Ausgabe Nummer 37 (2003)

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Das eine tun, und das andere nicht lassen

Thurgauer Zukunftslandwirtschaft/Teil 7
 

Das eine tun, und das andere nicht lassen

 
Bäuerin, Mutter und Politikerin. Liselotte Peter aus Kefikon engagierte sich seit Jahren an mehreren «Fronten». Mit Ehemann Ernst führt sie einen 30-Hektar-Betrieb mit Milchwirtschaft, Ackerbau, Obstbau und Schweinehaltung.
 

«Ich politisiere nicht auf Teufel komm raus», sagt Lieselotte Peter. (hil)

 
Er sei von «klein auf mit dabei gewesen», sagt Ernst Peter, Landwirt aus Kefikon. Er habe nie etwas anderes gewollt, als Bauer zu sein. Ehefrau Liselotte Peter-Huber, gelernte Primarlehrerin, meint dagegen: «Mit 20 konnte ich mir ein Leben als Bäuerin nicht vorstellen.» Und trotzdem: Seit bald 20 Jahren führen die beiden einen gemischten Betrieb in Kefikon. «Es» steckt wohl einfach in einem drin, meint Liselotte Peter, die auf einem Bauernhof im Oberthurgau aufgewachsen ist. Vier Kinder gehören zur Familie Peter; sie sind mittlerweile zwischen acht und 18 Jahre alt.
Der Betrieb hat sich seit 1988, als Ernst Peter ihn von seinem Vater übernahm, schon verändert, auch wenn die Grundkonstellation die gleiche geblieben ist. Ackerbau und Milchwirtschaft sind die beiden prägenden Standbeine. Daran mögen die beiden vorderhand nicht rütteln. «Ich kann mir das eine ohne das andere nicht vorstellen», macht Ernst Peter schnell klar. Sie halten nicht viel davon, den guten, ackerfähigen Boden für die Haltung von Mutterkühen zu nutzen.
Die Produkte aus dem Ackerbau werden in der Tierhaltung verwendet oder finden wie die Kartoffeln oder die Zuckerrüben in der Nahrungsmittelindustrie ihren Absatz. Gerade Letzteres sei wegen der Nähe zur Zuckerfabrik in Frauenfeld eine interessante Kultur. Durch Zupacht und Zukauf wurde die Nutzfläche in den letzten 15 Jahren Schritt für Schritt vergrössert. Der Zukauf von Land war dem Betriebsleiterpaar auch deshalb wichtig, weil einzig auf zugepachtetem Land «schlecht investiert werden kann».

Mehr Arbeit für gleich viel Lohn
Mit der Ausdehnung von bewirtschaftetem Boden und Milchkontingent ist auch der Arbeitsaufwand ständig gestiegen. «Wir müssen heute deutlich mehr arbeiten, um unser Einkommen halten zu können», teilen Ernst und Liselotte Peter die Erfahrungen vieler Bäuerinnen und Bauern. Ende der 80er-/Anfang der 90er-Jahre habe es noch einige «gute Jahre gegeben». Doch die Entwicklung weg von der Preis- und Einkommensgarantie hin zu den Direktzahlungen und hin zum Ökologischen Leistungsnachweis beurteilen die beiden als «nicht unbedingt erfreulich». Die vielen Auflagen und Einschränkungen geben zu denken und stören. «Du bist ja nicht mehr frei», meint Ernst Peter. Ziel von Liselotte und Ernst Peter ist nichtsdestotrotz «weiterhin 100 Prozent von der Landwirtschaft leben zu können.» Doch dafür, das ist beiden bewusst, seien weitere Anstrengungen notwendig, «vor allem im arbeitswirtschaftlichen Bereich». Ein Betriebszweig jedenfalls musste in den letzten Jahren hinten anstehen. Während die Eltern von Ernst Peter noch Jahr für Jahr gegen 800 Harassen Tafelobst in der stattlichen Hochstammanlage gepflückt haben, sind es nun einige Harassen für die Direktvermarktung.

