wunsch ein kompletter Party-Service in Zusammenarbeit mit lokalen Metzgereien und Winzern. Es wird grossen Wert darauf gelegt, dass der Kundschaft neben eigenen Produkten nur Einheimisches aus der Region angeboten wird. Als Lieferanten dienen der wieder auferstandene Dorfladen in Buch, die Landi am Iselisberg, die Dorfkäserei und die Weinproduzenten aus der näheren Umgebung. Dank Internet und Mund-zu-Mund-Propaganda hat sich der Kundenkreis seit 2002 ständig erweitert. Über die Sommermonate finden fast jedes Wochenende Familien- oder Firmenanlässe statt. Also bleibt man angebunden? "Ja, aber das nehmen wir gerne in Kauf", sagt Martin Huber. Der Grillplatz wird auch von Friedwald-Kunden beansprucht, sei es für eine einfache Leidmahlzeit nach der Bestattung oder ? wie in einem Fall ? für eine runde Geburtstagsfeier, die nach dem unerwarteten Tod des Jubilaren von seinen Angehörigen begangen wurde. Und die Landwirtschaft? 160 Mastschweine und rund 20 Hektar Ackerfläche sind die Kenndaten der Huberschen Landwirtschaft. Auf den für den Ackerbau ungeeigneten Hängen werden zudem einige Dutzend Schafe gehalten. Nach wie vor steht die Landwirtschaft im Zentrum der Tätigkeiten von Martin und Rolf Huber. Doch beide wissen: "Die Landwirtschaft wirft immer weniger ab. Und warum sollen wir mehr Fläche bewirtschaften, wenn der Preis für die Produkte nicht stimmt." So versuchen sie, aus dem Bestehenden das Beste zu machen. "Der Ackerbau liefert das Futter für die Schweine, und die Schweine das Fleisch für den Grillplatz", fasst Rolf Huber die Wertschöpfungskette zusammen, wie sie im Idealfall zusammenspielen sollte. Das Fleisch der Schweine und Schafe wird vorwiegend über die lokalen Partner-Metzgereien vermarktet, ein Teil fliesst ? auch über diese Metzger ? in die Direktvermarktung, so werden nur Speck und Bauernschüblige direkt ab Hof verkauft. Auch geräucherter und frischer Fisch wird angeboten. Fisch? Tatsächlich schwimmen in einem umgebauten Schweinstall Lachsforellen umher. Fischzucht hat Vater Martin Huber schon immer interessiert. Mit dem Anlegen von eigenen Fischteichen und Selbstgeräucherten habe er sich einen Bubentraum erfüllen können. Honig aus eigener Imkerei hat bis vor kurzem das Angebot abgerundet. Doch wegen dem Grillplatz-Betrieb und aus arbeitswirtschaftlichen Überlegungen wurde die Bienenhaltungen aufgegeben und die Imkergerätschaften vor kurzem einem Jungimker weitergegeben. "Nun bieten wir Honig von Imker-Kollegen aus der Umgebung im Direktverkauf an." Wenn es die Zeit zulässt, führt Sohn Rolf Huber auch Arbeiten für Dritte aus, wie etwa Hecken schneiden oder Gartenpflegearbeiten. Mit dem Hoftrac mistet er Laufställe in der Region, und er fährt im Herbst für einen Lohnunternehmer mit dem Zuckerrübenvollernter. In diesem Sommer verfolgen die beiden zudem ein besonderes Projekt: Für die junge Familie von Rolf Huber wird im bisherigen bäuerlichen Stil ein zeitgemässes Wohnhaus gebaut mit Ökonomieteil und zweckmässigen Werk- und Nebenräumen. Es ensteht an der Stelle eines etwa 250-jährigen Bauernhauses, das sehr baufällig geworden war und bereits abgebrochen wurde. (hil) Mehr Infos auf: www.bg-huber-seebachtal.ch |
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