Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
20. April 2018


Das (Flach-)Pflügen erlebt eine Renaissance

Ausgabe Nummer 31 (2017)

Auf dem Biohof von Herbert Schär in Hagenwil hat der Pflug wieder Einzug gehalten. Er setzt dabei auf das vielversprechende Flachpflügen. Dieser Bodenbearbeitung hat sich auch ein Fachteam vom BBZ Arenenberg angenommen.

Das Ackerbaufachteam am BBZ Arenenberg hat sich wieder verstärkt der Arbeit mit dem Pflug verschrieben. Dies nicht grundlos, wie Bernhard Müller kürzlich auf dem Hof von Herbert Schär in Hagenwil ausführte. «Gemäss Umfragen bei den verschiedenen Pflugherstellern hat sich gezeigt, dass die Nachfrage nach Pflügen wieder zugenommen hat», so Müller. Entsprechend will sich jetzt das BBZ Arenenberg verstärkt einbringen. Die kommende Europameisterschaft im Pflügen wird dazu genutzt, das Flachpflügen in verschiedenen Varianten von einer Arbeitstiefe bis zu 10 cm wieder verstärkt im praktischen Einsatz in Erinnerung zu rufen.
Nicht zuletzt liegt das Flachpflügen auch im Sinne der nachhaltigen Landwirtschaft, da es mit dem Ressourcenprogramm des Bundes gefördert wird. Die heute als Flachpflügen definierte Bodenbearbeitung ist nicht neu. Früher wurde nach der Getreideernte ebenfalls bewusst flach gepflügt, was auch als Schälen bezeichnet wurde. Stoppeln und auch Unkraut werden dabei nur wenig unter den Boden gekehrt, sodass das Stroh gut verrotten und das Unkraut eingehen kann. «Wir wollen uns deshalb an alle Landwirte wenden, welche an einer reduzierten Bodenbearbeitung interessiert sind, aber nicht auf den Pflug verzichten möchten. Sie finden im Flachpflug ein geeignetes Werkzeug für die Bodenbearbeitung», betont Daniel Frühlich vom Arenenberger Pflugteam.

Musterhof setzt auf dieses Verfahren
Der Hof von Herbert und Brigitte Schär liegt am Dorfrand von Hagenwil auf 500 m ü. M. Man verzeichnet rund 1000 mm Niederschlag, und der Betrieb mit einer landwirtschaftlichen Nutzfläche von 27 ha wird seit 1992 biologisch bewirtschaftet. Gepflegte Kulturen und ein sehr interessanter Erfindergeist prägen den Betrieb und seinen Betriebsleiter. «Ich setze dabei auf eine sechsfache Fruchtfolge mit sieben Kulturen, welche auch auf die Unkrautproblematik abgestimmt ist», erklärt Herbert Schär (siehe Kasten). «Bei der Unkrautbekämpfung ohne Herbizide auf einem Biobetrieb sind Beobachtungen und Erfahrungen die wichtigsten Grundsätze», betont Schär. Bei der gesamten Bodenbearbeitung setzte Schär von 1997 bis 2015 ganz ohne Pflug auf eine tiefenreduzierte Grundbodenbearbeitung. Im Ackerbau sind entsprechend keine tief wendenden oder ganzflächig bodenwendenden Eingriffe ausgeführt worden. Dabei wurden maximal nur die oberen 10 cm bewegt. Einerseits sieht Schär grundsätzlich viel Potenzial im pfluglosen Ackerbau. Die Humusanreicherung erfolgt in der Bodenoberschicht, was zu einer verbesserten Bodenfruchtbarkeit führt. Die Befahrbarkeit bei allen Arbeiten bis zur Ernte ist besser. Man findet zudem mehr Regenwürmer und verzeichnet deutlich weniger Erosion. Auch bezüglich der Unkrautbekämpfung spricht einiges für pfluglos. «Die Verteilung der Unkrautsamen erfolgt so nur in der oberen Bodenschicht, wo sie in der Folge keimen und bei Pflegearbeiten besser erfasst und bekämpft werden können», betont Schär. Er stellt aber auch fest, dass ein tieferer Druck von Wurzelunkräutern vorhanden ist. Schär spricht auch von bedingten Einsparungen bezüglich Treibstoff und Arbeitszeit.
Dass es auch im Biolandbau sehr gut funktioniert, auf den Pflug zu verzichten, zeigt Schär anhand des Mais- und Kartoffelanbaus auf. Der Mais wird mittels Direktsaat in die Kunstwiese gesät. Danach folgen bis zu drei Hackvorgänge, um das Gras und Unkraut in Schach zu halten und zugleich optimale Wachstumsbedingungen für den Mais zu erhalten. Auch hier hat Schär seine Beobachtungen – dank seinem Flair für einfache technische Lösungen – mit Maschinen gut kombinieren können und setzt selbst angepasste oder umgebaute Maschinen wirksam ein.

Herausforderungen
«Wir sind aber auch mit grossen Herausforderungen konfrontiert. Kosteneinsparungen oder der Durchwuchs nach Kleegras gehören dazu», so Schär. Zudem führt es zu einer späteren N-Mineralisierung und bodenbürtige Schaden-Erreger sowie solche, die auf Stoppelresten überdauern, könnten zusammen mit mehr Unkraut zu Problemen führen.
Schär verweist aber auch auf die Vorteile des Pfluges. Er spricht von einer einfacheren Mechanisierung und weniger Schwierigkeiten und Herausforderungen bezüglich der Pflegearbeiten. Zudem ist der Anbau mit Pflug weniger anspruchsvoll und gewährleistet eher eine Anbausicherheit. Dies sind auch Gründe, warum Schär wieder auf die Zwischenlösung mit dem Flachpflug setzt und dafür – ganz seinem Sinn für die richtige Technik entsprechend – den angepassten Pflug einsetzt.
Gerade sein Sinn für die schonende Bodenbearbeitung verschaffte ihm die Möglichkeit, diese auch ausserbetrieblich einzusetzen. So bietet er Lohnarbeiten im Bio-Ackerbau in den Bereichen Saat und Pflegearbeiten, in der pfluglosen Grundbodenbearbeitung und der Unkrautbekämpfung mit selbst entwickelten oder angepassten Maschinen an.
Das Ackerbauteam des BBZ Arenenberg wird auf dem grossen Wettkampfareal in Diessenhofen am Samstag, 19. August, um 13.30 und 15.00 Uhr sowie am Sonntag, 20. August, um 11.00 und 13.30 Uhr in moderierten Vorführungen verschiedene Varianten präsentieren.


Roland Müller










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