Betriebsspiegel
IP-Betrieb mit Milchwirtschaft (210 000 kg) in Siloverbotszone mit Emmentalerkäserei, Ackerbau, Hochstammobstbau, M7-Schweinemast/Ferkelaufzucht.
Landwirtschaftliche Nutzfläche: 33 ha (17,5 ha eigen)

Weizen:
Gerste:
Kartoffeln:
Zuckerrüben:
Mais:
Kunstwiese:
Naturwiese:
Naturwiese extenso:
3 ha
2,5 ha
2,5 ha
2,5 ha
3,5 ha
5,0 ha
12,0 ha
2,0 ha

Arbeitskräfte: Betriebsleiter, Ehefrau, Praktikanten, Aushilfen.

Politik statt Direktvermarktung
Die Direktvermarktung hätte in den letzten Jahren zu einem «rechten Betriebszweig werden sollen». Dass sie es, trotz idealer Lage an der Durchgangsstrasse zwischen Islikon und Kefikon, nicht geworden ist, sei letztlich ihrem Engagement in der Politik zuzuschreiben, erklärt Liselotte Peter. Bereits in ihrem Elternhaus in Mattwil wurde politisiert. Ihr Vater sei Schulpräsident gewesen, erzählt sie. Sie habe sich bereits früh für das politische Geschehen interessiert, das sei auch in der Seminarzeit nicht anders gewesen, als sie mit eher linken politischen Ideen konfrontiert wurde. Den Einstieg in die «aktive» Politik verdankt sie der Wiedergründung einer SVP-Ortspartei in Gachnang, an der ihr Mann aus Zeitgründen nicht teilnehmen konnte. Bei der Bildung der Politischen Gemeinde Gachnang im Jahr 1998 schliesslich wurde sie als Vertreterin von Kefikon in den Gemeinderat gewählt. 2000 gelang ihr im dritten Anlauf der Sprung in den Grossen Rat, als erster SVP-Frau aus dem Bezirk Frauenfeld.

Nationale Karriere?
Nun strebt Liselotte Peter auf der Liste der Schweizerischen Volkspartei einen Sitz im Nationalrat an. Ihre Motivation für diese zweite nationale Kandidatur? «Die Landwirtschaftspolitik wird nun einmal in Bern gemacht. Da gibt es für mich mehr Möglichkeiten mitzureden als im Kanton oder in der Gemeinde», sagt sie und fügt an, dass sie sich aber keinesfalls auf Landwirtschaftspolitik reduzieren lassen will. Sie vertrete eine klare bürgerliche Sicht, gerade und auch in der Sozialpolitik. Man müsse wieder mehr Eigenverantwortung tragen, fordert Liselotte Peter.
Doch sie weiss auch, dass ihre Aussichten auf einen Sitz im Bundesparlament beschränkt sind, zu stark sind die drei bisherigen Thurgauer SVP-Nationalräte. «Da muss wohl Peter Spuhler erst Bundesrat werden», scherzt sie. Politik ist immer auch eine Sache von Konstellation und Timing. Sie hat bereits bei den Wahlen ins Kantonsparlament Stehvermögen bewiesen, und wird dies auch bei den eidgenössischen Wahlen tun. «Ich politisiere nicht auf &Mac220;Teufel komm raus&Mac221;», sagt sie zwar. Doch auf halben Weg aufhören wolle sie ebenfalls nicht. «Und sollte ich in der Politik wirklich scheitern, dann widme ich mich wieder mehr der Direktvermarktung», das weiss sie schon jetzt. (hil)
 

Betriebsporträts
Unter dem Titel «Thurgauer Zukunftslandwirtschaft» porträtiert der Thurgauer Bauer regelmässig Betriebe aus dem Kanton. Die Serie soll aufzeigen, wie sich die Thurgauer Bauernfamilien im Einzelfall der Zukunft stellen, welche Überlegungen gemacht werden und welche Schritte unternommen werden, um dem Betrieb und der Familie eine sichere Zukunft zu ermöglichen. Bereits erschienen: Andreas Binswanger, Präsident TBV (Nr. 9, Freitag, 28. Februar); Brigitte und Albert Schönholzer, Sulgen (Nr. 13, Freitag, 28. März); Felix Graf, Happerswil (Nr. 20, Freitag, 16. Mai). Käthy und Daniel Vetterli, Rheinklingen (Nr. 25, Freitag, 20. Juni) Martin und Rolf Huber, Buch b. Frauenfeld (Nr. 29. Freitag, 18. Juli); Stefan Burkhalter, Homburg, (Nr. 34, Freitag, 29. August). (hil)


 
 
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