Ausgabe Nummer 32 (2003)

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Das "Miteinander" ist wichitg

Edith und Daniel Jud setzen auch beim 1.-August-Brunch auf Zusammenarbeit
 
 
Der 1.-August-Brunch auf dem Bauernhof ist auch im Thurgau für breite Bevölkerungskreise kaum mehr vom Nationalfeiertag wegzudenken. Die Familie Edith und Daniel Jud-Goldinger aus Hörhausen war einer von 13 Thurgauer Betrieben, die zum Brunch einluden.
 
Obwohl dieser Anlass sehr arbeitsintensiv ist, haben Gastgeber wie Edith und Daniel Jud aus Hörhausen «ihr» Konzept gefunden, um für einen grossen Besucheransturm gewappnet zu sein. Sie haben sich 2003 zum 4. Mal am 1.-August-Brunch beteiligt und können auf Erfahrungswerte und eine gewisse Routine aufbauen. Dies trage dazu bei, dass der Brunch für den Betrieb nicht zur Überlastung und damit zum Überdruss wird. In diesem Jahr wirkte sich die Tatsache, dass die Getreideernte schon früh abgeschlossen werden konnte, förderlich für die vielfältigen Vorbereitungsarbeiten auf dem Hof aus. Als Attraktion bot die Familie auch in diesem Jahr wieder Kutschenfahrten an. Allen Brunch-Betrieben gemeinsam ist die Tatsache, dass sich hier unterschiedlichste Bevölkerungskreise in zwangsloser Atmosphäre wohlfühlen können und spezielle Begegnungen zwischen Produzenten und Konsumenten möglich werden. Auch unter den Gästen herrscht gegenseitige Akzeptanz: So wurde es in Hörhausen positiv aufgenommen, dass auch eine Gruppe von mehrfach Behinderten des Wohnheims Lerchenhof aus Homburg so selbstverständlich unter den übrigen Brunch-Besuchern weilte. Die Familie Jud hat den Brunch 2003 wiederum unter Mithilfe mit befreundeten Bauernfamilien (Familie Frei von Ah, Familie Müller-Heimberg, Familie Villiger) aus der Region durchgeführt.

Der Bauernhofbrunch ? eine unerlässliche Institution
Der Aspekt des «Miteinander» spielt bei der Familie Jud eine grosse Rolle: So ist Edith Jud mit ihrer Berufskollegin Dorli Häni seit sieben Jahren mit einem Früchte- und Gemüsemarktstand in Frauenfeld präsent. Unter den Besuchern befanden sich auch diesmal zahlreiche «Stammgäste», und «Neue» äusserten sich ebenfalls nur positiv über dieses Angebot. Bezogen auf die Gastgeberfamilie Jud wurde diese für ihre Flexibilität gelobt: Wenn die nächste Gästeschar nahte, bemühten sich Daniel Jud und die freiwilligen Helfer sofort darum, das Platzangebot mit immer neu aufgestellten Tischen und Bänken zu erweitern. Einer der Brunch-Gäste, Claudia Bauer, wohnhaft in Genf, die ihre Ferien im Heimatkanton Thurgau verbrachte, nach der Bedeutung des Brunchs befragt, meinte: «Für mich gehört der Besuch des 1.-August-Brunchs als grosse Selbstverständlichkeit zu diesem Feiertag. Was mir hier so gefällt, ist das Ambiente. Dies trägt sicher dazu bei, dass auch die anderen Gäste sich so ausreichend Zeit zum Essen nehmen. In meinem Fall beinhaltet der Brunchbesuch ein wichtiges Stück Thurgau und bietet mir die beste Gelegenheit, die eine oder andere Bekannte wieder einmal zu treffen.» Angela Ebnöther, ein Teenager aus Frauenfeld, lobte, stellvertretend für die vielen anderen Kinder und Jugendlichen, am Brunch, dass sie auf dem Hof eine zwangslose Atmosphäre vorfand und mit Jungtieren, wie zum Beispiel einem Fohlen, in spielerischen Kontakt treten konnte.

Premiere für «Suneberger Burehofglace»
Brunch-Betriebe sind immer auch ein Schaufenster für die nicht-bäuerliche Bevölkerung: Sie bilden Bausteine in einer Brücke hin zu den Konsumenten, im Sinne der Basiswerbung des SBV «Gut, gibt?s die Schweizer Bauern». Die Evangelische Kirchgemeinde Frauenfeld hat diese Gelegenheit benützt und bei Daniel Jud den Wunsch nach einer Betriebsführung geäussert. Dieser schlüpfte somit erstmals in die Rolle des Präsentators. Der Rundgang auf seinem 14-ha-Betrieb führte unter anderem zu jenen Feldkulturen, auf denen die Familie Gemüse für die Direktvermarktung anpflanzt. Auf dem Familienbetrieb, der bereits in der vierten Generation geführt wird, haben immer wieder neue Produktionszweige Einzug gehalten und damit nötige neue Entwicklungen ausgelöst. Die Milchwirtschaft, erklärte Daniel Jud, sei für ihn, zugunsten der Schweineproduktion, etwas ins Hintertreffen geraten, weil er hier keine weiteren Entwicklungsmöglichkeiten sah. Die Brown-Swiss-Züchtung sei nur ein Hobby. Er will auch in Zukunft mit landwirtschaftlicher Produktion die Existenz seines Hofs sichern. Darum greift er innovative Ideen auf, welche sich auf dem Hof umsetzen lassen. Eine solche Chance sieht er im Bauernhofglace, welches sein Direktvermarktungsangebot erweitern soll. Ende Juli hat Familie Jud eine Glace-Maschine installiert, und am 1.-August-Brunch gabs «Suneberger Burehofglace». Das besondere am Bauernhofglace ist, dass es ohne Zusätze hergestellt wird und es eine Art Gebietssicherung gibt, die den Anbietern gewährleistet, in ihrer Region damit genügend Marktchancen zu erhalten.

Isabelle Schwander


Auf den Brunch-Betrieben ? wie hier in Hörhausen ? sind auch Kinder willkommene Gäste, die genug Platz zum Spielen vorfinden.

 
Landwirt Daniel Jud (rechts aussen) bot Mitgliedern der Evangelischen Kirchgemeinde Frauenfeld die Gelegenheit für eine Betriebsführung, die auf grosses Interesse stiess.


Stellvertretend für die vielen anderen zufriedenen Brunch-Besucher befand Claudia Bauer, dass der 1.-August-Brunch eine unverzichtbare Institution geworden ist. Brunch-Betriebe sind wie Schaufenster für die nichtbäuerliche Bevölkerung und bieten interessante Begegnungsmöglichkeiten, damit Kinder Bauernhoftiere nicht nur in Bilderbüchern kennen lernen.
 
 
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